Kleve: Vom Flüchtling zum Ingenieur in Kleve

Kleve : Vom Flüchtling zum Ingenieur in Kleve

Zwei Iraner haben beim Planungsbüro Fischer Jobs gefunden. Die Firmeninhaber sind äußerst zufrieden mit ihren neuen Mitarbeitern. Sie würden ihre positiven Erfahrungen gerne mit anderen Chefs aus der Region teilen.

Dieser Sommerurlaub hatte Folgen. Im Juli 2016 flog Familie Fischer aus Kleve nach Kos. Auf dem Rückweg zu ihrem Hotel trafen sie abends auf Hunderte völlig durchnässte Menschen, die über die Straße liefen. Wie Petra und Michael Fischer erfuhren, handelte es sich um Syrer und Iraner, die so eben mit einem Flüchtlingsboot auf der griechischen Insel angekommen waren. Die beiden Klever überlegte nicht lange, sie halfen sofort. "Wir haben die Menschen mit unseren Autos zu Unterkünften gebracht, sind die ganze Nacht hin und her gefahren", sagt Michael Fischer. Dieses Erlebnis hat das Unternehmerpaar nachdenklich gemacht. "Das hat uns unheimlich bewegt", sagt Petra Fischer.

Dann ging es wieder zurück in den beruflichen Alltag nach Kleve. Die Fischers betreiben das gleichnamige Planungsbüro für Gebäudetechnik an der Benzstraße. Und sie sind auf der Suche nach Mitarbeitern. Als dann das Berufsbildungszentrum Theodor-Brauer-Haus anrief, dass ein Praktikumsplatz für einen Iraner gesucht wird, sahen die Fischers wieder eine Chance zu helfen. Sie sagten zu.

Bei dem Iraner handelt es sich um Saeed Mirhosseini. Der heute 40-Jährige ist aus seiner Heimat geflohen, weil ihm dort als Christ die Todesstrafe gedroht hätte. Der studierte Maschinenbauingenieur machte seine Sache während des Praktikums beim Planungsbüro Fischer so gut, dass Petra und Michael Fischer ihm zunächst eine Verlängerung des Praktikums um drei Monate und dann eine Festanstellung anboten. Es folgte ein Behördenmarathon, bis Mirhosseini seinen Aufenthaltstitel erhielt und somit in Deutschland arbeiten durfte. "Für uns war es nicht wichtig, dass sein Studium hier anerkannt wird. Papier ist geduldig. Wir konnten ja tagtäglich sehen, was Saeed kann, und das ist eine Menge", sagt Petra Fischer. Die größte Hürde war anfänglich die deutsche Sprache. Aber mit der Zeit sprach Mirhosseini immer besser deutsch. Inzwischen zählt der Iraner fest zum 17-köpfigen Team des Klever Planungsbüros, die Verständigung mit den Kollegen funktioniert gut.

Mirhosseini hat dem Klever Unternehmen inzwischen einen Landsmann vermittelt. Pourja Mohammadi Sayad (20) macht bei Fischer eine Ausbildung zum Systemplaner für Heizung- und Klimatechnik. Auch er fühlt sich bestens integriert, nicht nur in der Firma, sondern auch in der Schwanenstadt. "Kleve ist für mich zu einer echten Heimat geworden", sag Sayad. Dafür ist er sehr dankbar. Genau wie Saeed Mirhosseini, der sich ehrenamtlich bei der Klever Tafel engagiert. "Ich möchte den Menschen hier etwas zurückgeben", sagt er. An ihren Geburtstagen kochen die beiden Iraner dem Team vom Planungsbüro Fischer persische Speisen. Auch zum persischen Neujahrsfest wird angestoßen. "Das ist für uns hier eine echte kulturelle Bereicherung", sagt Michael Fischer.

Er würde sich freuen, wenn sich andere Unternehmer ebenfalls offen dafür zeigten, Menschen aus anderen Kulturen zu beschäftigen. "Wer dazu Fragen hat, darf gerne hier vorbeikommen und mit mir, meiner Frau oder meinen Mitarbeitern sprechen", betont er. "Wenn man erstmal seine Hemmschwellen abgebaut hat, ist Integration ganz einfach. Hier funktioniert sie jedenfalls bestens", sagt der Firmeninhaber.

(RP)
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