Kleve: "Welcome" für 90 Flüchtlinge in Kleve

Kleve : "Welcome" für 90 Flüchtlinge in Kleve

Die Stadt Kleve hat innerhalb von 48 Stunden eine Notunterkunft für Menschen organisiert, die in Deutschland Schutz suchen. Gegen 19.30 Uhr kam gestern der erste Bus mit 41 Menschen an, ein weiterer wurde am späten Abend erwartet.

Warten, Warten, Warten. Am frühen Abend war alles gerichtet, nun wird den Helfern die Zeit lang. Fein säuberlich aneinandergereiht stehen die Pritschen in der Kellener Turnhalle, es ist warm und stickig, wie es im Sommer in einer nicht klimatisierten Halle üblich ist. Aber mit solchen Nebensachen gibt sich niemand ab; wichtig sind das Dach über dem Kopf, Schlafmöglichkeiten, Duschen und Toiletten, Essen und Trinken.

Drei Ärzte stehen parat, um die Neuankömmlinge kurz durchzuchecken. Mitarbeiter des Klever Sozialamts sind vor Ort, Vertreter des Ordnungsamts auch. Und: die örtliche Polizei. Ein Beamter im kurzärmeligen Hemd ist der Erste am Bus: "Welcome" und "this way" sagt er lächelnd und dirigiert die Männer, Frauen und Kinder, die müde aus dem Fahrzeug klettern, Richtung Turnhalle.

41 von ihnen sind mit dem ersten Bus aus Dortmund gekommen, etwa 50 weitere werden am späten Abend erwartet. Im Laufe der Woche sollen es noch mehr werden. Thomas Mutz vom Gebäudemanagement hat der Presse schon am Morgen erzählt, was vorzubereiten war: Ganz schnell musste die Stadt die Notunterkunft herrichten, kaum 48 Stunden sind vergangen seit dem Anruf der Bezirksregierung Arnsberg, die für die Verteilung der Flüchtlinge in NRW zuständig ist.

Dicht nebeneinander stehen die Feldbetten für die Flüchtlinge in der Kellener Turnhalle. Trennwände dazwischen gibt es nicht. Foto: Gottfried Evers

"In Deutschland herrscht Betten-Notstand", sagt Mutz, der froh ist, dass in Mönchengladbach noch ein Unternehmen gefunden wurde, das die Pritschen vermietet. 150 sind aufgebaut worden, Trennwände gibt es in der Turnhalle nicht. Frauen, Männer und Kinder werden dort alle zusammen schlafen, essen, leben - dicht an dicht.

Der erste Bus erreichte den Parkplatz am Konrad-Adenauer-Gymnasium um 19.30 Uhr. Bürgermeister Theo Brauer persönlich begrüßte die Menschen auf dem kurzen Weg zur Turnhalle. Foto: Gottfried Evers

Unter den Helfern ist Bekim Beqiraj, der für Clivia Technik arbeitet, die Firma, die die Versorgung stemmt. Er hat einen Kühlschrank geliefert und angeschlossen. Er war selbst einmal Flüchtling, weiß, wie schwierig es ist, seine Heimat zu verlassen, aber nun ist er am Niederrhein zuhause. Er will jetzt selber helfen. Beqiraj bietet sich als Dolmetscher an, "ich spreche Albanisch." Übersetzer sind auch für Sozialamtsleiterin Sonja Northing ganz wichtig: "Damit sich die Menschen mitteilen können." Die Caritas hat einen Dolmetscher-Pool gegründet, dessen Mitglieder jetzt anwesend sind. Mit Englisch, Französisch, Arabisch sollte das Wichtigste zu klären sein. Maria Schneider-Bless und Herbert Samson zum Beispiel halten sich bereit. Am frühen Abend hat Bürgermeister Theo Brauer eine Liste aus Dortmund erhalten, aus der hervorgeht, dass die Flüchtlinge aus Afghanistan, Syrien, Bosnien-Herzegowina und Eritrea stammen. Und dass viele Kinder darunter sind. Die Kleinsten unter ihnen lächeln, als sie in Kleve aus dem Bus steigen. Viele freundliche Leute kümmern sich um sie, weisen ihnen Betten zu, bieten bald Getränke und Brot mit Aufschnitt und Joghurt an. Obwohl nicht klar war, welche Religionen hier vertreten sein würden, haben vorausschauende Helfer auch Geflügelwurst besorgt.

Ob die Stadt Kleve helfen würde, sei keinen Moment lang eine Frage gewesen, sagen Bürgermeister Theo Brauer und seine Fachbereichsleiterin. "Ich habe mit dem Schulleiter gesprochen, den Eltern einen Brief geschrieben, und auch die Vereine wissen, dass sie die Turnhalle vorläufig nicht nutzen können", erklärt Brauer. Die Flüchtlinge werden nun rund um die Uhr von Mitarbeitern einer Zeitarbeitsfirma betreut, "Clivia" ist fürs Catering da. Bernd Pastoors und sein Team vom Theodor-Brauer-Haus wollen in den kommenden Tagen helfen, Struktur in den Flüchtlings-Alltag zu bringen.

Hier geht es zur Infostrecke: So viele Flüchtlinge mussten die Städte 2014 neu aufnehmen

(RP)
Mehr von RP ONLINE