Kleve: Windenergieanlage auf Salmorth geplant

Kleve : Windenergieanlage auf Salmorth geplant

Die Umweltbetriebe der Stadt Kleve wollen an der Kläranlage Salmorth ein Windkraftrad errichten. In dieser Woche werden die Anträge an die Bezirksregierung versandt. Bürger profitieren durch geringere Gebühren.

Der Bau einer Windkraftanlage ist vor allem eins: mit reichlich Aufwand verbunden. Das kann man unter anderem an der Papiermenge festmachen, die für das Genehmigungsverfahren benötigt wird. Zwei Umzugskartons mit Aktenordnern hatte Rolf Janssen, Vorstand der Umweltbetriebe der Stadt Kleve (USK), zusammen, bevor er den Antrag für die Errichtung einer Windenergieanlage stellen konnte.

Energieintensiv: die Klever Kläranlage auf Salmorth. Foto: privat

Die USK planen an der Kläranlage auf Salmorth ein Windkraftrad zu errichten. Den Antrag dafür wird die Bezirksregierung in dieser Woche erhalten. Naheliegender Grund für das Projekt: Die Kläranlage und das Zentralpumpwerk in Kellen verbrauchen reichlich Strom. Die Kosten dafür sollen reduziert werden. "Wir planen etwa drei Viertel der erzeugten Energie selbst zu nutzen", sagt Rolf Janssen, der betont, dass man neben den positiven betriebswirtschaftlichen Effekten auch einen Beitrag zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes leiste. In einem Jahr, so hofft Janssen, will man mit den Arbeiten beginnen.

Bereits 2011 hatte Kleves Technischer Beigeordneter Jürgen Rauer den Auftrag erhalten, vier Standorte zu prüfen, ob dort die Errichtung von Windkraftanlagen möglich ist. Einer von ihnen war Salmorth. Jetzt steht fest: An diesem Ort ist es möglich. 3,5 Millionen Euro beträgt die Investitionssumme. Die Nabenhöhe der Anlage wird 100 Meter hoch sein, die Gesamthöhe beträgt 150 Meter. Die prognostizierte Produktionsleistung liegt bei 5,8 Megawatt im Jahr. Kläranlage, Pumpwerke sowie die Klärschlammtrocknung benötigen knapp 5 Megawatt.

Auch ein Vorteil: Durch die Einsparungen bei den Betriebskosten werden die Abwassergebühren sinken. "Das macht sich im Portemonnaie nahezu aller Bürger bemerkbar. In welchem Umfang, das wird sich zeigen", sagt Janssen. Auch das Abwasser der Kommunen Bedburg-Hau und Kranenburg wird in Salmorth behandelt.

Positiv ist, dass die USK nicht von einer Einspeisevergütung abhängig sein wird, da man den überwiegenden Teil des erzeugten Stroms selbst nutzt. Nach Aussage von Janssen wird sich die Anlage in kürzester Zeit armotisiert haben.

Derzeit verschlingen die Energiekosten für die Kläranlage eine Million Euro im Jahr. Ein möglichst großer Teil soll durch die neue Anlage geliefert werden. "Den gesamten Bedarf wird man nicht abdecken können, da wir keinen Einfluss darauf haben, wie stark und wann der Wind weht. Dadurch müssen wir zu bestimmten Zeiten Strom hinzukaufen", erklärt der USK-Chef.

Die Vorarbeiten für die Antragsstellung sind abgeschlossen. Neben der Konzeption sind umfangreiche Umweltschutzgutachten Voraussetzung für eine Genehmigung. Die einjährige Erhebung, in der unter anderem die Auswirkungen auf arktische Wildgänse, Rast- und Zugvögel, Fledermäuse oder Brutvögel untersucht wurden, sind positiv ausgefallen. Vorreiter beim Thema Windenergie ist das Klärwerk in Hönnepel. Hier wurde bereits im Jahr 1996 ein Windrad installiert. 1,5 Millionen Mark kostete die Investition damals. Das Geld habe sich längst rentiert, sagt Geschäftsführer Heinz Arntz. Zusammen mit dem Blockheizkraftwerk (liefert 40 Prozent) könne sich das Klärwerk durch die Windenergie selbst versorgen. Diese Kostenersparnis habe sich natürlich auch positiv auf die Gebühren ausgewirkt, so Arntz.

Dass die Entscheidung mit sauberem Strom ein Klärwerk zu betreiben Sinn macht, bestätigt Diplom-Ingenieurin Anja Aster. Sie ist Beraterin bei EnergieAgentur.NRW. Eine öffentliche und unabhängige Einrichtung, die vom Land NRW getragen wird. Hier werden Kommunen beraten, die planen, alternative Energieformen zu nutzen.

"Das Vorhaben in Kleve ist eine vernünftige Maßnahme, um dauerhaft die Stromkosten zu senken", sagt Aster. Die erzeugte Energie läge deutlich unter dem Bezugspreis und sei für die Eigenstromnutzung rentabel, da man auch die Netztransportkosten spare. Aster geht davon aus, dass eingekaufter Strom mehr als doppelt so teuer ist wie der durch die Windkraftanlage produzierte.

(RP)
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