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Kleve: Wechseljahre eines Clowns

Kleve : Wechseljahre eines Clowns

1500 Menschen feierten Bernd Stelter beim von der RP präsentierten Freiluft-Spektakel an der Viller Mühle in Kessel mit stehenden Ovationen. "Mittendrin" – ein Gala-Feuerwerk mit literweisen Lachtränen und Melancholie.

goch-kessel "Achtung ! Mann in den Wechseljahren": Der Spruch, den Kult-Comedian Bernd Stelter auf dem schwarzen T-Shirt über den drei Haaren auf der Brust vor sich her trägt, ist der rote Faden eines mehr als zweieinhalbstündigen Gala-Abends, in dessen Verlauf der blonde Barde nicht nur die Lachtränen hektoliterweise fließen ließ, sondern sich bisweilen auch von seiner sentimental-melancholischen Seite zeigte – und dafür tosenden Applaus und stehende Ovationen von mehr als 1500 Menschen an der malerischen Viller Mühle bekam. Noch auf der Bühne neben dem Niersarm versprach der wechseljährige Clown, mit seinem neuen Programm in ein paar Jahren ´ in Kessel aufzutreten – was nicht nur die Macher Bruno Schmitz und Mühlen-Hausherr Heinz Bömler, sondern auch die RP als Präsentator und erst recht die Fan-Schar auf den Holzbänken hoch erfreute.

33 Kilo abgespeckt

"Ich freue mich sehr auf diesen Abend, denn ich weiß nicht, wie viele ich davon noch habe!", stieg Wandlungs-Phänomen Stelter, der wieder in vielen Rollen brillierte, in sein Programm "Mittendrin" ein. Und beschäftigte sich fortan im hohen Alter von 48 Jahren ("Also werde ich 96 !") mit den Wechseljahren des Mannes – übrigens nach bisher 45 Konzerten in der ersten Jahreshälfte seine "Premiere" nach der Sommerpause, weshalb er vorsorglich sein Textbuch in der Nähe deponierte. Aber erst mal musste das liebevoll "Berniebärchen" getaufte Schwergewicht seine neue Erscheinung erläutern: Stelter hat nämlich sage und schreibe 33 Kilogramm abgespeckt – nur weil er ab dem Nachmittag auf Kohlehydrate verzichtet. Der Erfolg: Zum ersten Mal seit vielen, vielen Jahren hat er die 100-Kilo-Marke unterschritten.

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Was folgte, war ein Feuerwerk, das nur einmal unterbrochen wurde, als ein zischender Heißluftballon in wenigen Metern Entfernung an der Bühne vorbeirauschte, von Holland-Campingurlauber Stelter mit den Worten "Man kann sagen, was man will, aber die Holländer haben Ideen" kommentiert. Ob mit oder ohne eine seiner drei griffbereiten Gitarren schlüpfte der Entertainer dann gekonnt in die unterschiedlichsten Charaktere. Ob als Papa im grauen Arbeitskittel, der Sohnemanns Zimmer ausmisst, um es nach dessen Auszug aus dem "Hotel Mama" als Fitnessraum zu nutzen, ob als sturer Bauer aus dem Sauerland, ob als Dozent an der Volkshochschule oder als hyperaktiver Diskjockey von Ü-30-Partys ("Betreutes Tanzen") – Stelter braucht nur ein paar Utensilien und Handgriffe, um sich zu verwandeln. Und wie voll krass der Vater von zwei Kindern die Jugendsprache drauf hat, zeigte sich in seiner atemberaubenden Version von Pippi Langstrumpf.

Erst nach zig Zugaben und der Clown-Ballade im Finale ließ ihn das Publikum gehen –nach nebenan, um Autogramme zu schreiben.

(RP)