Kleve: Warum heißt der Asternweg eigentlich noch

Kleve : Warum heißt der Asternweg eigentlich noch

Überall trägt die Straße schon ihren neuen Namen, der nicht geschichtlich belastet ist. Nur auf dem Straßenschild ist noch alles beim Alten.

Der Rat der Stadt Kleve hat am 28. Juni vergangenes Jahr beschlossen, die Diemstraße in Asternweg umzubenennen. So heißt sie auch in allen Mitteilungen der Stadt, so heißt sie im Abfallplan der Umweltbetriebe. Aber das typisch blaue Klever Straßenschild an der Ecke zur Blumenstraße kündet immer noch, dass hier die "Diemstraße" ist.

Lange Jahre hatte man in Kleve darüber diskutiert, den Straßennamen des Sportfunktionärs Carl Diem im Klever "Blumenviertel" endlich umzubenennen, nachdem die Vergangenheit Diems im Dritten Reich thematisiert worden war. Jemandem, der noch wenige Wochen vor Kriegsende, am 18. März 1945, die Hitlerjugend in einer flammenden Rede zu einem "finalen Opfergang für den Führer" aufrief und in den sicheren Tod schickte, sollte nicht durch eine Straße in Kleve gewürdigt werden. Egal, wie seine Verdienste um den Sport in der noch jungen Bundesrepublik gewesen sein sollten, so der Tenor in der Politik.

Erstmals sei das Thema 2010 in einem Ausschuss diskutiert worden, erinnert sich Willi Plätz, der an der einstigen Diemstraße wohnt und sich gegen die Namensänderung wehrte. Es habe damals in diesem Ausschuss einen einmütiger Tenor für eine Namensänderung gegeben, so der Anwohner. Den neuen Namen beschloss dann der Rat im besagten Juni 2017. "Mit dem Datum vom 28. August 2017 hat man mich darüber informiert. Es ist der Stadt jedoch bis heute nicht gelungen, das alte Straßenschild durch ein neues zu ersetzen", schreibt Plätz jetzt.

"Das verwundert mich. Ich war davon ausgegangen, dass das sofort geändert wird, weil wir auch ausführlich darüber im Rat diskutiert haben", sagt Michael Bay, der sich für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen für die Änderung des Straßennamens eingesetzt hat. Das sei im Grunde sogar sehr ärgerlich, da in der Diskussion recht deutlich geworden sei, dass "Diem" als Straßenname aufgrund dessen Nazi-Vergangenheit untragbar sei. Er gehe davon aus, dass das Schild unverzüglich geändert werden müsse, sagt der Grünen-Politiker.

Das soll auch geschehen, sagt Stadtsprecher Jörg Boltersdorf. Denn tatsächlich hat die Stadt den Namen in der "virtuellen" Welt überall geändert. "Im GeoPortal für NRW trägt die Straße den richtigen Namen, in den Amtsblättern und natürlich bei den Umweltbetrieben. Das Schild ist wohl schlicht vergessen worden", sagt Boltersdorf. Doch auch in der "wirklichen" Welt soll die Straße bald den richtigen Namen tragen, versichert der Stadtsprecher. Der Auftrag werde jetzt sofort vergeben und das Schild vielleicht schon in der übernächsten Woche aufgestellt.

(mgr)
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