Zukunftswerkstatt von RP und Volksbank Kleverland

Diskussionsrunde: Kleve: Eine Stadt sucht ihr Profil

Machen es Kalkar und Xanten vor, wie man die Attraktivität einer Stadt steigert? Wie soll sich Kleve präsentieren? Darüber diskutierten die Teilnehmer der Zukunftswerkstatt von Rheinischer Post und Volksbank Kleverland.

Wohin geht man, wenn man vor historischer Kulisse gut essen möchte? Nach Kalkar. Und wo kann man auf den Spuren der Römer wandeln, Freizeitspaß auf dem Wasser erleben und dann noch einen netten Stadtbummel machen? In Xanten. Und Kleve? Kleve ist die Schwanenstadt, und die Burg thront pittoresk über der City, sicher. Aber reicht das, um dauerhaft Besucher anzulocken und gleichzeitig attraktiv für die eigenen Bürger zu sein?

Bei der Zukunftswerkstatt wurde schnell deutlich: Kleve tut sich schwer mit dem eigenen Profil. „Wir sind die Schwanenstadt und wir sind eine Einkaufsstadt“, sagt Joachim Rasch, Wirtschaftsförderer und Chef der Stadtmarketing-Agentur. Mit einer solchen Definition gibt man sich in Xanten nicht zufrieden. „Wir haben den Archäologischen Park als großen Magneten mit 600.00 bis 800.000 Besuchern im Jahr. Aber wir haben auch viele andere Attraktionen, die Nord- und Südsee, die historische Altstadt, den Dom. Das ist zwar ein Luxusproblem, aber man kann sich damit auch verzetteln. Deswegen erarbeiten wir gerade ein Tourismuskonzept, das klären soll, was unsere Kernmarke ist“, sagt Bürgermeister Thomas Görtz.

Von einem „Luxusproblem“ mag Kalkars Bürgermeister Britta Schulz zwar nicht sprechen, aber sie kennt genau die große Stärke ihrer Stadt: „Der mittelalterliche Kern ist die eigentliche Attraktion von Kalkar. Aber man darf nicht in Schönheit sterben. Deswegen bemühen wir uns, organisieren Events wie das Schlittschuhlaufen oder den Sandstrand auf dem Marktplatz“, sagt Schulz. Das macht Kalkar genau richtig, findet Ute Marks, Teamleiterin bei Stadt + Handel Beckmann und Föhrer Stadtplaner Dortmund. Die ehemalige Klever Stadtmarketing-Chefin ist der Meinung, dass auch Kleve stärker auf Veranstaltungen und Erlebnis setzen sollte. „Wir brauchen eine Emotionalisierung. Die Menschen wollen etwas in Kleve erleben“, sagt sie. Man solle sich nicht auf die beeindruckende Einzelhandelskennziffer, die bescheinigt, dass viel Geld von außerhalb nach Kleve fließt, verlassen. „Darin finden sich auch die Supermärkte wieder, die Knaller verkaufen“, sagt Marks. Kunden kauften verstärkt online. „Kleve geht es noch gut, aber wird davon auch getroffen werden“, betont Marks.

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Max Ingo-Festing, bis vor kurzem Chef beim Saturn-Markt in Kleve, findet, dass die Stadt stärker auf die Hochschule setzen sollte. „Wir sollten uns ein Bildungsimage aufbauen“, sagt er. Han Groot-Obbink, Geschäftsführer des Wunderland Kalkar und aktiv beim Werbering, würde mehr auf auf die Bürger selbst setzen. „Sie müssen stolz auf ihre Stadt sein. Damit fängt alles an“, sagt er. Dafür sei es wichtig, dass man in der Stadt etwas erleben könne. Ute Marks stimmt ihm zu: „Die Innenstadt muss super gut aufgestellt sein, damit Leute in Kleve arbeiten wollen.“

Festing wünscht sich mehr Begleitung von der Stadt. „Politik, Rat und Bürgermeisterin sollten diejenigen, die sich ehrenamtlich für Kleve einsetzen, öfter einladen. Bei der letzten Veranstaltung war die Bürgermeisterin nicht da“, sagt er. Xantens Bürgermeister Thomas Götz betont: „Die Verwaltung braucht gute Netzwerker, Menschen, die in der Stadt wohnen, die mit den Bürgern auch mal einen Kaffee oder ein Bier trinken.“ Ein Bürgermeister müsse da mit gutem Beispiel voran gehen. „Er oder sie muss sich blicken lassen. Gerade für die Händler ist es enorm wichtig, dass man sich Zeit nimmt. Man muss miteinander sprechen. Bestimme Dinge muss man auch selbst in die Hand nehmen“, betont er. So sei Görtz auch Geschäftsführer der Touristikinformation und der Freizeitbetriebe Xanten. „So habe ich die Zügel in der Hand“, sagt er.

Das Fazit des Abends: Kleve braucht einen Neustart.