1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Vor dem Landgericht wurde ein 36-jähriger Niederländer zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt

Verfahren vor dem Landgericht : Eine Frau vorsätzlich angefahren

Vor dem Landgericht wurde ein 36-jähriger Niederländer zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Strafverschärfend war unter anderem, dass die Tatausführung so gefährlich gewesen war, dass ein tödlicher Ausgang nicht auszuschließen war.

Körperverletzung in Tateinheit mit gefährlichem Eingriff in den Straßenverkehr, tateinheitlich mit gefährlicher Körperverletzung. So lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft gegen einen 36-jährigen Niederländer, der nun vom Schwurgericht in der Schwanenburg Kleve zu einer Haftstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt wurde.

Der gebürtige Venloer, von Beruf LKW-Fahrer, war am 14. August 2018 in Kranenburg zunächst in ein verbales Streitgespräch mit der Geschädigten, einer 47-jährigen Bekannten des Angeklagten, geraten. In der Folge schlug er mehrfach zu und stieß die Frau zweimal zu Boden. Nachdem zwei Zeugen das Geschehen zunächst beruhigen konnten, stieg der Beschuldigte in sein abgestelltes Fahrzeug, woraufhin sich die Geschädigte noch einmal umdrehte und auf das Auto zuging. Der Angeklagte fuhr jedoch zügig an, rammte die Frau und transportierte sie mehrere Meter mit, ehe sie seitlich zu Boden fiel. Dabei zog sie sich Prellungen und Schürfwunden zu. Bei ihrer Befragung offenbarte die Nebenklägerin zudem, im Moment des Aufpralls von Todesangst erfüllt und anschließend noch lange von Kopfschmerzen und schlaflosen Nächten betroffen gewesen zu sein.

Am Schauplatz dokumentierten drei Überwachungskameras die Handlung bestens. Im Zuge der Beweisaufnahme wurde dieses Videomaterial gesichtet. Schriftlich räumte der 36-jährige alle Tatvorwürfe ein, bestritt jedoch eine Tötungsabsicht, die der Staatsanwalt ebenfalls zur Diskussion gestellt hatte. „Ich weiß, dass das nicht richtig war und wollte eigentlich nur weg. Dann kam ich endlich weg und sie springt mir vor das Auto. Ich hatte keine Absicht, ihr etwas anzutun“, ließ der Angeklagte über seinen Anwalt verlauten.

So klar wie der Tatvorgang festgehalten war, so unklar blieben die Beweggründe beider Parteien. Ein eindeutiger Auslöser für den Streit ließ sich nicht definieren. Der Beschuldigte gab an, die Geschädigte habe ihn und seine Verlobte auseinanderbringen und eine Beziehung zu ihm aufbauen wollen.

Hinzu käme eine Steuergeschichte, wo er vermute, die Geschädigte sei von einer Anzeige seinerseits ausgegangen. Von beidem will diese allerdings nichts wissen. Sie sagte aus, nicht einmal gewusst zu haben, dass der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt am Tatort sein würde. Fünf weitere Zeugen, von denen einer extra aus Polen angereist war, lieferten keine neuen Erkenntnisse. Am eindeutigsten blieben die Überwachungskamera-Aufnahmen.

Der Staatsanwalt plädierte schließlich für ein mildes Strafmaß. Zwei Jahre auf Bewährung, 75 Tagessätze und 2500 Euro Spende an eine gemeinnützige Organisation, plus vorläufiger Führerscheinentzug sowie ein angemessenes Schmerzensgeld waren seine Forderung. Damit war auch die Verteidigung weitestgehend einverstanden.

Die Anwältin der Nebenklage hingegen bestand in ihrem Plädoyer auf einen Tötungsvorsatz seitens des Beschuldigten und forderte ein entsprechendes Strafmaß inklusive 5000 Euro Schmerzensgeld.

Sein Urteil begründete der vorsitzende Richter Gerhard van Gemmeren schließlich so: „Der Angeklagte ist vorsätzlich auf Sie zugefahren. Das bewusste Herbeiführen eines Verkehrsunfalls ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr, der eine Haftstrafe von ein bis zehn Jahren vorsieht.“

Strafverschärfend sei unter anderem, dass die Tatausführung so gefährlich gewesen sei, dass ein tödlicher Ausgang nicht auszuschließen war.