Weihbischof Rolf Lohmann und Landtagsabgeordneter René Schneider an der Theke

160 Jahre Kolping Werk in Kleve: Ein Weihbischof an der Theke

Zum 160. Bestehen des Adolf Kolping Werkes kamen der NRW-Landtagsabgeordnete René Schneider (SPD) und Weihbischof Rolf Lohmann ins Klever Kolpinghaus. Christliches Engagement in Kirche und Gesellschaft war das Thema.

Thekendialog – diese Format war neu und muss erklärt werden: kein Vortrag, keine Podiumsdiskussion, sondern ein lockeres Gespräch an der Theke. Aus Anlass des 160-jährigen Bestehens des Kolpingwerkes im Bistum Münster waren Weihbischof Rolf Lohmann und der NRW-Landtagsabgeordnete René Schneider (SPD) ins Klever Kolpinghaus gekommen, um über die aktuelle Bedeutung christlichen Engagements in Kirche und Gesellschaft zu diskutieren.

Uwe Slüter, Geschäftsführer des Diözesanverbands Münster, begann mit dem Zitat von Adolf Kolping: „Wir wollen nicht jammern, sondern handeln“. Die Themen hätten sich gewandelt, Klimawandel, Flüchtlingsströme, populistische Tendenzen gehörten zu den Herausforderungen der Gegenwart. Zusammen mit Sonja Wilmer-Kausch, Verbands- und Bildungsreferentin des Diözesanverbandes Münster, moderierte er den Dialog.

Für einen unterhaltsamen Einstieg sorgte ein klassisches Frage-Antwort-Spiel. Hier bekannten Lohmann und Schneider ihre Positionen zu Leben, Beruf und Gesellschaft. Dabei ergaben sich viele Gemeinsamkeiten: beide sind Kolpingbrüder von Jugend an und machten so erste Schritte, sich für andere einzusetzen. „Was möchten Sie zuallererst ändern?“ Lohmann nannte die ungerechte Güterverteilung in der Welt, Schneider den Gleichmut der Menschen gegenüber Ungerechtigkeiten. Als die beste Entscheidung seines Lebens bezeichnete der Weihbischof jene, Priester geworden zu sein. Schneider stand zu seiner Berufswahl Journalist. Dass er heute Abgeordneter sei, habe viel mit Glück und „Momentum“ zu tun.

In seinem Vortrag umriss Lohmann das christliche Engagement in der Gesellschaft mit der Geschichte, als Jesus zu seinen Jüngern, die beim Fischen nichts gefangen hatten, sagte, sie sollten ihre Netze „auf der anderen Seite“ noch einmal auswerfen. Dies betonte der Weihbischof: „Jesus geht zur anderen Seite, er geht dahin, wo die Brüche des Lebens sind, zu den Sündern.“ Er erwähnte auch, dass gerade in armen Ländern der Erde Menschen solidarisch und helfend seien. Das Kolpingwerk habe sich in Zeiten ungerechter Strukturen für die Menschen engagiert und auch Konflikte mit Obrigkeiten nicht gescheut. Heute gelte es, Verantwortung zu übernehmen, sozial, ökologisch, humanitär. „Da kann man nichts machen“ sei ein Satz, den er ablehne.

Schneider stimmte seinem Gesprächspartner in allen Punkten zu. Ergänzend griff er das Bild vom „Netz“ auf, das heute durch das Internet eine ganz neue Dimension bekommen habe. „Wir dürfen das Internet nicht anderen überlassen, müssen unsere vornehme Zurückhaltung aufgeben und den Mut haben, auch im Internet unsere Meinung zu sagen“, so Schneider. „Ist die Gesellschaft heute schlechter?“ fragte Wilmer-Kausch. Schneider antwortete, es gebe gute und schlechte Menschen, und die Medien machten es ihnen einfach, öffentlich zu werden.

„Sind wir als Kirche zu leise?“ lautete eine Frage an Lohmann. Er bejahte dies und fügte hinzu: „Wer es mit dem Evangelium zu tun hat, kann sich nicht in der Sakristei verstecken.“ Das tat er auch nicht. Im Gegenteil: Lohmann zeigte sich an diesem Abend nah und offen. Sorgenvoll fragte ein Zuhörer, ob das Ehrenamt ein Auslaufmodell sei. Beide verneinten es, jedoch, verändere sich das Ehrenamt. Junge Menschen hätten andere Auffassungen, es komme darauf an, immer wieder neue Angebote zu machen. Ehrenamt sei nicht wegzudenken in der Gesellschaft.