Kleve: Wie die Klever zu ihrem Wahrzeichen kamen

Kleve : Wie die Klever zu ihrem Wahrzeichen kamen

Der Schwan des Schwanenturms soll neu vergoldet werden. Das Bild des Vogels und seine Sage sind seit dem Mittelalter in Kleve greifbar.

Wer derzeit seinen Blick den Schwanenturm hinauf richtet, wird nicht den Eindruck gewinnen, dieser sei "nackt" — komplett eingerüstet präsentiert sich der Turm, der die Silhouette des Stadtbilds prägt wie kein anderer. Und doch: Wenn man genau hinschaut, fällt auf, dass etwas fehlt am Turm. Genauer gesagt, an dessen Spitze. Denn der goldene Schwan, der dort normalerweise hoch über der Stadt thront, ist abmontiert, hat seine Reise Richtung Boden angetreten. "Der Schwan soll komplett neu vergoldet werden", sagt Justizbeamter Norbert Tekath. Das war ursprünglich eigentlich nicht geplant, doch im Rahmen der Renovierungsarbeiten am Turm sei auch der Zustand des Wahrzeichens offenbar geworden. Zuletzt war der Schwan im Jahr 1994 vergoldet worden, damals noch vom Klever Betrieb Oster. Wer sich dieses Mal dem etwa 56 Kilogramm schweren Vogel annimmt, ist noch nicht klar. "Der Auftrag wird ausgeschrieben", sagt Tekath. Eines steht aber fest: Die Vergolderei und Rahmenwerkstatt Oster wird sich wieder bewerben. Das bestätigte Inhaber Benjamin Wochnik auf RP-Anfrage.

Wer auch immer den Zuschlag erhält, arbeitet an einem wertvollen Stück Klever Geschichte. "Die Figur ist noch das Original aus dem Mittelalter", sagt Historikerin und Stadtführerin Helga Ullrich-Scheyda. "Sie zeigt, dass es die Grafen von Kleve ernst meinten mit ihrem Wappen." Schließlich berief sich das Herrschergeschlecht auf die Schwanenrittersage als Legitimitäts- und Gründungsgeschichte.

"Im Kleverland handelt die Geschichte von einer Dame namens Beatrix, Tochter des Herrn von Kleve im 8. Jahrhundert", erzählt Ullrich-Scheyda. Als ihr Vater stirbt, ist die unverheiratete Beatrix in höchster Not. "Dann aber kommt ihr Retter in Gestalt von Elias auf einem Boot, das von einem Schwan gezogen wird", sagt die Historikerin. Der Ritter sagt, er sei gekommen, um ihr Land zu verteidigen und ihre Feinde zu besiegen. Natürlich verliebt sich Beatrix unsterblich, es kommt zur Heirat. Aber nur unter der Bedingung, dass sie ihren Mann niemals nach seiner Herkunft fragen dürfe. Beatrix hält sich an ihr Versprechen, die beiden bekommen im Verlauf einer glücklichen Ehe drei Söhne. Auf deren Drängen jedoch fragt die Mutter eines Tages den Gatten nach seiner Herkunft. Im selben Moment taucht der Schwan auf und nimmt den traurigen Ritter mit. Noch im gleichen Jahr stirbt Beatrix — und das vor lauter Kummer.

"Die Grafen von Kleve betonten, von den Söhnen des Schwanenritters abzustammen", sagt die Historikerin. Die Sage ist 1471 bei Chronist Gert von der Schuren nachzulesen, war aber bereits früher in der Stadt allgegenwärtig. So zeigt bereits das älteste Grab der Stiftskirche, jenes von Graf Arnold von Kleve und seiner Gemahlin Ida von Brabant vom Anfang des 14. Jahrhunderts, einen Schwan. Nachdem der ursprüngliche Turm der Klever Burg 1439 in sich zusammengebrochen war, ließ Herzog Adolf von Kleve den Schwanenturm unter seinem heute bekannten Namen aufbauen. "Seither prangt der goldene Schwan an der Spitze des Turms", sagt Ullrich-Scheyda. Geflogen ist der Vogel aber wohl nur einmal: Durch die Zerstörung des Turms im Zweiten Weltkrieg stürzte die Spitze zu Boden, wurde dort aber gefunden und restauriert.

Auf Elsa und den Schwanenritter Lohengrin bezieht man sich erst seit dem 19. Jahrhundert in Kleve. Das Bad war als Kurort beliebt, Wagner mit seiner Oper gerade äußerst populär. "So verknüpfte man die schöne Geschichte um Elsa und Lohengrin mit der Stadt, um die Besucher anzulocken", sagt Historikerin Helga Ullrich-Scheyda. Aber egal ob Beatrix und Elias oder Elsa und Lohengrin: Der Schwan blieb jeder Version der Geschichte erhalten.

(RP)