Köln: CDU-Politiker schießt auf Mann - Festnahme, Mordkommission ermittelt

72-Jähriger festgenommen : Kölner CDU-Politiker soll auf 20-Jährigen geschossen haben

Eine Mordkommission ermittelt gegen einen Kölner CDU-Politiker. Der 72-jährige Bezirksvertreter soll bei einem Streit auf einen jungen Mann geschossen haben. Bei dem Vorfall war er laut Polizei alkoholisiert.

Ein Kölner Politiker steht im Verdacht, mit einem Revolver auf einen 20-Jährigen geschossen zu haben. Der 72-Jährige war in einem Kölner Stadtteil als Bezirksvertreter aktiv. Wegen des Vorfalls lasse er sein Mandat „bis zur vollständigen Klärung der Vorwürfe“ ruhen, teilte die CDU Köln mit. Diesen Entschluss habe der Mann seiner Partei mitgeteilt.

Bernd Petelkau, Vorsitzender der CDU Köln, und Werner Marx, Vorsitzender des CDU-Stadtverbands Porz, begrüßen dieses Vorgehen. „Sollten sich die Vorwürfe allerdings erhärten, erachten wir eine Mandatsniederlegung als einzig mögliche und unausweichliche Konsequenz.“ Die Politiker hoffen auf eine „zügige Aufarbeitung“ des Falls. Petelkau verwies darauf, dass bis zum Abschluss der Ermittlungen für die Beteiligten die Unschuldsvermutung gelte. „Konflikte dürfen in unserem Land nicht mit Gewalt gelöst werden. Erst recht verurteilen wir den Einsatz einer Schusswaffe“, hieß es in dem CDU-Statement weiter.

Der 72-jährige Lokalpolitiker soll in der Nacht auf Montag, 30. Dezember, in Köln auf einen 20 Jahre alten Mann geschossen haben. Nach Angaben der Kölner Polizei erlitt der junge Mann schwere Verletzungen am Arm und an der Schulter. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht und dort behandelt. Lebensgefahr bestand zu keinem Zeitpunkt.

Der 20-Jährige war mit drei Begleitern (21, 22 und 23 Jahre alt) unterwegs gewesen. Nach ersten Ermittlungen der Polizei soll der 72-Jährige aus seinem Haus gekommen sein und die vier jungen Männer angesprochen haben. Anschließend kam es demnach zum Streit, bei dem der Mann laut Zeugen mit einem Revolver auf die Männer gezielt habe. „Sekunden später“ erlitt der 20-Jährige laut Zeugen die Schussverletzung. Nach Angaben der Kölner Polizei war der CDU-Politiker bei dem Vorfall alkoholisiert. Ein Arzt entnahm ihm eine Blutprobe.

Wegen des Vorfalls hatten sich in den vergangenen Tagen mehrere Politiker zu Wort gemeldet: „Ich hoffe sehr, dass die genauen Umstände der Tat zügig und vollständig aufgeklärt werden“, sagte die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker. „Klar ist, dass eine solche Tat mit den Erwartungen an ein öffentliches Mandat unvereinbar wäre.“ Auch CDU-Parteikollegen äußerten sich: „Falls die Anschuldigungen zutreffen, wäre dies inakzeptabel und würde eine eindeutige Distanzierung erfordern“, schrieb der NRW-Landtagsabgeordnete Oliver Kehrl bei Twitter. Der Kölner Bundestagsabgeordnete Heribert Hirte twitterte: „Wenn die Vorwürfe zum Schusswaffengebrauch gegen den CDU-Kommunalpolitiker zutreffen, erwarte ich, dass er sein Mandat niederlegt.“ Zudem sei es „hilfreich“, wenn der 72-Jährige sich äußern würde. In den sozialen Medien schlug der Vorfall in Köln hohe Wellen: Sogar CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak twitterte zu dem Fall.

Der CDU-Politiker wurde nach dem Vorfall am 30. Dezember von der Polizei festgenommen. Polizisten sicherten das Haus des Tatverdächtigen in Köln. Der Mann wurde aufgefordert, das Gebäude zu verlassen. Am Tatort wurden Spuren gesichert, zudem durchsuchten Polizisten das Haus des Festgenommenen. Dabei stellten sie fünf scharfe Schusswaffen sicher. Ob die Tatwaffe darunter ist, wird derzeit noch ermittelt. Außerdem wurde ein Wechselsystem gefunden, eine Vorrichtung zum Wechseln des Kalibers einer Schusswaffe.

Der 72-Jährige ist Sportschütze und hat eine Waffenbesitzkarte, wie ein Sprecher der Kölner Polizei auf Anfrage unserer Redaktion mitteilte. Auf der Karte seien jedoch nur vier der fünf gefundenen Waffen eingetragen gewesen. Eine Waffenbesitzkarte erlaubt den Erwerb und Besitz von Schusswaffen. Anders als bei einem Waffenschein darf der Besitzer der Karte die darin eingetragenen Waffen jedoch nicht führen.

Gegen den CDU-Politiker ermittelt nun eine Mordkommission wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung. Nach Angaben der Kölner Staatsanwaltschaft dauern die Ermittlungen an: Noch seien nicht alle Zeugen abschließend vernommen worden, sagte Staatsanwalt Ulf Willuhn auf Anfrage unserer Redaktion. Eine psychische Erkrankung liegt bei dem 72-Jährigen nicht vor, teilte die Polizei mit. Der Tatverdächtige schweigt und lässt sich durch einen Anwalt vertreten.