Kleve: Wasser, Wein und ein neuer Saal

Kleve: Wasser, Wein und ein neuer Saal

Am morgigen Sonntag wird der erste Teil der neuen Einrichtung des Museums Kurhaus Kleve eröffnet: "Wasser & Wein" heißt die Ausstellung und präsentiert wichtige Neuerwerbungen des Museums.

Am morgigen Sonntag wird der erste Teil der neuen Einrichtung des Museums Kurhaus Kleve eröffnet: "Wasser & Wein" heißt die Ausstellung und präsentiert wichtige Neuerwerbungen des Museums.

Das Mittelalter wurde komplett neu sortiert. Der Katharina-von-Kleve-Saal präsentiert sich völlig neu. Foto: Markus van Offern

Das Fenster zum Saal führt direkt ins Mittelalter. Dort hinter dem schmalen hohen Glas stehen sie alle: Der Himmelfahrts-Christus des Meister Arnt, die Heilige Barbara, der Christus mit dem Kreuz und in der Mitte schließlich die drei Grazien aus dem Morgenland, die Heiligen Drei Könige, die das Genie Henrik Douverman im ausgehenden Mittelalter ins Holz schnitt. Man steht ihnen in der neuen Ausstellung Aug' in Aug' gegenüber und kann so die Genialität des Kalkarer Bildhauers unmittelbar erfahren. Es ist die Figurengruppe, die jetzt für Kleve mithilfe großer Stiftungen gerettet werden konnte. 30.000 Euro fehlen noch an der Gesamtsumme von 750.000 Euro. Diese Restsumme müssen die Museumsfreunde bis September sammeln.

Mit Man Ray kam ein klangvoller Name zur Sammlung dazu. Foto: mgr

Radikal hat Kleves Museumsdirektor Harald Kunde für die neue Einrichtung seines Museums, die am Sonntag, 11.30 Uhr, eröffnet wird, den Katharina-von-Kleve-Saal umgekrempelt. Er hat die schweren schwarzen Sockel aus belgischem Granit im Sichtbeton überbauen und an der Stirnwand des Saales neue Sockel anbringen lassen. Dort werden die besten Stücke niederrheinischer Schnitzkunst jetzt in ausgewogener Ruhe präsentiert. Der Saal bekommt einen neuen Rhythmus, der ihm gut tut.

Ein alter Bekannter für Kleve: Richard Serra. Foto: matthias Grass
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Gut auch, dass aus dem Durchschub für große Formate zwischen Kurhaus-Säulengalerie und Katharina-Saal ein Fenster gemacht wurde: Wer an der Minerva vorbei guckt, schaut nicht mehr gegen eine Wand sondern blickt in ein anderes Jahrhundert, er findet hinter dem Durchblick wieder andere Durchblicke. Ganz nach dem Motto "Einblick und Ausblick", nach dem das Museum vor über 20 Jahren eröffnet wurde.

Die Neueinrichtung des Katharina-von-Kleve-Saales ist der eine Aufschlag, der am morgigen Sonntag der Öffentlichkeit vorgestellt wird. Gleichzeitig wird die Ausstellung "Wasser & Wein" eröffnet, benannt nach einem Bild des Fotokünstlers Wolfgang Tillmans. Dessen großformatiges Foto von Wasser und Wein in Gläsern mit kurzem Stil füllt jetzt eine Wand im Friedrich-Wilhelm-Bad und bereichert die Fotografiesammlung. Das Museum Kurhaus hat vom Land NRW aus der Portigon-Sammlung mit mehr als einem Dutzend Werken eine beachtliche Anzahl von Bildern bekommen. Allesamt ergänzen die Werke aus Casinos und Banken die Sammlung moderner Kunst in Kleve. Neben Tillmanns auch ein Foto vom Oseberg-Wikinger-Schiff, das die Künstlerin Candida Höfer machte. Dazu eine Ansicht von Saumur durch den Fotografen Elger Esser. Das Bild sei nicht vergilbt, es sei bewusst in diesem Farbton angelegt, sagt Kunde. Perfekt in die Klever Sammler passt auch das Foto von Matthias Hoch von einer Deckenverkleidung in einer Bank. Erst jüngst hatte das Kurhaus ein anderes Bild des Fotografen angekauft. Endlich hat das Museum Kurhaus auch ein Werk von Andy Warhol (wir berichteten) passend zu den amerikanischen Künstlern.

Zusammen mit den wunderbaren Blättern von Richard Serra zeigt Kunde jetzt die Neuwerbungen des verkopften Stephen Priena zusammen mit vier Radierungen von Joel Shapiro. Ein sehenswerter Raum. Zumal draußen vor der Tür mit einem Bild von Man Ray ein besonders klingender Name der Kunstgeschichte hängt.

(mgr)
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