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Kleve: Vor 30 Jahren drohte die letzte Rheinvereisung

Kleve : Vor 30 Jahren drohte die letzte Rheinvereisung

Wer selber mit eigenen Augen erlebt haben will, welches Bild der Rhein hierzulande in zugefrorenem Zustand abgibt, der muss – wie man im Kleverland zu sagen pflegt – bereits "den Abraham gesehen" haben, also mindestens 50 Jahre alt sein. Anders als in unserem Bereich schlägt der Rhein anderswo öfter derartige Kapriolen. So staute sich noch 2012 an weitaus schmalerer Stelle, nämlich unterhalb der Loreley, wochenlang und turmhoch das Rheineis, so dass Wagemutige zu Fuß von der einen zur anderen Seite des Stroms wandern konnten.

Wer selber mit eigenen Augen erlebt haben will, welches Bild der Rhein hierzulande in zugefrorenem Zustand abgibt, der muss — wie man im Kleverland zu sagen pflegt — bereits "den Abraham gesehen" haben, also mindestens 50 Jahre alt sein. Anders als in unserem Bereich schlägt der Rhein anderswo öfter derartige Kapriolen. So staute sich noch 2012 an weitaus schmalerer Stelle, nämlich unterhalb der Loreley, wochenlang und turmhoch das Rheineis, so dass Wagemutige zu Fuß von der einen zur anderen Seite des Stroms wandern konnten.

Dennoch ist nicht ausgeschlossen, dass sich dieses Schauspiel auch bei uns irgendwann wiederholt — so meint zumindest Hans Walter Nebelung in Nütterden, der in seinen Berufsjahren als Diplomingenieur mit den Deichgräfen auch den Wasserzustand des Rheins zwischen Wesel und Grenze im Blick zu halten hatte. Vor etwa drei Jahrzehnten drohte erneut mehrere Wochen lang die Gefahr einer Rheinvereisung. Bei einer Wassertemperatur von minus zehn Grad hätten sich Eiskristalle gebildet. Um deren Zusammenklumpen zu verhindern, habe man Kraftwerke gebeten, ihr warmes Kühlwasser voll in den Rhein zu leiten. Diese Abwärme lässt die Wassertemperatur um etliche Grad steigen. Nicht Industrieschmutz (der Rhein ist heute sauberer als vor einem halben Jahrhundert) oder die so oft zitierte Klimaerwärmung, sondern diese Warmwasserzufuhr ist die Hauptursache dafür, dass der Rhein offen bleibt.

Das soll er auch, schon aus wirtschaftlichen Gründen. Denn die Schifffahrt muss hohe Verluste befürchten, falls sie durch Eisgang zum Erliegen kommt. Auch stärkere Eisbrecher würden gegebenenfalls zur Stelle sein, um diese wichtige Wasserstraße frei zu halten.

Eisprobleme gibt es vorrangig, wenn ein Fluss bei starker Kälte Niedrigwasser führt. Wo ein Strom zum Stehen kommt, ist weiter oberhalb mit Überflutungen zu rechnen. Früher war man machtloser gegen das Zufrieren des Rheins, was allerdings weitaus seltener sich einstellt als ein Hochwasser, das man alle paar Jahre erleben kann. 1929 war der Rhein fast in seiner ganzen Länge zugefroren. Damals war auch die Erde so hart und tief gefroren, dass die nur mit Spaten und Picke ausgerüsteten Totengräber kaum ein Grab ausheben konnten.

Hans Walter Nebelung besitzt noch Aufnahmen des vereisten Rheins aus dem Jahr 1920. Geschichtsquellen erwähnen schon den starken Eisgang von 1783/84. Wohl jeder Niederrheiner weiß um das Schicksalsjahr 1809. Eisgang und Hochwasser waren im Januar so heftig, dass die Menschen sich auf höher gelegene Höfe retten mussten. Die 17-jährige Johanna Sebus brachte ihre Mutter in Sicherheit. Beim Versuch, noch ihre Nachbarn zu holen, kam sie selber in den Fluten um. Der damals auch am Niederrehin herrschende Kaiser Napoleon setzte dem in Rindern bestatteten Heldenmädchen ein Denkmal, und J. W. von Goethe widmete ihm eine große Ballade, die von C. Zelter vertont wurde.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Vor 50 Jahren: Der Rhein ist zugefroren