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Kleve: Winterwetter legt Baustellen lahm

Kleve : Winterwetter legt Baustellen lahm

Aufgrund des schlechten Wetters geht am Bau oftmals gar nichts mehr, auch Straßenschäden können nicht behoben werden. Für Erdbeer-Bauern kann der ausbleibende Sonnenschein im Frühjahr ein großes Problem werden.

Es ist Frühlingsanfang 2013 — doch aus grauverhangenem Himmel fällt Schnee auf die Dächer und Türme der Stadt, die Schwanenburg hat eine weiße Haube. Und die kalten Temperaturen sollen zunächst noch bleiben. Kein Wetter für draußen — und doch müssen dort Arbeiten gemacht werden, die liegenbleiben. Schlechtes Wetter für die Jahreszeit.

 Baustelle an der Briener Straße: Hier entsteht das Wohnheim für Studenten.
Baustelle an der Briener Straße: Hier entsteht das Wohnheim für Studenten. Foto: Klaus-Dieter Stade

Auf dem Bau hieß es früher "Schlechtwettergeld". "Das ist für uns Historie", sagt Frank Smola, Geschäftsführer der Erich Tönnissen GmbH. Heute müssen der Betrieb und die Mitarbeiter das über Gleitzeitkonten ausgleichen, manche Mitarbeiter bringen auch ihren Urlaub ein, erklärt Smola.

Trotzdem: "Das schlechte Wetter tut uns weh! Und dieses Jahr ist es besonders schlecht", urteilt der Mann vom Bau. Mit normalem Beton hat der Unternehmer nicht einmal große Probleme. "Für die Verarbeitung von Beton reichen die Temperaturen aus, sieht man einmal von sensiblen Mischungen mit hohen optischen Anforderungen ab, solchen Beton können wir jetzt nicht verbauen. Bei etwas besserer Witterung wird dann zur Not auch länger gearbeitet", sagt Smola.

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Auch Fertigbetonteile lassen sich vorarbeiten und verbauen — aber auch hier gilt: Wenn die Anforderungen steigen, wird's beim jetzigen Wetter schwierig. Trotzdem bleiben Baustellen liegen. "Es ist nicht einmal der Schneefall, der der Branche das Leben schwer macht", erklärt der Unternehmer. Vereiste Gerüste machen den Männern vom Bau das Arbeiten unmöglich. In tiefen, durchnässten Böden, im Matsch können die Fahrzeuge nicht bewegt werden. Dann steht der Bau. Und das tut den Unternehmen weh — in diesem Jahr besonders. Da steht Smola als Beispiel für viele.

Probleme mit dem Räumdienst haben die Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK) nicht — die Straßen sind trotz des Wetters frei. Auch bei der USK werden die Schlecht-Wetter-Ausfälle mit Gleitzeitkonten geregelt, erklärt Rolf Janßen, Geschäftsführer der USK. Die Müllwerker müssen derzeit mit Schneematsch bedeckte Tonnen an den Wagen schieben. "Die hätten bestimmt lieber besseres Wetter", bricht Janßen eine Lanze für seine Leute.

Außerdem kommt er mit den Wartungsarbeiten, die nach dem Winter regelmäßig anstehen, in Verzug: Winterschäden an Straßen, Rad- oder Fußwegen lassen sich jetzt noch nicht ausbessern. "Normalerweise hätten wir die ersten Schäden längst behoben — jetzt haben wir nicht einmal angefangen. Sobald das Wetter besser wird, beginnen wir damit", sagt Janßen.

Den Bauern bringt das kalte Frühjahr einen späten Beginn der Feldarbeiten. Meist sind die Böden zu nass, um aufs Feld zu fahren, erklärt Bernhard Rüb, Sprecher der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen. "Das ist aber noch kein Drama, bisher sind es nur vielleicht ein, zwei Wochen Verzögerung", betont Josef Peters, Vorsitzender der Kreisbauernschaft Kleve. Als Nächstes stünde die Zuckerrübensaat an, die jetzt wohl etwas später als sonst üblich stattfinden werde. "Solange die Kälte nicht noch drei oder vier Wochen anhält, haben die Landwirte keine Probleme. Die Natur kann vieles wieder aufholen", sagt Peters.

Keine Probleme mit dem Winterwetter im Frühling gibt es auf dem "Gilderstückscher Hof" in Kleve. Obstbauer Matthias Braschos: "Die Apfel- und Kirschbäume sind in der Entwicklung noch nicht so weit, dass da etwa kaputtfrieren könnte. Und ob es regnet oder schneit, das ist den Bäumen auch egal".

Anders sieht das bei den Erdbeeren aus. Franz-Josef Arntz vom Warbeyener Erdbeerparadies beklagt, dass es im Februar und März viel zu wenig Sonnenschein gegeben habe. "Unsere Erdbeeren wachsen unter Folie, damit sie früher reifen. Wenn Sonnenstunden fehlen, können wir diese Verfrühung aber nicht erzielen", erläutert Arntz. Die wahrscheinliche Folge: eine Erbeerschwemme zur Haupterntezeit und damit voraussichtlich Absatzprobleme.

Und Arntz verweist auf ein weiteres Problem: "Viele Landwirte haben in Photovoltaik investiert. Weil es den Winter über extrem wenig Sonnenstunden gab, hatten die Landwirte auch wenig Erträge."

(RP/rl/jco)