Kleve: Warum der Reichswald wie ein Schachbrett aussieht

Kleve : Warum der Reichswald wie ein Schachbrett aussieht

Wer zwischen Goch und Kleve schon einmal durch den Reichswald spaziert oder geradelt ist, dem dürfte aufgefallen sein, dass die Wege überwiegend gerade verlaufen und die Kreuzungen meistens rechte Winkel bilden. Der Grund für diese Einteilung liegt in der Geschichte des Reichswaldes.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stand der Reichswald unter preußischer Verwaltung. In dieser Zeit wurde der Reichswald neu geordnet und die Wege im Schachbrettmuster angelegt. Das hatte zum einen landschaftsgestalterische Gründe, zum anderen sollte die Orientierung der Besucher erleichtert werden. Der Reichswald erstreckt sich heute über 5100 Hektar und ist das größte zusammenhängende Waldgebiet am Niederrhein. "Historisch gesehen ist die Einteilung des Waldes in viele kleinere Flächen, die durch Wege begrenzt werden also eine gute Idee und eine Hilfe für die Besucher", sagt Joachim Böhmer vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Der Landesbetrieb bewirtschaftet den Reichswald.

Geometrische Einteilung hilft im Brandfall

Auch Mitte des 20. Jahrhunderts gab es einen weiteren guten Grund für eine Einteilung des Waldes in sogenannte "Jagen". Als "Jagen" werden die einzelnen Abschnitte bezeichnet, die durch die Wege begrenzt werden. Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es eine erhöhte Waldbrandgefahr im Reichswald. Durch die "Schlacht im Reichswald" waren große Teile des Waldes zerstört worden. Die neue Bepflanzung bestand aus Kiefern, die in trockenen Zeiten schneller Feuer fangen als Laubbäume. Durch die geometrische Anordnung und klare Kennzeichnungen der einzelnen Abschnitte konnte die Feuerwehr schneller die Glutnester finden.

Diese Situation hat sich laut Joachim Böhmer jedoch geändert. "Es gibt mittlerweile einen größeren Bestand an Laubbäumen und auch die Feuerwehr ist mittlerweile wesentlich besser ausgestattet und kann Waldbränden anders begegnen", erklärt der Mitarbeiter des Landesbetriebs Wald und Holz.

Vom Schachbrett zum Wildwuchs

Der Reichswald wird schon in den nächsten Jahren seine strengen geometrischen Formen immer mehr verlieren. "Vor allem das Rotwild, das im Reichswald vorzufinden ist, braucht Rückzugsräume", sagt Joachim Böhmer. Außer in einigen geschützten Bereichen des Reichswaldes, können Spaziergänger, Radfahrer und Hundehalter auch abseits der Wege laufen. Geht man davon aus, dass die Besucher in der Regel bis zu 40 Meter abseits der Wege laufen, bleibt auf den Abschnitten des Waldes nur wenig Platz für Rehe öder Vögel wie den Specht. In den kommenden Jahren sollen im Reichswald der Uhu und der Schwarzstorch heimisch werden.

Bereits jetzt sind im Bereich des Naturschutzgebietes Geldenberg Wege zurückgebaut worden oder werden nicht mehr für Besucher ausgewiesen. Laut Joachim Böhmer müssen Besucher des Reichswaldes jedoch nicht um ihre Orientierung fürchten, da immer noch genug Schilder, Pläne und Begrenzungssteine vorhanden sein werden.

(ac)
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