1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Weeze war im vergangenen Jahr die Kommune mit den meisten Unfällen im Kreis Kleve.

Neuer Unfallatlas : Hier kracht es häufig im Kreis Kleve

Ein Atlas zeigt erstmals, wo sich in NRW Verkehrsunfälle häufen. In Kleve gibt es bei Unfällen mit Personenschaden vor allem zwei Problemzonen. Bei der Unfallhäufigkeit je 1000 Einwohner liegt die Kommune Weeze weit vorne.

Lena ist 22 Jahre alt, als sie Anfang April tödlich verunglückt. Auf der Sommerlandstraße in Bedburg-Hau gerät sie in den Gegenverkehr und kollidiert mit einem Kleintransporter. Es sind jene Unfälle, die Familien und Freunde in tiefes Unglück stürzen. Unfälle, die man im Kreis Kleve kennt.

Auf welchen Straßen hat es besonders häufig gekracht? Und wo sind die gefährlichsten Ecken - zum Beispiel für Radfahrer? Solche Fragen beantwortet der Unfallatlas, der nun erstmals auch für NRW verfügbar ist. Der digitale Atlas weist besonders unfallträchtige Straßenabschnitte und Kreuzungen in Nordrhein-Westfalen aus. Die Daten stammen aus dem Jahr 2019. Auf dem Computer oder Smartphone können Nutzer nun mit wenigen Klicks Unfallschwerpunkte erkennen - aufgeschlüsselt nach beteiligten Verkehrsmitteln und bis auf die Kreuzung genau.

Für den Kreis Kleve zeigt das Datenmaterial, das dem Atlas zu Grunde liegt, ein differenziertes Bild. 15 Todesopfer hat es laut Polizei im vergangenen Jahr auf unseren Straßen gegeben. Im Atlas wird durch einen Übertragungsfehler einer mehr ausgewiesen, wie es von der Behörde heißt. So oder so: Damit gibt es in der Region mehr Todesopfer auf den Straßen als etwa in Düsseldorf und Mönchengladbach zusammen. Die Gründe liegen auf der Hand: Im Kreis Kleve werden lange Strecken überbrückt, häufig auf Landstraßen mit entsprechend hohen Geschwindigkeiten. Die Kreise Wesel (16 Todesopfer) und Viersen (13 Todesopfer) haben mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

Deutliche Unterschiede im Kreis Kleve gibt es, wenn man auf die Unfallhäufigkeit je 1000 Einwohner schaut. Mit diesen Daten hat IT.NRW eine Rangliste erstellt. Eine Liste also, bei der man möglichst weit unten auftauchen möchte. So belegt im Kreis Kleve Rheurdt mit einer Unfallhäufigkeit von 2,6 auf 1000 Einwohner Rang 379. Ein gänzlich anderes Bild zeigt sich in Weeze. Dort liegt man mit einer Häufigkeit von 6,3 auf Rang zwölf von ganz NRW. Warum ausgerechnet Weeze? Als Unfallhäufungsstelle nennt die Polizei zum einen den Anschluss Goch an die A 57. Dabei kracht es vor allem beim Abbiegen im Kreuzungsbereich. Ebenfalls ein Problem ist der Bereich Wember Straße/Ecke Flughafenring. Auch hier kommt es häufig zu Abbiegeunfällen.

Über die Gründe könne man nur spekulieren, wie Christina Pitz von der Polizei sagt. Eine Vermutung: „Bei beiden Unfallstellen handelt es sich aufgrund des Flughafens und der Autobahnanbindung um stark frequentierte Strecken, auf denen sicher auch viele ortsunkundige Verkehrsteilnehmer unterwegs sind.“

Weeze landet, obwohl es mit 68 Unfällen nur acht beziehungsweise sieben Unfälle mehr hatte als etwa Bedburg-Hau und Kalkar, im Ranking deutlich weiter vorne. Weil sich dieses eben auf die Häufigkeit je 1000 Einwohner bezieht - und Weeze nunmal einige tausend Einwohner weniger hat als die anderen beiden Kommunen. Goch landet mit einem Wert von 4,8 auf Rang 99. Kleve mit 4,6 auf Rang 118. Wie die jeweiligen Kommunen im Kreis abgeschnitten haben, weist unser Info-Kasten aus.

 Wo aber gab es in der Kreisstadt am häufigsten Unfälle mit Personenschaden? Dabei hilft ein Blick auf die digitale Karte, die vor allem zwei Problemzonen ausweist. Die Stadteinfahrt über die Materborner Allee und Hoffmannallee - dort sind auch verhältnismäßig häufig Fahrradfahrer betroffen. Und die B220, die über Kellen in Richtung Emmerich führt. Beide Strecken sind auf der Karte gelb markiert -  damit liegen sie in einer Kategorie zwischen 14 und 27 Unfällen mit Personenschaden im vergangenen Jahr. Also landesweit im Mittelfeld. Zum Vergleich: Die Skala reicht von dunkelblau (1 bis 5 Fälle) bis dunkelrot (57 bis 127 Fälle).