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Kalkar: Was zählt ist das Dazwischen

Kalkar : Was zählt ist das Dazwischen

Sieben Künstler vom Niederrhein haben sich auf Einladung Martin Lerschs mit dem Thema "Zwischen Himmel und Erde. Niederrheinische Landschaften im 21. Jahrhundert" beschäftigt. Die Ergebnisse sind ab Sonntag im Städtischen Museum Kalkar zu sehen.

Ein Schwarm weißer Vögel steigt aus einem Brutkasten zur Museumsdecke empor, in der zweiten Etage fliegen die Tiere scheinbar übergangslos aus dem Boden. Martin Lersch blickt zufrieden auf die 300 Vögel, die Barbara Schmitz-Becker aus gewachsten Papierblättern gefertigt hat, und die er, Lersch, als Organisator der Ausstellung im Städtischen Museum Kalkar in zweitägiger Arbeit einem großen Mobile gleich an der Decke befestigt hat.

 Der Schwarm von Barbara Schmitz-Becker ist aus 300 Papiervögeln gefertigt. Er bewegt sich auf zwei Raumebenen im Museum Kalkar.
Der Schwarm von Barbara Schmitz-Becker ist aus 300 Papiervögeln gefertigt. Er bewegt sich auf zwei Raumebenen im Museum Kalkar. Foto: Gottfried Evers

"Wichtig ist das Dazwischen", sagt Lersch, mit Blick auf eben jene Zimmerdecke, die den Schwarm in zwei Hälften teilt. "Das sind nämlich wir."

"Zwischen Himmel und Erde. Niederrheinische Landschaften im 21. Jahrhundert", heißt der Titel der Ausstellung, die am kommenden Sonntag um 12 Uhr eröffnet wird. Eigens zu diesem Anlass haben sieben Künstler aus der Umgebung, drunter auch Mitglieder des Bundesverbandes Bildender Künstler (BBK) Niederrhein, Werke gefertigt.

"Der Kerngedanke ist, mit Landschaft vorsichtiger umzugehen", sagt Lersch. Ausgedrückt wird dieser Wunsch und "die aktuelle Stellungnahme zum Landschaftsbild des 21. Jahrhunderts" auf ganz unterschiedliche Weisen. "Von Romantik bis Aufklärung stehen sich die Bilderwelten und ihre Meinungen parallel gegenüber", so Lersch.

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Er habe diese Stimmung mit der Hängung unterstützt, die Spannung soll für den Betrachter greifbar sein. Ungemütlich sieht es zwar nicht aus, darf es aber beim Betrachten ruhig werden. "Die Besucher sollen sich vielleicht ein bisschen die Haare raufen", wünscht sich Lersch und grinst dabei so verschmitzt, das man ihm diesen Wunsch nicht abschlagen mag. Und es auch gar nicht muss. Denn die Werke fordern nicht nur zum Hinsehen-, sondern eben auch Hinfühlen auf. "Der Horizont, da vorne, bei den Bildern von Nanni Wagner, der ist natürlich ein starkes Motiv. Dem jagen wir Menschen ja zeitlebens hinter. Wie der großen Liebe." Lersch zuckt mit den Schultern. "Romantik ist eben auch vertreten", sagt der Künstler, beinahe entschuldigend, und geht rasch zum nächsten Bild über. Hinterm Horizont geht's eben weiter.

Das "Weiter" ist in diesem Fall ein imposanter Haar-Ball, gut 80 Zentimeter im Durchmesser. Max Knippert hat ihn aus Echthaar gefertigt, dass er über Wochen bei einem Klever Friseur sammelte und den "haarigen Meteorit" genannt hat. Ebenfalls imposant in ihrer Wirkung sind die Großformate von Peter von Malotki, die "rückwärts entstanden" sind, wie der Künstler erzählt. Zunächst bemalt von Malotki die Leinwand komplett, um in vielen weiteren Schritten die bemalte Fläche Stück für Stück wieder freizulegen.

Auf diese Weise entstehen Phantasielandschaften, die Muster variieren zwischen Abstraktion und Gegenständlichkeit. Auf einem dieser Bilder, in der ersten Etage des Museums, ganz vorne an der Türe, erkennt Martin Lersch eine Wolken-Spiegelung im Wasser. Genau solche Motive liebt er, weil sie ihn an das echte Leben, die echte Natur erinnern. "Manchmal muss man eben nach unten gucken, um den Himmel zu sehen."

(RP/rl)