Kleve: Weyerstege: Bekämpfer des Hexenwahns

Kleve: Weyerstege: Bekämpfer des Hexenwahns

Dr. Johann Weyer war Leibarzt von Herzog Wilhelm III. von Cleve, Jülich und Berg. Aufsehen erregte er als leidenschaftlicher Gegner der Hexenverfolgungen. Heute erinnert die Weyerstege an ihn.

So manche "Hexe" hat ihr Leben einem Klever Arzt zu verdanken. Dr. Johann Weyer, der von 1550 bis 1579 als Leibarzt des Herzogs Wilhelm III. von Cleve praktizierte und nach dem die Weyerstege in der Nähe des Marktplatzes an der Linde benannt ist, war ein leidenschaftlicher Bekämpfer des Hexenwahns.

Bekannt wurde er vor allem durch die 1563 erstmals gedruckte Dämonologie "De praestigiis daemonum" (Ueber die Blendwerke der Dämonen. Von Teufelsgespenst, Zauberern und Gifftbereytern, Schwarzkünstlern, Hexen und Unholden, darzu irer Straff, auch von den Bezauberten und wie ihnen zuhelffen sey). Weyer selbst war seine Bekanntheit nicht gerade unangenehm. So ließ er seine Leser wissen, er danke Gott, "daß er meine Feder Beweisgründe hat schreiben lassen, deren Veröffentlichung an sehr vielen Orten die Wuth, im Blut Unschuldiger zu waten, verrauchen machte und die wilde Grausamkeit und Tyrannei in der Zerfleischung der Menschen, die ihm das bestriechende Brandopfer ist, verhindert hat."

Die Blendwerke der Dämonen

In der Allgemeine Deutsche Biographie ist in einem Artikel von Carl Binz über den Arzt zu lesen: "Das größte Verdienst Weyer's liegt in der Klarheit und dem Muthe, womit er systematisch zuerst die Bekämpfung der Hexenprocesse unternahm und zwanzig Jahre lang mit allem Eifer durchführte." Das berühmte Buch "Ueber die Blendwerke der Dämonen" schrieb Weyer 1562 auf dem herzoglichen Schloss Hambach bei Jülich. Darin trat er dem Hexenwahn und seinen grauenhaften Folgen entschieden entgegen.

  • Kleve : Stechbahn: Wo die Ritter zustachen

Mit welchem Beifall das Buch aufgenommen wurde, bezeugen die sechs Auflagen in 20 Jahren und drei deutsche und zwei französische Übersetzungen. So groß wie der Zuspruch war allerdings auch die Zahl seiner Gegner. Das Buch wurde in Antwerpen, München, Rom, in Spanien und Portugal auf den Index der kirchlich verbotenen Bücher gesetzt. Teils wurde offen ausgesprochen, dass der Verfasser ein Ketzer sei und keine seiner Schriften von den Gläubigen gelesen werden dürfe. Der berühmte französische Jurist Jean Bodin schrieb eine Schmähschrift gegen Weyer und der Hexentheoretiker Delrio bekämpfte ihn aufs Heftigste. Über das weitere Schicksal schreibt Carl Binz in Deutsche Biographie: "Weyer wäre dem Ansturm seiner zahlreichen Feinde [...] persönlich unterlegen, hätte ihn nicht sein einsichtsvoller und ihm höchst gewogener Herzog geschützt. Bald aber machte sich in [...] Cleve der Einfluß der spanischen Reaction geltend; der Herzog verfiel einem Gehirnleiden [...], und Weyer mußte es als Greis erleben, daß auch in Jülich-Cleve-Berg die Folter wieder arbeitete und die Hexenbrände wieder aufloderten."

Der erste Rufer im Kampfe

Dennoch seien Weyers Mühen nicht vergebens gewesen, so Binz: "Er war der erste Rufer im Kampfe, und andere folgten ihm, ihn stets als ihren Führer nennend und anerkennend."

(RP)