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Vor dem Klever Landegericht muss sich ein 41-Jähriger wegen schweren sexuellen Missbrauch verantworten.

Gericht : Gutachter nicht eingeladen – Verhandlung wurde vertagt

Vor dem Klever Landgericht muss sich ein 41-jähriger Versicherungskaufmann wegen schweren sexuellen Missbrauch an einem elfjährigen Kind verantworten. Die Verhandlung musste vertagt werden.

Planungsfehler am Landgericht: Hier musste sich ein 41-jähriger Versicherungskaufmann aus Kleve wegen schweren sexuellen Missbrauchs an einem elfjährigen Kind verantworten. Zu einem Schuldspruch kam es jedoch nicht. Nach zwei Stunden wurde die Verhandlung vertagt. Grund war, dass man vergessen hatte, die psychologische Gutachterin einzuladen.

Der Tatvorwurf der Staatsanwaltschaft lautet Nötigung in 16 Fällen, sexueller Missbrauch in 13, davon zwei in besonders schwerer Form sowie der Besitz von kinderpornografischem Material in einem Fall. Von September 2018 bis April 2019 soll der Angeklagte als Nachhilfelehrer des Kindes mehrfach sexuelle Handlungen und wiederum deren Duldung erzwungen haben. So habe er beispielsweise gedroht, dem Stiefvater des Opfers Unwahrheiten über schlechte Leistungen im Nachhilfeunterricht zu erzählen, sollte er sich nicht vor ihm entblößen. Bei den zwei schweren Fällen, die dem 41-Jährigen vorgeworfen werden, handelt es sich um das Eindringen in den Körper des Kindes. Der Verteidiger regte ein Rechtsgespräch an. Dabei stützte er sich auf das seiner Meinung nach nicht überzeugende Gutachten. Es „widerstrebe in Teilen jeder wissenschaftlichen Grundlage“ und würde, vor allem mit Blick auf den Tatvorwurf des schweren sexuellen Missbrauchs, einige Aspekte „zielorientiert umschiffen“, so der Jurist. Die Staatsanwältin war ebenfalls nicht „gänzlich glücklich“ mit dem Gutachten, hatte in Sachen Glaubwürdigkeit des Opfers jedoch keine Bedenken.

Der Vorschlag, eine Bewährungsstrafe mit Kontaktbeschränkungen gegenüber Kindern auszusprechen, bei geständiger Aussage über die einfachen Missbrauchsfälle sowie den Besitz der Kinderpornografie, wurde abgelehnt. Dieser Vorschlag stützte sich in erster Linie auf die Idee, dass man dem mittlerweile 13-jährigen Geschädigten so eine detaillierte Befragung hätte ersparen können. Der Vertreter der Nebenklage stellte klar, dass der 13-Jährige durchaus aussagen wolle.

Die Staatsanwaltschaft forderte ein Strafmaß von mindestens drei Jahren Haft, ein Geständnis der schweren Fälle vorausgesetzt. Die Gutachterin wird jetzt gehört. Ein neuer Termin ist noch nicht anberaumt.