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Kranenburg/Rom: "Wir haben vor Glück geweint"

Kranenburg/Rom : "Wir haben vor Glück geweint"

Mit Papst Franziskus tritt zum ersten Mal überhaupt ein Argentinier an die Spitze der Katholiken. Werner Stalder, der sich für das ärmste Bistum im Land, Añatuya, einsetzt, hegt große Hoffnungen.

Eigentlich hatte er ja einen anderen Favoriten, sagt Werner Stalder. Der 74-Jährige Vatikan- und Argentinienkenner sah Óscar Rodríguez Maradiaga, Kardinal von Honduras, vorne. Heute, am Tag nach der Wahl des Argentiniers Jorge Mario Bergoglio zu Papst Franziskus, ist Stalder aber einfach nur glücklich. "Als meine Frau und ich gehört haben, dass der Kardinal von Buenos Aires neuer Papst ist, haben wir vor Glück geweint", sagt er. Für ihn ist die Wahl des Südamerikaners schlicht eines: sensationell. Denn Argentinien, das ist für den Mann aus Nütterden mehr als nur irgendein Land.

Seit 1964 setzt er sich für das ärmste Bistum der Nation, Añatuya, ein. In den vergangenen Jahrzehnten konnte er mit Hilfe vieler Helfer am Niederrhein und darüber hinaus einiges in der verarmten Region bewirken. Er selber reiste fünf Mal in den Nordwesten Argentiniens, zuletzt im vergangenen Jahr. "Die Reisen sind immer sehr beschwerlich. Ich habe gestern mit den Menschen in Argentinien telefoniert. Dort herrscht eine Begeisterung und Freude — das ist unglaublich", berichtet Stalder.

Der erste Bischof des Bistums, Georg Gottau, war oft am Niederrhein unterwegs, um Spenden zu sammeln. "Dann hat er bei mir zu Hause übernachtet", sagt Stalder. In Nütterden erinnert heute noch der "Bischof-Gottau-Weg" an ihn. 1994 verstarb Georg Gottau, seine Seligsprechung leitete Anfang 2010 ein gewisser Jorge Mario Bergoglio ein. Papst Franziskus. "Vielleicht geht die Seligsprechung jetzt ein wenig schneller voran", hofft Stalder. Die würde den Menschen vor Ort unglaublich viel bedeuten. "Selbst in den letzten Winkeln des Bistums stößt man auf leuchtende Augen, wenn der Name Gottau fällt", sagt er.

Vom ersten Auftritt des neuen Papstes zeigt sich der Mann aus Nütterden tief bewegt. "Vor allen Dingen die große Menschlichkeit fand ich beeindruckend", sagt Stalder, der, obwohl er Bergoglio nie persönlich traf, schon einiges über den neuen Papst weiß. "Er ist großer Fußballfan, Schwimmer, liebt den Tango und es heißt, er könne gut kochen", so der 74-Jährige, der das Alter des neuen Papstes übrigens als kein großes Problem ansieht. "Der große Reformpapst Johannes XXIII. hat auch mit 76 Jahren sein Amt angetreten", sagt Stalder.

In dem Namen Franziskus sieht er ein klares Programm. "Franz von Assisi hat den Reichtum radikal hinter sich gelassen und sich den Armen zugewandt", so der Nütterdener. Es sei diese Bescheidenheit, die er in den ersten Auftritten des Papstes erkenne. "Er wird die Aufmerksamkeit auf die Situation in Südamerika lenken", hofft er. Nirgendwo gibt es mehr Katholiken als dort, rund 483 Millionen — das sind 42 Prozent aller Katholiken weltweit und etwa 200 Millionen mehr als in Europa. Aber auch in Südamerika ist der Katholizismus auf dem Rückzug. "Der Einfluss von Sekten wird immer größer", erzählt Stalder. "Ich hoffe, dass Franziskus da jetzt gegensteuern kann."

Seinen ersten Besuch beim Papst hat Stalder schon fest eingeplant. Im Januar geht es in den Vatikan. "Ich hoffe, er empfängt mich", sagt er. Es wäre nicht seine erste Papst-Audienz: Bei Benedikt XVI. hatte er vier, bei Johannes Paul II. ganze zwölf.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der erste Tag im Amt von Franziskus

(lukra)