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Willi Wessels repariert seit 30 Jahren PCs

Computerexperte : Was tun, wenn der PC streikt?

Seit mehr als drei Jahrzehnten kümmert sich Willi Wessels um Soft- und Hardware-Probleme. Seine Bilanz: Häufig vernachlässigen PC-Besitzer grundlegende Sicherheitsaspekte.

Es ist schon merkwürdig. Jeder, der einen PC besitzt, egal ob fest installiert als Heim-Rechner oder in der mobilen Variante als Laptop, entwickelt im Laufe der Zeit eine Beziehung zu dem Gerät. Es gibt für gewöhnlich einen festen Platz in der Wohnung oder im Haus, an dem der PC genutzt wird, ungezählte persönliche Dokumente und Bilder werden darauf gespeichert und viele individualisieren Hintergrund und Bildschirmschoner. So wird aus einem PC, der exakt dasselbe Betriebssystem nutzt wie Millionen andere auf der Welt, irgendwann „mein PC“.

„Für viele ist der Computer ein Heiligtum“, sagt Willi Wessels daher. Seit 1982 kümmert sich der Klever um PCs, betrieb zunächst die „Optima EDV-Beratung“ und heute „Media World Kleve“. Hier bietet Wessels Service für Netzwerke, Hardware und Software an und kümmert sich auch um „PC-Probleme“. Sein Kundenstamm besteht zwar zu rund 90 Prozent aus Geschäftskunden, dennoch kennt er sich nach mehr als drei Jahrzehnten in der Branche natürlich auch mit den digitalen Sorgen und Nöten des Privatmannes aus. „Die größte Angst wenn der PC streikt, ist immer der Datenverlust,“ sagt der 63-Jährige. Umso verwunderlicher ist es, dass laut Wessels „nur etwa fünf Prozent“ aller Nutzer regelmäßig eine Datensicherung durchführen.

Vermutlich hängt das mit einer Entwicklung zusammen, die seit einigen Jahren zu beobachten ist: Im Zeitalter von Smartphone und Tablet ist auch der PC zur Wegwerfware geworden. Wer sich früher einen PC zugelegt habe, der musste sich mit der Thematik mehr auseinander setzen. Der musste wissen, was er für welchen Anwendungszweck benötigt. Heute gibt es regelmäßig Schnäppchenangebote in Discountern, bei denen die sofort internetfähige Komplettlösung präsentiert wird. „Bei der Installation zuhause sind dann nur noch wenige Klicks und Eingaben nötig“, sagt Wessels. Das ist für die Kunden auf den ersten Blick sicher ein Vorteil, verhindert aber, dass sich der Privathaushalt eingehender mit dem System beschäftigt. Wenn es dann ein Problem gibt, sieht der Verbraucher nur zwei Möglichkeiten. Entweder er hat einen „Bastler“ im Bekanntenkreis, der ihm weiterhilft, oder er packt Platinen und Co. zusammen, bringt sie zum Wertstoffhof und wartet auf das nächste Kaufhaus-Prospekt. „Für viele PC-Nutzer ist kaputt einfach kaputt“, bringt es Wessels auf den Punkt.

Im Kreis Kleve gebe es offiziell nicht einmal eine handvoll Experten, die Computer-Reparaturen anbieten, sagt Wessels. Neben der gewachsenen Wegwerfmentalität sorgt hierfür sicher noch ein weiterer Grund: Würden Fachleute wie Wessels bei Privatkunden einen vergleichbaren Stundensatz wie bei den Geschäftskunden ansetzen, wären sie für viele schlicht zu teuer. Eine Handwerkerstunde für die Reparatur der Waschmaschine wird eben leichter bezahlt, als jene für den PC.

Dabei stimme der Satz, dass der PC kaputt und damit ersetzbar sei, „nur in 20 Prozent aller Fälle“, so Wessels. Je nach Aufwand seien die zu rettenden Daten regelmäßig noch zu finden. Die Verantwortung für Ausfälle von Betriebssystemen und Programmen ist laut dem Experten übrigens gerecht verteilt: „Ich würde sagen, das liegt bei fifty-fifty“. Manchmal sei es ein Bedienerfehler, manchmal verursache beispielsweise ein fehlgeschlagenes Update folgenreiche Schäden. Wie etwa aktuell bei Windows 10.

Generell empfiehlt Wessels PC-Nutzern daher Folgendes: „Ich würde immer mit zwei Partitionen arbeiten, bei denen ich auf einer das Betriebssystem habe und auf der anderen die Daten. Außerdem rate ich jedem, die Daten regelmäßig auf einer externen Festplatte zu sichern.“ So sei die Wahrscheinlichkeit, im Fall eines Absturzes oder Spannungsschadens die Daten noch zu retten, groß. Und die Notwendigkeit, gleich einen neuen PC zu kaufen, gering.