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Windkraft-Kapazitäten in NRW will Minister Pinkwart verdoppeln

Windkraft : Ausbau in Windeseile

Um die Ökostrombilanz in NRW ist es nicht gut bestellt. Deshalb kündigt Wirtschaftsminister Pinkwart (FDP) unter anderem eine Verdoppelung der Windkraft-Kapazitäten an. Der in Kranenburg geplante und gescheiterte Windpark bleibt nicht genehmigungsfähig.

Gegen das Projekt „Windpark im Reichswald“ machte eine Bürgerinitiative über Monate hinweg mobil. Die bestens organisierten Aktivisten kämpften gegen das Vorhaben, zwölf Anlagen entlang des Kartenspielerwegs in den Forst zu bauen. Die Vernichtung großer Waldflächen in Kombination mit der Gier nach schnell verdientem Geld der Investoren sorgte für den Widerstand. Als der Kampf gegen den Bau der Windmühlen gewonnen war, feierte die Gruppe den Sieg mit einer großen Abschlussfete. Und jetzt, zu früh gefreut?

Die Kapazität der Windkraftanlagen in NRW soll nämlich nach Vorstellung des nordrhein-westfälischen Wirtschaftsministers Andreas Pinkwart (FDP) in den nächsten Jahren verdoppeln. Pinkwart war aufgefallen, dass NRW weniger erneuerbare Energie produziert als andere Länder. In einem Gespräch mit dem WDR wies er darauf hin, dass es viele Projekte gebe, die schon genehmigt seien und sich in Umsetzung befänden. Zudem werde das Repowering - also der Ersatz in die Jahre gekommener Windräder durch neue, deutlich stärkere Anlagen - eine große Rolle spielen. Projekte sollen stets im Einklang mit den Bürgerinteressen umgesetzt werden, so Pinkwart. Um das erklärte Ziel zu erreichen, müsse man wohl über eine Lockerung der Ausschlusskriterien für den Bau von Anlagen nachdenken, heißt es aus der Politik. So etwa was das Thema Abstandsflächen zu Wohngebieten betrifft. Laut Erlass müssen zwischen Windrad und Siedlungsbereichen 1500 Meter liegen. Durch diese Vorgabe muss in NRW sehr genau gesucht werden, wo überhaupt noch Windräder gebaut werden können.

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Entscheidend für den Sieg der Initiative „Gegenwind im Reichswald“ war damals der neue Regionalplan. Seit April des vergangenen Jahres ist er rechtskräftig. Hier sind die Gebiete entlang des Kartenspielerwegs nicht mehr als Vorrangzone für den Bau von Windkraftanlagen eingezeichnet. Doch ist der Wald nicht generell Tabufläche für die Errichtung dieser Art erneuerbarer Energieträger. Allein dürfen sich keine Rotoren nach aktueller Rechtslage an der Stelle nahe Grafwegen drehen. Denn der Kreis hat den Bereich zusätzlich als Landschaftsplan Reichswald ausgewiesen. Damit ist das Gebiet für Anlagen tabu. Daran soll sich auch nichts ändern. Das sagt Hans-Hugo Papen (75, CDU). Der Mann ist Fraktionsvorsitzender im Regionalrat, Kreistagsmitglied und hat am Landschaftsplan mitgearbeitet. Er beschreibt die Sorgen, die sich Windkraftgegner im Hinblick auf die Errichtung eines Windparks in Kranenburg machen müssen, so: „Da sollte man sich lieber Sorgen über einen Wirbelsturm machen.“

Was jedoch die zwei Areale bei Reichswalde und Nierswalde betrifft, die direkt am Forst liegen, so hat sich hier rechtlich nichts geändert. Die beiden Gebiete sind im Regionalplan als Vorrangzone ausgewiesen. Das heißt, wenn die notwenigen Gutachten, wie etwa Umweltverträglichkeitsprüfung, vorliegen, sind die Bauvorhaben genehmigungsfähig. Angesichts der Planungen von Minister Pinkwart, den Ausbau alternativer Energiegewinnung zu forcieren, werden die Gegner des Vorhabens hier hellhörig.

Nach Bekanntwerden des Projekts hatte sich auch hier der Widerstand formiert. Sechs Turbinen mit einer Höhe von knapp 250 Meter dürften nach ersten Planungen bei Nierswalde errichtet werden. Mittlerweile geht man von vier aus. Auf Klever Gebiet liegt die Zone an der Dr.-Engel-Straße in Reichswalde. An der Fläche in Nierswalde hat die Firma wpd das Interesse nicht verloren. Wie der Pressesprecher des Unternehmens mit Sitz in Bremen gestern bestätigte. Allein einen Projektfortschritt könne er nicht erkennen, so der Sprecher. Der Stand vor zwei Jahren war: Gespräch mit  Grundstückseigentümern wurden geführt, Widerstand in der Bevölkerung gab und gibt es, und die Stadt Goch weiß nach wie vor von nichts.

Bei der Diskussion um die Zukunft der Windkraft bewerten diese mittlerweile zahlreiche Naturschützer anders als noch vor Jahren. Grundsätzlich sind auch sie für alternative Energiegewinnung. Aber nicht, wenn Wälder dadurch zerstört werden und somit Lebensräume für etliche Tierarten.

Der wdp-Pressesprecher erklärt dazu: „Die Verpachtung von Waldflächen bietet Besitzern eine zusätzliche Einnahmequelle. Es gibt Synergieeffekte zwischen Nutzwäldern und Windkraftanlagen. Denn bei der ganzen Diskussion steht fest, dass alle auch das Licht anmachen wollen.“ Doch lohnt sich zweifellos der Blick in die andere Richtung, wenn es um das Einsparen von Energie geht.