Kleve: "Wir wurden nicht gefragt"

Kleve : "Wir wurden nicht gefragt"

Die Leiter der beiden Klever Realschulen wundern sich, dass sie in der Schuldiskussion bisher kaum gehört wurden. Dabei geht es um nicht weniger als die Zukunft ihrer Schulform. Sie sehen eine große Gemeinschaftsschule kritisch.

Hubert Wanders, Leiter der Karl-Kisters-Realschule in Kellen, kann nicht verstehen, dass die Diskussion über die Zukunft der Schulen im Kleverland bislang geführt wird, ohne diejenigen zu hören, um die es in erster Linie geht. "Warum fragt keiner, was wir als Pädagogen denken? Und außerdem: Wie empfinden die Eltern und Schüler?", fragt Wanders im Gespräch mit der RP. Bevor über Schulzusammenlegungen und die Einführung einer neuen Schulform gesprochen wird, müsse der pädagogische Rahmen gezogen werden. Wanders: "Ich bin aus meinem Berufsethos nicht bereit, etwas sehenden Auges zuzustimmen, das offensichtlich schlechter ist", gibt er der Gemeinschaftsschule eine Absage. Die Kellener Realschule sei ein sehr gut funktionierendes System. "Warum muss man da ohne Not Veränderung schaffen?", fragt sich Wanders.

Rückkehr in die 70er Jahre

Detlef Garbe von Garbe Consult hatte den Schulausschüssen der Kommunen Kleve, Kranenburg und Bedburg-Hau vorgerechnet, dass sich bei der Aufgabe der Haupt- und Realschulen ein Gemeinschaftsschul-Konzept mit 17 Zügen ergeben würde (RP berichtete). Zwei bis drei Gesamtschulen sollen seiner Empfehlung nach eingerichtet werden.

Dazu Wanders: "Ein System, das größer als vierzügig ist, kann pädagogisch nicht funktionieren. Eine achtzügige Gemeinschaftsschule ist eine Rückkehr in die 70er Jahre." Für Jürgen Schmitz, Schulleiter der Ganztagsrealschule Hoffmannallee, ist eine Alternative zur jetzigen Realschulsituation allerdings unausweichlich. "So wie jetzt können wir nicht mehr weitermachen", betont Schmitz im Blick darauf, dass die Ganztagsrealschule droht, aus allen Nähten zu platzen. Er wäre bereit, an einem Konzept für die Gemeinschaftsschule mitzuarbeiten, hat jedoch auch eine Bedingung hierfür: "Übergroße Systeme verteilt auf mehrere Standorte" lehne er von vornhinein ab. So sei für Schmitz eine sechszügige Gesamtschule an zwei Standorten nicht denkbar. Gleichwohl können man grundsätzlich "über einen Verbund nachdenken", so Schmitz.

Überlegungen, die Realschule Hoffmannallee um das Gebäude des Johanna-Sebus-Gymnasiums als Gemeinschaftsschule zu erweitern, hätten ihn noch nicht erreicht. "Über mögliche Standorte und Zusammenlegungen hat mit mir noch niemand gesprochen", betont der Realschul-Rektor. Das System Realschule werde im Fall Hoffmannallee "durch den Anmeldedruck kaputt gemacht. Wir haben jetzt 170 Anmeldungen. Das wird munter so weitergehen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass es die Hauptschule Materborn nicht mehr gibt."

(RP)