AfD-Parteitag in Köln: Frauke Petry scheitert krachend mit ihren Plänen

AfD-Parteitag in Köln : Frauke Petry scheitert krachend mit ihren Plänen

Rund 600 Delegierte haben am Samstag auf dem AfD-Bundesparteitag in Köln beschlossen, nicht über die von Frauke Petry geforderte "realpolitische" Ausrichtung der Partei abzustimmen. Mehr noch: Großen Applaus erhält der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen für seine Rede, in der er das Gegenteil von Petrys Plänen propagiert.

Als Meuthen bei seiner Rede mit tosendem Applaus sowohl von den Delegierten als auch von Vorstandskollegen Paul Hampel, André Poggenburg und Alexander Gauland stehend bejubelt wird, bleibt seine Ko-Vorsitzende Frauke Petry wie versteinert sitzen.

Damit scheint alles klar. Von Petrys Zukunftsantrag und ihren Strategiepläne ist keine Rede mehr, sämtliche Anträge wurden schon zu Beginn von der Tagesordnung gewählt. Und dann stellt sich Meuthen, der sonst so behäbige, ungelenke Rhetoriker, ans Rednerpult. Nach scharfen Sätzen zur "Rückeroberung des Vaterlandes" erklärt er, man würde niemals eine Koalition mit etablierten Parteien eingehen — und widerspricht damit nicht nur Petrys Plänen, sondern erntet auch noch einen Applaus, von dem die Parteivorsitzende Petry heute nur träumen kann.

Petry wird abgewatscht

Früh am Samstagmorgen bei ihrem Grußwort hatte Petry noch versucht, ein Bild der Einheit zu vermitteln. Sie entschuldigte sich gar bei Parteivize Alexander Gauland, ihn in ihrem Strategieantrag namentlich genannt zu haben, was als Angriff aufgefasst worden sei: "Das war ein Fehler." Sie sei bereit, den Antrag mit Gauland in einem gemeinsamen Redaktionsteam zu überarbeiten. Doch dazu kam es nicht.

Die Mehrheit der 600 anwesenden Delegierten entschied dann, sich mit sämtlichen Anträgen der Tagesordnung nicht zu befassen. Darunter fiel allerdings nicht nur Petrys "Zukunftsantrag", mit dem sie ihre "realpolitische" Strategie durchbringen wollte — auch der Antrag ihrer Gegner, das Ausschlussverfahren von Rechtsaußen Björn Höcke noch zu stoppen, scheiterte damit.

Höcke, der aufgrund seiner umstrittenen Dresdner Rede zum Holocaust seit Wochen Streitthema der Partei ist, hatte das Maritim Hotel Hausverbot erteilt, er selbst verzichtete dann auf ein Kommen. Ohne dessen Namen zu nennen, machte Petry ihn aber doch zum Thema. Sie forderte, das AfD-Außenbild solle nicht "durch Agieren einzelner Protagonisten so nachhaltig geprägt" werden, dass die Mehrheitsmeinung der Mitglieder dahinter verschwinde.

Deutlicher wurde ihr Ehemann, der Landeschef der NRW-AfD, Marcus Pretzell: "Meinungsfreiheit bedeutet nicht, dass jeder jederzeit alles im Namen der Partei sagen sollte!" Und sein Ko-Chef betonte: "Kein Mitglied der Partei ist alternativlos."

Wer soll nun die AfD in den Bundestagswahlkampf führen?

Nachdem die strittigen Anträge also von der Tagesordnung gestrichen worden waren, wurde auch eine weitere wichtige Frage zunächst verschoben: Wie viele und welche AfD-Gesichter führen die Partei nun in den Bundestagswahlkampf? Die Debatte soll nach der über das Wahlprogramm stattfinden, womöglich erst Sonntagabend, wenn viele Delegierte bereits abreisen müssen.

Auch darüber, ob überhaupt ein Spitzenteam gewählt werden soll, war abgestimmt worden: Eine knappe Mehrheit war dafür. Wäre auch der Punkt von der Tagesordnung genommen worden, wäre Petry faktisch Spitzenkandidatin, ohne sich dazu wählen lassen zu müssen. Auch der Plan ging nicht auf.

Sichtlich mitgenommen sagt Petry später vor der Presse, eine Strategie abzustimmen, wäre unerlässlich; die Entscheidung des Parteitags sei ein Fehler. Sie wolle denjenigen die Führung im Wahlkampf überlassen, die mit dieser "Nicht-Entscheidung" besser leben könnten als sie. Parteichefin wolle sie bleiben. Nachdem erste Medien über Petrys Niederlage und ihren Abgang vom Parteitag schreiben, eilt sie ans Mikrophon: "Ich melde mich nur kurz zum Kaffeetrinken ab!"

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