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Kleve: Xanten erinnert an Storm und Leisner

Kleve : Xanten erinnert an Storm und Leisner

Der Xantener Dom, dessen 750-jähriges Bestehen jetzt gefeiert wird, steht in ganz besonderer Beziehung zu Rees. In der Krypta unter dem Dom wird auch der beiden Märtyrer Karl Leisner und Gerhard Storm gedacht.

Man muss genau sein: Eigentlich wird 2013 nicht der Dom 750 Jahre alt. "Es geht um das gotische Langhaus. Die Türme sind älter, sie sind romanisch", erläuterte Propst Klaus Wittke, als er vor einiger Zeit das Programm zum Jubiläum vorstellte. Am 22. August 1263 legte Friedrich von Hochstaden, Bruder des Kölner Erzbischofs Konrad von Hochstaden, den Grundstein für die neue, hochgotische Stiftskirche. Am 25. August 2013 wird daran mit einer Jubiläumsfeier erinnert. Bischof Felix Genn zelebriert eine Festmesse, Ministerpräsidentin Hannelore Kraft hat ihren Besuch zugesagt.

Es wird einer von vielen Höhepunkten des Jahres mit Konzerten, Ausstellungen, Vorträgen, auf das Wittke gemeinsam mit Mitgliedern einer Steuerungsgruppe der St.-Viktor-Gemeinde vorausschaute. "Kommt zu ihm, dem lebendigen Stein" (erster Petrusbrief) lautet das Motto des Jahres. Es geht nicht nur um Jubel und Trubel. Anknüpfend an das von Papst Benedikt XVI. ausgerufene "Jahr des Glaubens" sei es ihm ein Anliegen, so Wittke, Glauben bei Menschen zu wecken oder zu erneuern.

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Das Programm sei darauf abgestimmt. Beispiel: die Große Viktortracht am 13. Oktober, bei der der Schrein mit den Gebeinen des Heiligen Viktor zum Fürstenberg und zurück getragen wird. Auch Kardinal Joachim Meißner aus Köln wird übrigens der stets nur zu besonderen Anlässen (zuletzt 1991 und 1966) stattfindenden Prozession beiwohnen.

Zu Rees steht der Xantener Dom in ganz besonderer Beziehung. In der Krypta unter dem Dom wird auch an die beiden Märtyrerer Karl Leisner aus Rees und Gerhard Storm aus Haldern erinnert. 20 Stufen führen hinab unter das Kanonikerchor des Xantener Doms. Unten empfängt den Besucher ein bewusst ruhiges, gedämpftes Licht. Deckenleuchten, dazu Kerzen.

Das auf den ersten Blick ungewohnte Gemisch von alten Steinen und Sichtbeton umgibt die Urzelle des Doms, nach der offensichtlich schon früh gesucht worden war. Jedenfalls entdeckte der frühere Landeskonservator Walter Bader einen Suchschacht, der nach den Funden aus den Jahren 752 bis 769 stammt. Bader blieb es 1933 vorbehalten, an der richtigen Stelle zu suchen. Der Denkmalforscher legte ein Doppelgrab aus der zweiten Hälfte des fünften Jahrhunderts frei: zwei gewaltsam getötete Männer, die der Überlieferung nach der Thebäischen Legion angehört haben sollen und für ihren Glauben gestorben waren. Jeder Bau der Kirche wurde um diese Grabstätten herum errichtet "wie die Schale um einen Kern", hat Bader einmal geschrieben.

Kaum ein Ort ist besser geeignet, den Bogen zu spannen von der frühen Christenheit in die gar nicht so weit zurückliegenden dunklen Zeiten, da die Menschen, die ebenfalls ihrem christlichen Gewissen folgten, verfolgt und hingerichtet wurden.

In die Westwand der Krypta wurden Urnen mit Asche aus den Konzentrationslagern Auschwitz, Bergen-Belsen und Dachau eingelassen sowie eine weitere Urne, die nicht näher benannt ist. In klaren kubischen Formen, die Heinrich Bücker aus Vellern schuf, sind die Namen derjenigen zu finden, die sich nicht den Nationalsozialisten beugten und ihrem Terror zum Opfer fielen.

Der Theologe Gerhard Storm ist darunter, der sich in Predigten in Emmerich gegen das Nazi-Regime wandte und im Alter von 54 Jahren im KZ Dachau starb; Heinz Bello aus Wesel, der wegen seiner Äußerungen als Medizinstudent im Alter von 23 Jahren in Berlin erschossen wurde; der in Kleve arbeitende Diplomat Wilhelm Frede, der im KZ Sachsenhausen starb, weil er aus christlicher Überzeugung nicht der NSDAP beitreten wollte und sich gegen die Judenverfolgung gewandt hatte; der bekennende Christ, KAB-Gewerkschaftler und Redakteur Nikolaus Groß, der im Alter von 27 Jahren in Plötzensee erhängt wurde und ebenso seliggesprochen wurde wie Karl Leisner, der nach der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau im Jahr 1945 an den Folgen der unmenschlichen Haft im Alter von nur 30 Jahren starb.

Sein Sarkophag ist an der Südwand der Krypta zu finden. Und wer sich, wie nicht wenige Besucher, die Zeit nimmt, die unten an den Ein- und Ausgangstreppen abgebrachten Lebensläufe dieser Männer zu lesen, der weiß um ihre wahrhaft aufrichtige christliche Lebenseinstellung.

(RP)