Niederrhein: Wenn Singen glücklich macht

Niederrhein: Wenn Singen glücklich macht

Türchen Nummer 11: Die New Gospel Voices aus Wesel müssen sich um Nachwuchs keine Sorgen machen. Und das liegt nicht nur an dem neusten Mitglied in der Runde.

Man will sich nicht beklagen, hier im Gemeindezentrum Flüren in Wesel. Im Gegenteil: Es läuft so gut bei den New Gospel Voices, dass erst einmal organisiert werden muss. Schon wieder wollen zwei potenzielle Mitglieder den Weseler Chor kennenlernen, aber beide auf einmal bei einer Probe wäre vielleicht etwas viel. "Dann soll die eine erst in zwei Wochen kommen", sagt ein Chormitglied in die Runde. So wird's gemacht. Doch warum müssen die New Gospel Voices den Zustrom von neuen Sängerinnen und Sängern organisieren, während andere Chöre geradezu über Mitgliedermangel klagen?

Ein Grund, sagen die Mitglieder, ist der Chorleiter. Garrelf Hagedorn heißt er und ist mit Mitte dreißig einer der Jüngeren in der Chorszene am Niederrhein. "Er ist sehr dynamisch, da sagen viele Leute, da sing ich gerne mit", erklärt Erika Dicks (71), die auch Vorsitzende des Sängerkreises Wesel ist. Und so lässt er seinen Chor nicht nur ein langes "Fifafifau" zum Warmwerden singen, sondern vor allem - wie der Name des Chores schon sagt - Gospelmusik. Nur ab und zu singt die Gruppe klassische Kirchenlieder für den Gottesdienst oder das "Hallelujah" von Leonard Cohen. "Unser vorheriger Chorleiter war Kirchenmusiker, irgendwann hat er uns stimmlich nicht mehr weitergebracht", sagt Diecks. "Garrelf hat bei uns inzwischen viel erreicht, wir singen sogar a cappella."

Neben dem Chorleiter ist der Gospel an sich ein zweiter Grund, warum der Chor nicht nach Mitgliedern suchen muss. "Es geht beim Gospel darum, den Glauben zu verbreiten. Aber ganz banal gesagt sind das einfach schöne Lieder", erklärt Chorleiter Hagedorn. "Es macht mich glücklich, wenn ich das singe", sagt auch Yvonne Hein (45). Und Helmut Brenner (71) fügt hinzu: "Die Lieder geben uns Mut und Zuversicht. Jeder hat ja so seine Probleme, das wird durchs Singen kompensiert"

Entstanden ist der Chor Anfang der 2000er, als sich eine Gruppe für ein Gemeindefest zusammenfand, um dort Gospel zu singen. Was als einmaliges Projekt angesetzt war, ließ die Teilnehmer aber nicht mehr los. Und so gründeten sie kurzerhand die New Gospel Voices. Und so singen sie nicht nur, um sich selbst glücklich zu machen, sondern auch, um anderen zu helfen und die frohe Botschaft zu verbreiten.

Für die Reparatur einer Kirche in Rehfeld bei Kyritz in Brandenburg gaben sie ein Benefizkonzert, in Trier traten sie in der Basilika auf, einer "besonderen Kirche", und auch auf dem Gospelkirchentag sind sie meist dabei.

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Neben den Konzerten stehen immer wieder auch Ausflüge auf dem Chor-Kalender, der erste, so erinnert man sich, ging nach Hamburg, weil Erika Dicks von dort kommt. Zur Stimmbildung fuhr die Gruppe zum Klausenhof nach Dingden. "Und dann war da noch die Weinprobe in Ginsheim", sagt Sandra Dirks lachend. "Da ging's dann auch mit dem Singen besser."

Wein und Gesang - das ist beides noch nicht wirklich etwas für das jüngste Mitglied des Chores. Schon gut eine Woche nach der Geburt brachte die Mutter den nun drei Monate alten Jungen mit zur Chorprobe. Seither sitzt er seelenruhig im Tragegurt vor dem Bauch seiner Mutter und hört dem Chor beim Singen zu. Der Nachwuchs für den Chor ist also gesichert, scherzen die Mitglieder.

Bei all dem Optimismus, eines würde sich der Chor dann aber doch wünschen: mehr Männer. "Der Tenor ist bei uns rein weiblich besetzt, Männer sind hier Mangelware", sagt Yvonne Hein. Da muss Ralph Hagedorn (64), der Vater vom Chorleiter, widersprechen: "Wir sind kräftig genug, man hört uns", sagt er bestimmt und lacht.

Auf den Facebookseiten unserer Redaktionen vom Niederrhein finden Sie im Rahmen unseres Adventskalenders ein Video vom Chor, zum Beispiel unter "Rheinische Post Kleve" oder via www.facebook.com/rp.kleve.

(mre)