Er beruhigte die Hooligans mit "Atemlos": 35 Euro Strafe für Pianist von der Hooligan-Demo

Er beruhigte die Hooligans mit "Atemlos": 35 Euro Strafe für Pianist von der Hooligan-Demo

Als am vergangenen Sonntag die Demonstration der "Hooligans gegen Salafisten" in Köln eskalierte, spielte Davide Martello auf seinem Klavier "Atemlos" von Helene Fischer. Zu diesem Auftritt kam es nur, weil das Ordnungsamt ihn kurz zuvor des Platzes verwiesen und mit einer Geldstrafe belegt hatte.

Der 32-jährige Straßenmusiker Davide Martello war am Freitagabend zu Gast in der Talkshow "Kölner Treff" mit Bettina Böttinger im WDR. Dort erzählte er, wie es zu seinem Auftritt bei der Hooligan-Demo gekommen ist. Denn der Musiker, der gerade auf Tour durch den Westen Deutschlands ist, hatte seinen Flügel eigentlich zunächst gegen 13 Uhr auf dem Bahnhofsvorplatz aufgebaut.

Im WDR erzählte Martello: "In Köln gibt es ja diese Regel, dass Straßenmusiker nur die erste halbe Stunde einer Stunde spielen dürfen. Um 13 Uhr hatten die Domglocken allerdings angefangen, 20 Minuten lang zu läuten." Weil das Geläut sein Klavierspiel übertönte, habe er von der ihm zugestandenen halben Stunde am Ende nur 10 Minuten spielen können, sagte der Musiker.

"Das war mir aber zu kurz, also habe ich länger gespielt", erzählte Martello bei Moderatorin Bettina Böttinger. Daraufhin seien Beamte vom Ordnungsamt vorbeigekommen und hätten eine Strafe von 35 Euro gefordert. "Sie sagten, wenn ich weiter spiele kommt die Polizei, und mein Instrument wird beschlagnahmt", sagte der Musiker weiter.

Weil Martello sein Klavier behalten wollte, räumte er seinen Platz auf dem Bahnhofsvorplatz und fuhr mit seinem Flügel zum Breslauer Platz, auf dem wenig später die Hooligan-Demo ihren Anfang nahm. Als dann die Situation zwischen Hooligans und Polizei eskalierte, fing er erneut an zu spielen.

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"Zuerst habe ich John Lennon gespielt", sagte Martello im WDR. Doch weil er gemerkt habe, dass das bei den Hooligans nicht so gut ankam, habe er sich für Helene Fischer entschieden. Diese Entscheidung erklärte er im WDR so: "Ich wollte eine gewisse Ader treffen. Ich war nicht für oder gegen eine gewisse Gruppierung - wenn ich spiele, bin ich unparteiisch. Ich wollte, dass die Menschen nach Hause gehen."

Bei der Demonstration am vergangenen Sonntag waren statt der angekündigten 1500 fast 5000 Hooligans erschienen. Als die Situation eskalierte und die Demonstranten mit Flaschen und Böllern warfen, setzte die Polizei Wasserwerfer ein. 49 Polizisten wurden verletzt. Für Sonntag, den 2. November, ist in Köln eine Anti-Hooligan-Demo angekündigt.

Die komplette Sendung "Kölner Treff" vom 31. Oktober sehen Sie hier in der WDR-Mediathek.

(lsa)
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