„Jederhundrennen“ in Köln: Auf geht’s, Püppi!

„Jederhundrennen“ in Köln: Auf geht’s, Püppi!

"Jederhundrennen" in Köln: Wenn Dackel und Chihuahua um die Wette laufen

Zweimal im Jahr dürfen beim Kölner „Jederhundrennen“ Hunde jeder Rasse und Mischlinge auf die Profi-Bahn des Windhundsportvereins. An Pfingstmontag war es wieder soweit. Die Besitzer geben alles, damit ihre Tiere ins Ziel kommen.

Wer denkt, dass Chihuahuas die längste Zeit des Tages in Damenhandtaschen sitzen und sich spazieren tragen lassen, der kennt Madame Butterfly – kurz: Puppa – nicht. Die schwarze Hündin wetzt am Pfingstmontag in einem Affentempo über den Rasen im Kölner Windhundestadion „Beller Maar“. Von weitem ist sie nur als dunkler Punkt zu erkennen. Sie jagt ihrer Besitzerin Karin Obbink nach, die mit gutem Vorsprung vorweg rennt und ein Quietschspielzeug drückt – beim „Jederhundrennen“ ist alles erlaubt, Hauptsache die Hunde kommen irgendwie ins Ziel.

„Mit ihren Hühnerbeinchen ist sie halt nicht ganz vorn dabei“

12,73 Sekunden hat der Chihuahua für die 100 Meter gebraucht, Madame Butterfly ist in der Kategorie „Kurzbeinige Hunde bis 33,9 Zentimeter“ gestartet. „Ja…“, sagt Karin Obbink später, während sie die Arme in die Seiten stemmt und sich die Zeiten aller Hunde anschaut. „Das war nicht schlecht, aber mit ihren 1,6 Kilo und den Hühnerbeinchen ist sie jetzt halt auch nicht ganz vorne mit dabei.“ Puppa blinzelt in die Sonne und gähnt. Worum es geht, versteht hier keiner der Hunde, sie sind schließlich keine Profis.

Madame Butterfly ruht sich aus. Foto: Claudia Hauser

Die Profis dürfen an diesem Tag nur zuschauen: „Reinrassige Windhunde sind vom Rennen ausgeschlossen, das wäre sonst unfair“, sagt Kerstin Hartwig vom Köln-Solinger Windhundsportverein. Greyhounds erreichen 70 Kilometer in der Stunde. Zweimal im Jahr öffnet der Verein seine Rennbahn im Stadtwald für das „Amateur-Rennen“. 140 Hunde sind angemeldet, es gibt sechs Rennen. Zu gewinnen gibt es kein Geld, sondern Urkunden, Pokale und Siegerschleifchen.

Besitzer laufen voraus

An der Startlinie werden die Hunde festgehalten, während ihre Besitzer voraus laufen. Das Gewinsel ist hier groß - Bruno, Flecki oder Benji verstehen überhaupt nicht, was los ist. Immer Herrchen oder Frauchen im Blick preschen sie dann los, sobald sie von der Leine sind. So wie Rana, eine Mischlingshündin aus Portugal, die die 100 Meter in 8 Sekunden schafft. Sie fliegt ihrem Besitzer, dem 23 Jahre alten Raffael, im Ziel regelrecht in die Arme.

„Hund und Herrchen im besten Alter, sehr sportlich“, lobt der Kommentator, der in einem Häuschen neben der Ziellinie sitzt. Rana hat die Kurve ganz eng genommen und so Sekunden gespart. Es gibt aber auch Hunde, die einfach in die falsche Richtung laufen, stehen bleiben oder komplett verwirrt gar nicht erst los laufen.

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„Hasenzug“ als Lockmittel

Wer möchte, kann den „Hasenzug“ einsetzen, eine elektrische Maschine am Zaun, die ein Fell über die Rennstrecke zieht und den Jagdtrieb wecken soll. Die Windhunde kennen das. Die Amateure sind entweder so begeistert, dass sie den falschen Hasen im Ziel derart zerbeißen und schütteln, bis jemand Offizielles das Gemetzel stoppt. Oder die Hunde sind derart befremdet vom Hasenzug, dass sie das Ding einmal angucken, es aber überhaupt nicht zum Anlass nehmen, sich irgendwie schneller zu bewegen.

Karin Obbink schickt gleich zwei Hunde ins Rennen: Nach Puppa ist Cosma Shiva Hagen dran, kurz: Püppi. Die weiße, kniehohe Mischlingshündin ist ein wenig übergewichtig, „das ist vom Winter hängengeblieben“, sagt Obbink. Die Strecke schafft sie aber in zehn Sekunden.

Obbink kommt aus Wesel und arbeitet im Tierschutz. „Solche Tage wie heute sind ein guter Ausgleich“, sagt die 59-Jährige. „Viele Tierschützer verrammeln sich ja zwischen Katzenklos und Futterlager – ich muss auch mal raus, was anderes sehen.“ Sie ist fast jedes Wochenende bei einem Jederhundrennen. „Meine Hunde lieben das“, sagt sie.

Vor allem die Herrchen werden angefeuert

Der Kommentator schreit: „Weiter laufen, weiiiiiter, immer weiter!“ Und er meint die Menschen, nicht die Hunde. Viele stoppen schon vor der Ziellinie und sind völlig außer Atem – ihre Hunde legen dann mitten im Lauf auch eine abrupte Vollbremsung hin. Aber alle haben mit einem zweiten Durchgang eine zweite Chance. Auf geht’s, Püppi!

(hsr)
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