AfD-Politiker - „Der Protest ist eine Aufforderung, Recht zu brechen“

AfD-Politiker im Kölner Karneval: "Der Protest ist eine Aufforderung, Recht zu brechen"

Passen Karneval und AfD zusammen? Für Sven Tritschler ja, denn er ist beides: Bundesvorsitzender der Jungen Alternative und Mitglied der Prinzen-Garde in Köln. Für den Protest gegen den Parteitag hat er kein Verständnis und fordert Toleranz.

In diesem Jahr zieht der Rosenmontagszug ohne ihn. Sven Tritschler ist Vorsitzender der AfD-Jugendorganisation Junge Alternative und Mitglied in der Prinzen-Garde Köln. Als solches läuft er seit 2008 im Rosenmontagszug mit, doch in dieser Session lässt der 35-Jährige seine Mitgliedschaft ruhen. Er hat sich beurlauben lassen. Auf eigenen Wunsch, wie er sagt. Er will die Garde nicht mit reinziehen.

Denn dass der rheinische Karneval und die AfD zusammengehen, davon sind viele nicht überzeugt. Weil die AfD ihren Bundesparteitag im April im Kölner Maritim abhalten möchte, protestieren Stars der Kölner Karnevalsszene. Denn in eben diesem Hotel finden auch viele Sitzungen statt. Sie fordern, dass der Betreiber des Hotels den Vertrag mit der AfD auflöst. Tritschler hat dafür kein Verständnis: "Für mich ist der Protest eine Aufforderung, Recht zu brechen", sagt er. "Es gibt nun einmal diesen Vertrag." Es sei auch nicht das erste Mal, dass die AfD eine Veranstaltung im Maritim abhält.

"Weil sie gut singen können, heißt das nicht, dass sie Ahnung von Politik haben"

Die protestierenden Künstler, zu denen unter anderem Kasalla, Brings, Paveier, Bläck Fööss, die Höhner und Bernd Stelter gehören, kritisiert er scharf: "Die Künstler, die nun protestieren, wollen sich offensichtlich profilieren", sagt er. "Weil sie gut singen können, heißt das noch nicht, dass sie Ahnung von Politik haben."

Für ihn sind Karneval und AfD kein Widerspruch. In der Prinzen-Garde sagten ihm schon mal andere, dass sie mit seiner AfD-Mitgliedschaft nicht einverstanden seien, ansonsten aber habe diese nie eine Rolle gespielt. "Ich habe das stets getrennt. Der Präsident hat mir gegenüber auch nie geäußert, dass ich unerwünscht bin." Gegenüber der Kölnischen Rundschau hatte Dino Massi allerdings im August gesagt: "Das, was Herr Tritschler tut, passt nicht zu uns."

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"Nach meiner Einschätzung sind AfD-Mitglieder überdurchschnittlich im Karneval engagiert, weil Karneval eher eine konservative Tradition hat", sagt Tritschler. Er glaubt, dass die Liebe zur Heimat und die Toleranz sowohl für den Karneval als auch für die AfD zentral seien. "Die Toleranz, die wir als AfD zeigen, erwarte ich nun auch uns gegenüber."

Austritt aus der Prinzen-Garde steht für Tritschler nicht zur Debatte

Doch wie tolerant ist Tritschler selbst? Einige seiner Aussagen lassen zumindest daran zweifeln. Bei einer Rede in Thüringen 2016 positionierte er sich sehr deutlich gegen die deutsche Asylpolitik und die Folgen, die er darin sieht. "Wir haben nichts gegen Ausländer, aber wir haben was gegen Neandertaler und Leute, die sich aufführen wie die schlimmsten Besatzungssoldaten."

Das Tor stehe weit offen für "Heerscharen von Kriminellen". Den Islam nannte er damals eine "Steinzeitreligion, die millionenfach Tod und Elend über die Welt bringt." Bei Facebook schrieb er einige Tage später, es sei dumm, "Millionen unqualifizierter junger Männer ins Land zu lassen, die hier niemand braucht und die auch nicht vor Krieg fliehen". Per Twitter sehnte er damals schon den Wahlsieg Trumps herbei: "Es wird so gut, wenn er erst Präsident ist."

Ein Austritt aus der Prinzen-Garde steht für Tritschler nicht zur Debatte. In der nächsten Session will er seine Mitgliedschaft wieder aufnehmen. Und dann auch wieder im Rosenmontagszug mitlaufen.

(seda)
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