Wilmsen-Wiegmann in Moyland: Installation Buchenwald und Holocaust Gedenken

Holocaust-Gedenken : Gedenken an die Holocaust-Opfer

In Moyland mahnt die Installation „Buchenwald“ an das Morden der Nazis. Für den Bildhauer Wilmsen-Wiegmann ist die Skulptur nicht abgeschlossen, auch nicht im 75. Jahr nach der Befreiung Auschwitz durch russische Truppen.

Auschwitz ist der Ort, der für das Schrecken schlechthin steht, für den Mord an Millionen unschuldiger Menschen, die ein unmenschliches Regime in den Tod schickte. Menschen für die man heute am 27. Januar innehält beim „Internationaler Tag des Gedenkens“ an die Opfer des Holocaust. Auch im Klever Land: Vor 75 Jahren wurde das Lager Auschwitz von russischen Truppen befreit. Der 27. Januar ist bundesweiter Gedenktag..

Nicht minder für den Mord an Millionen Menschen steht der Name Buchenwald. Das größte Vernichtungslager auf deutschem Boden. „Buchenwald“, so titelt auch die Bodenskulptur des Kalkarer Bildhauers Christoph Wilmsen-Wiegmann - sie erinnert ganzjährig in der ständigen Sammlung des Museums Schloss Moyland an das Grauen. Es ist eine Installation aus übergroßen Stempeln aus Buchenholz, die wie ein altes Gräberfeld über den Boden verteilt sind: Manche liegen flach, andere wie umgestürzt, wieder anderen muten an, wie längst vergessene Grabsteine. Teilweise zeigen sie ihre Gummierung. Einer dieser Stempel hat seinen Schriftzug auf die Erde gesetzt: „Buchenwald“. Die anderen tragen andere Namen des Schreckens. Spiegelverkehrt, wie zum Stempeln vorbereitet: Sobidor, Treblinka, Ausschwitz. Und auch Hadamar, der als Symbol für den Mord an den Ärmsten der Armen steht - an geistig behinderte, an psychisch kranke Menschen, die teilweise schon auf dem Transport skrupellos zu Tode gespritzt wurden.

„1982 war ich zum ersten Mal in Israel und habe damals auch mit Überlebenden der Shoa gesprochen. Zurück in meinem Atelier habe ich mich gefragt: Kann man die Vernichtung der europäischen Juden überhaupt skulptural fassen und begreifbar machen? Langsam reifte der Gedanke eines Stempels, als Symbol für das Fallbeil und die administrative Vernichtungsmaschinerie im Nazi Deutschland“, sagt Wilmsen-Wiegmann angesichts der Installation, die ganzjährig in Museum Schloss Moyland zu sehen ist. Es entstanden nach und nach 50 hölzerne Stempel für die Installation als Ort des dauernden Gedenkens: Bis heute reist der Bildhauer an die Orte, deren Namen sie tragen. Denn die Stempel stehen beispielhaft für 185 Lager und Außenlager als Zeichen einer Gesellschaft, die ihre eigenen Mitbürger, Nachbarn, Verwandte, Freunde eiskalt in den Tod geschickt hat.

Die Henker waren Schreibtischtäter, die ihre Opfer per Stempeldruck in den sicheren Tod schickten. „Was im Vollzug unfassbar bleibt, Entwürdigung, Versklavung und Tod in solchen Ausmaßen, wird auf die Ebene zurückgeführt, auf der auch das Unmenschliche reibungslos vonstatten geht: die der bürokratischen Abwicklung. Der betroffene Mensch wird nur als Zahl und Nummer wahrgenommen, es wird darüber verfügt“, schreibt der Sammler und ehemalige Moyland-Direktor Franz-Joseph van der Grinten. 2001 zum Holocaust Gedenktag wurde die Skulptur durch Paul Spiegel (dem verstorbenen damaligen Vorsitzenden des Zentralrats) und Wolfgang Clement (damaliger Ministerpräsident NRW) in einem Staatsakt der Landesregierung in Moyland der Öffentlichkeit übergeben. Zuvor reiste Christoph Wilmsen-Wiegmann mit jedem der Stempel an die jeweiligen Orte des Grauens und fotografierte sie dort als Symbol. Es entstand eine Fotodokumentation aus hunderten Fotos. Eine Auswahl davon konnte der Kalkarer Bildhauer an die Gedenkstätte Yad Vashem übergeben.

Die Installation im Museum Schloss Moyland. Foto: wilmsen-wiegmann
Stempel in Auschwirtz vor dem Tor und auf einem Waggon (oben). Foto: wilmsen-wiegmann

„Buchenwald ist für mich nicht abgeschlossen und wird mich ein Leben lang begleiten. Jährlich besuche ich Gettos und Vernichtungslager in Europa im stillen Gedenken“, sagt Wilmsen-Wiegmann. Von Auschwitz existiert ein 2. Stempel mit dem er wiederholt in Oswiecim gewesen ist. „Diesen Stempel würde ich gerne einem Museum oder einer Gedenkstätte in Berlin, Auschwitz, Moskau oder in Israel übergeben“, überlegt der Bildhauer. Abgeschlossen ist sein Werk bis heute nicht.