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Kleve: Zeitzeugen zu Besuch in Kleve

Kleve : Zeitzeugen zu Besuch in Kleve

Eine Gruppe Überlebender aus Konzentrationslagern und Ghettos sind noch bis morgen zu Gast in der Wasserburg Rindern. In Gesprächen versuchen sie, das Erlebte zu verarbeiten. Versöhnung sei für sie wichtig, sagen sie.

Teresa Zejfert mag die deutsche Sprache. Trotz ihrer 80 Jahre liest die Polin oft deutsche Bücher. Rund hundert Volkslieder kann sie auswendig. Deutsche waren es auch, die vor über 70 Jahren ihr Leben veränderten. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde ihr Vater, damals Lehrer, interniert und im November 1939 erschossen. Sie und ihre Mutter wurden später von den Nationalsozialisten in Lager gesperrt. Und dennoch hat sich Teresa Zejfert entschlossen, zum ersten Mal die Bundesrepublik zu besuchen. "Man muss verzeihen können. Heute ist es wichtig, dass die jungen Leute sich verstehen und sich nicht hassen", sagt sie.

Zwischen 68 und 86 Jahre

Gemeinsam mit 13 anderen ehemaligen KZ-Häftlingen ist Teresa Zejfert noch bis morgen zu Gast im Katholischen Bildungszentrum Wasserburg Rindern. Zwei Wochen lang hatten die Gruppenteilnehmer im Alter von 68 bis 86 Jahren die Möglichkeit, sich gegenseitig ihre Geschichten zu erzählen, anderen Menschen davon zu berichten und die Umgebung kennen zu lernen. Kurz vor ihrer Abreise aus Kleve wurden sie gestern von Josef Gietemann, dritter stellvertretender Bürgermeister der Stadt Kleve, im Rathaus empfangen. Der SPD-Politiker erinnerte daran, dass Kleve dank des eremitierten Pfarrers Fritz Leinung seit drei Jahrzehnten gute Kontakte nach Polen pflegt.

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Es ist das sechste Mal, dass eine Gruppe ehemaliger polnischer KZ-Häftlinge in Kleve zu Besuch ist. Die Reisen sollen die deutsch-polnische Versöhnung voranbringen. "Es besteht unter den Zeitzeugen eine große Bereitschaft, von ihrem Leid zu erzählen", sagte Ernst Spranger, stellvertretender Direktor der Wasserburg. Die polnischen Besucher gehören zu den letzten ihrer Generation, die als Kinder oder Jugendliche die Gräuel des Nationalsozialismus erlebten. "Sie gucken nach vorne und sind froh über die europäische Einigung", sagte Spranger. Wie stark dieses Gefühl ist, zeigte sich bei einem Ausflug in die Niederlande. Als die Gruppe mit dem Bus die unscheinbare Grenze passierte, klatschten sie. "Für uns ist das doch alltäglich", sagte Spranger.

Im Vordergrund des zweiwöchigen Aufenthalts stand vor allem das Gespräch der Teilnehmer untereinander. Für viele sei das wie eine Art Therapie, so Spranger. Während manche über ihr Leid sprechen können, würden andere dies komplett ablehnen. Teresa Zejfert hat einen Weg gefunden, das Erlebte mitzuteilen. Als gestern Morgen eine Gruppe Krankenpfleger in der Wasserburg Rindern von dem polnischen Besuch erfuhr, wurde sie spontan eingeladen, von ihren Erlebnissen zu berichten. "Ich bin von der Höflichkeit der Deutschen beeindruckt", sagte sie.

(RP)