1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Zahl der Gottesdienst-Besucher im Kreis Kleve bricht ein

Höchster Wert im Bistum Münster : Zahl der Gottesdienst-Besucher im Kreis Kleve bricht ein

Nirgendwo im Bistum Münster ist die Zahl derart eingebrochen wie im Kreis Kleve. Auch Taufen finden immer weniger statt. Insgesamt leben rund 183.300 Katholiken im Kreis. Propst Mecking: „Hohe Zahl der Austritte ist schwerwiegend.“

Seit Jahren schon hat die Katholische Kirche im Kreis Kleve mit Austritten und leerer werdenden Kirchen zu kämpfen. Das Corona-Jahr 2020 hat die Lage noch einmal zugespitzt, wie aus Zahlen hervorgeht, die das Bistum Münster nun veröffentlicht hat. Demnach lebten im Kreis Kleve im vergangenen Jahr 183.291 Katholiken. 1054 Menschen haben 2020 ihren Austritt aus der Kirche erklärt, 330 weniger als im Jahr zuvor, das ist ein Rückgang um 23,84 Prozent. Deutlich gesunken ist die Zahl der Menschen, die sonntags den Gottesdienst besuchen. Mit durchschnittlich 8934 Gottesdienstteilnehmern waren es 2020 insgesamt 7173 weniger Menschen als im Vorjahr, der Rückgang um 44,53 Prozent ist der höchste im Bistum Münster.

Das Bistum weist daraufhin, dass die persönliche Teilnahme an Gottesdiensten wegen der Corona-Pandemie lange nur sehr beschränkt oder gar nicht möglich war. Daher hatten das Bistum und viele der Pfarreien im Kreisdekanat den Menschen Gottesdienst-Übertragungen ins Internet oder in Soziale Netzwerke angeboten, die nicht in die Statistik einfließen. Auch weiterhin werden viele Streamings angeboten.

  • Über den Rhein hinweg verbunden: Der
    In den kommenden zehn Jahren : Kreis Kleve soll um 2000 Einwohner wachsen
  • Bei der Kfz-Zulassung muss man sich
    Warteschlangen in Kleve : Weiter hohes Aufkommen an der Kfz-Stelle des Kreises
  • Sommerflair in der Klever Unterstadt –
    Kleve : Nächstes kleines Stadtfest: Kleve baut Sandkasten auf

Die Zahl der Taufen ist um 400 auf 877 gesunken, die der Erstkommunionen um 180 auf 1138 im vergangenen Jahr. 849 Mal wurde das Sakrament der Firmung gespendet, 92 Mal weniger als 2019. 68 Paare gaben sich in einer katholischen Kirche das „Ja-Wort“, ein Rückgang um 210. Nahezu unverändert war die Zahl der Bestattungen, die um eine auf 2046 gesunken ist.

Propst Johannes Mecking, Kreisdechant für das Kreisdekanat Kleve, sagt angesichts der Entwicklung: „So schwerwiegend die hohe Zahl der Austritte in der vergangenen Zeit ist, die mich natürlich auch vor Fragen stellt und betroffen macht, so sehr sehe ich auch die große Zahl der Menschen, die sich vor Ort in unseren Gemeinden mit ganzem Herzen und oftmals auch sehr kritisch engagieren. Sie geben ein lebendiges Zeugnis ihres Glaubens und ihrer Zuversicht, dass auch heute Gottes Geist in den Menschen wirksam ist und bei allen Enttäuschungen und Schwierigkeiten einen Weg in die Zukunft weist.“

Einen gewissen Rückgang habe die Kirche in den vergangenen Jahren immer zu verzeichnen gehabt, sagt der Bischof von Münster, Felix Genn. „Die Zahlen des Jahres 2020 sind aber massiv von der Corona-Pandemie beeinflusst.“ Kirchliches Leben in größerer Gemeinschaft sei im vergangenen Jahr nur begrenzt möglich gewesen. „Umgekehrt dürfen wir uns die Tatsache, dass 2020 weniger Menschen aus der Kirche ausgetreten sind, nicht schönreden. Die Amtsgerichte waren zeitweise geschlossen, und viele Menschen hatten zudem sicher andere Sorgen. Dieses Jahr holt uns die Wirklichkeit mit, soweit wir das im Moment wissen, deutlich höheren Austrittszahlen wieder ein.“

Gesellschaft und Kirche brauchen nach der Pandemie ein neues „Normal“, sagt Bischof Genn.  „Nichts wäre falscher, als so weiter zu machen wie vor der Pandemie. Denn es ist doch nicht normal, dass wir unseren Planeten für die kommenden Generationen unbewohnbar machen! Es ist nicht normal, dass wir in den reichen Ländern auf Kosten der Armen leben! Es ist nicht normal, dass Menschen, die sich nach einem guten Leben sehnen, auf Mauern und Stacheldraht stoßen, eingepfercht werden oder ihr Leben verlieren! Und es ist nicht normal, dass wir uns in der Kirche viel mehr um uns selbst drehen, als für die Menschen da sind.“ Die Krise, die Gesellschaft und Kirche durch Corona erleben, müsse ein Weckruf sein, überkommene Denkmuster und Verhaltensweisen aufzugeben und mutig Neues zu wagen.

„Die erneut deutlich gestiegenen Austrittszahlen zeigen, dass wir viele Menschen ganz offensichtlich nicht mehr erreichen. Viele wenden sich ab, zornig über die in den vergangenen Monaten ans Licht gekommenen Missbrauchsfälle und enttäuscht von innerkirchlichen Diskussionen“, sagt Domkapitular Stefan Sühling, Kreisdechant für das Kreisdekanat Wesel. „Wenn wir nicht noch mehr Menschen verlieren möchten, müssen wir endlich eine deutliche und verständliche Sprache sprechen und ebenso klar und eindeutig handeln.“ Genauso konsequent gelte es, „die Hausaufgaben“ zu machen. „Wir brauchen beispielsweise Antworten auf die Frage, wie künftig Leitung in den Kirchengemeinden wahrgenommen wird. Dabei spielt auch der ehrliche Umgang mit dem dramatischen Mangel an Priestern sowie Seelsorgern eine wichtige Rolle. Sonst spielen wir bald gar keine Rolle mehr in der Gesellschaft.“