Kreis Kleve: Was kann ich für meine Psyche tun?

Kreis Kleve: Was kann ich für meine Psyche tun?

"Die Gesundheitsexperten": Das Katholische Karl-Leisner-Klinikum und die Rheinische Post laden zum Gespräch mit Ärzten und Patienten ein. Im Kalkarer St. Nikolaus Hospital geht es am 20. März um die psychische Gesundheit.

Im Grunde weiß es jeder, aber im Alltag gerät leicht in Vergessenheit, dass man auf sich selbst achtgeben sollte. Der Begriff "Achtsamkeit" ist tatsächlich ein Modewort geworden, beschreibt aber ziemlich gut das, was Dr. Gerd Gromann, dem Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, und seinen Kolleginnen wichtig ist: zu vermitteln, dass man auch selbst etwas tun kann, um in seelischer Stabilität zu bleiben. Wertvolle Tipps und Anregungen dazu möchten Gromann, Oberärztin Hanna Ruth und Psychologin Barbara Purschke-Heinz RP-Lesern bei dem Abend "Die Gesundheitsexperten" geben. Jeder, der sich um seine eigene oder die Psyche eines Angehörigen sorgt oder einfach aber Interesse am Thema hat, ist eingeladen, am Dienstag, 20. März, um 19 Uhr ins "Freizeitatelier" des Kalkarer St.-Nikolaus-Hospitals zu kommen. Der Eintritt ist frei, eine Voranmeldung ist nicht erforderlich.

Es ist wie bei körperlichen Befindlichkeiten: Zwischen ganz gesund und schwer krank liegt eine breite Spanne von Zuständen. Ob ein psychischer Defekt latent vorhanden, für den Betroffenen belastend oder gar für seine Umgebung schwierig ist, das hängt von der Intensität der Erkrankung und von ihrer Art ab. Klar ist, dass Psychiater und Psychotherapeuten für jeden Akutfall zuständig sind und stationär aufnehmen, wen ihnen ein Haus- oder Facharzt überweist. "Das können Suizidversuche, Zustände nach schwerem Alkoholmissbrauch, Psychosen oder Angststörungen sein", erklärt Dr. Gromann. Auch Schizophrenie, Demenz, Zwänge und Neurosen, verschiedene Suchtkrankheiten und chronische Schmerzen werden in seiner Klinik behandelt. "Wir nehmen 1100 bis 1200 Patienten pro Jahr auf, 2000 Patienten pro Quartal kommen außerdem in die Institutsambulanz", berichtet der Mediziner. Die allermeisten Menschen kämen freiwillig, weil ihnen ein niedergelassener Arzt vielleicht nicht genügend helfen kann.

"Wenn wir einen Erfolg haben wollen, müssen die Patienten immer mitmachen", erklärt Dr. Gromann. Gespräche und Therapien, oft eine ergänzende Medikation, werden im Durchschnitt einige Wochen angewendet, bis sich der Patienten genügend stabilisiert hat, um wieder nach Hause zu können. Meist schließt sich dann die Behandlung bei einem niedergelassenen Arzt an, denn so einfach "weg" wie ein entzündeter Blinddarm nach der Operation sind psychische Störungen meist nicht.

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Damit eine schwierige Lebenssituation möglichst nicht zu einer behandlungsbedürftigen Störung wird, können Gefährdete einiges tun. "Erst einmal muss ich lernen, meinen Gesundheitszustand überhaupt wahrzunehmen", sagt Psychologin Barbara Purschke-Heinz. Danach müssen Möglichkeiten gefunden werden, den psychischen Zustand zu verbessern. Der Vortragsabend in Kalkar will sich insbesondere mit Ängsten und Depressionen befassen. Auf kurze Einführungsreferate der Mediziner folgt eine Fragestunde.

Sich überfordert fühlen, den (vermeintlichen) Ansprüchen der Umwelt nicht gerecht zu werden - das sind Situationen, die fast jeder kennt. "Einer meiner Ratschläge ist, sich dann zu fragen: ,muss' ich das wirklich alles tun, ist es nötig, allen Bitten anderer immer zu entsprechen?", fragt Hanna Ruth. Während Frauen sich oft zwischen Beruf, Kindererziehung und der Pflege betagter Angehöriger aufrieben, gebe es viele Männer, die bei eher praktischen Hilfen wie dem Hausbau der Kinder oder bei der Übernahme von Ämtern in Vereinen nicht Nein sagen könnten. "Mein Tipp ist, sich in einem Bereich zu engagieren, wo ich eine Chance habe, wirklich etwas zu erreichen", sagt Gromann. Dann kommt zur Mühe zumindest kein Frust hinzu.

"Den Kopf frei machen, nach der Anspannung entspannen - das kann man lernen", sagt die Psychologin. Der Fachbegriff dafür, seine eigene Widerstandsfähigkeit zu stärken und aktiv etwas fürs persönliche Wohlbefinden zu tun, nennt sich "Resilienz". Alle drei Fachleute blicken kritisch auf die heute übliche ständige Erreichbarkeit übers Handy und ermutigen zur zeitweisen Abgrenzung. Weil auch die Psyche Erholung braucht.

(RP)