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Kleve: Volksbank lässt Platz für "Netelenhorst"

Kleve : Volksbank lässt Platz für "Netelenhorst"

Sowohl der alte Wehrturm "Netelenhorst" als auch die historischen Stadtmauern in der Klever Unterstadt sollen erhalten bleiben. Volksbank-Chef Frank Ruffing präsentiert ein Modell seines Bank-Neubaus vor historischer Kulisse.

Denkmäler stehen einer Stadt gut zu Gesicht. Die meisten Denkmäler aber sind im Boden versteckt, und die im Boden sieht man nicht. Das soll sich ändern. Denn das, was jüngst aus Kleves Tiefen "empor" geholt wurde, ist etwas Besonderes. "Das haben andere Städte so nicht", sagt Martin Vollmer-König vom Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, Landschaftsverband Rheinland (LVR).

 Frank Ruffing zeigt, wie die Volksbank am Wasser steht.
Frank Ruffing zeigt, wie die Volksbank am Wasser steht. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Vollmer-König hat dabei den "Netelenhost", jenen alten Stadtturm auf dem Minoritenplatz, und die doppelte Stadtmaueranlage im Blick. Das hat auch die Stadt verstanden: Sie wird bald um zwei bedeutende Denkmäler reicher sein. Das wurde im Verlauf der jüngsten Zukunftswerkstatt der Rheinischen Post und der Volksbank Kleverland deutlich (RP berichtete). Sowohl der jüngst entdeckte alte Wehrturm als auch die beiden historischen Stadtmauern in der Klever Unterstadt sollen oberirdisch als Denkmal erkennbar sein.

Martin Vollmer-König hält die Funde für archäologisch bedeutend für die Klever Stadtgeschichte. "Das ist eine hochkarätige Ecke, die bebauungsfrei gehalten werden sollte", sagt er. Insbesondere die doppelte Stadtmauer sei etwas ganz, Seltenes. Deshalb sollten Turm und Stadtmauern nicht nur erhalten, sondern unbedingt auch sichtbar gemacht werden.

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"Wir wollen diese erhaltenswerten Denkmäler schützen", sagt auch Frank Ruffing. Der Vorstandsvorsitzende der Volksbank Kleverland präsentierte ein Modell des neuen Volksbank-Gebäudes, das das zeigen soll. "Der Wehrturm kostet uns in der Tiefgarage zwar zwei bis drei Stellplätze, aber das ist es wert."

Tatsächlich hält die Bank oberirdisch deutlich Abstand zu dem Turm, dessen Halbrund künftig teil der City werden soll. Doch auch die beiden Mauern, die tief unten in der Erde liegen, sollen künftig klar erkennbar sein. Und das nicht nur als Linien im Pflaster. "Man sollte solche Denkmäler direkt verstehen, ohne ein Schild lesen zu müssen", sagt Vollmer-König. Deshalb solle die Mauer in Teilen auch dreidimensional, also aufgemauert, sichtbar werden. Im Modell werden diese Aufmauerungen beispielsweise als Sitzbänke genutzt.

Das Modell der Volksbank zeigt, dass die Bank von den Stadtplanern so in Richtung Wasser gesetzt wurde, dass sie vor den Mauern liegt. Mit der Schmalseite zur Stadt stehend, schmiegt sich der Neubau zwischen diesen alten Stadtmauern und dem Kanal. Dabei ist der Bankbau schmal genug, um sowohl das Doppelwerk der Wehranlage am Turm frei zu lassen, als auch genügend Raum zwischen Wasser und Bank zu erhalten. Man wird dort am Kanal entlang flanieren können, eine Treppenanlage führt zum Wasser, wie das Modell zeigt.

Zurzeit wartet die Volksbank auf den Startschuss durch die Stadt Kleve. Dass der Bau dieses Jahr beginnen soll, ist sicher. "Wir sind glücklich, dass wir mit diesem Neubau nicht nur die Interessen der Denkmalpflege, sondern auch die unserer Volksbank-Kunden zufriedenstellen können", sagt Ruffing. Man sehe am Modell, dass die Bank kein 08/15-Bau ist, der dem Standort auch nicht gerecht würde, sondern eine Bereicherung für die Stadt darstelle, sagt Ruffing.

Auf der anderen Seite des Turms aber, betont Vollmer-König, müssen vor allem die künftigen Bauten auf dem Minoritenplatz Turm und Wehranlage genügend Raum lassen — auch in den oberen Etagen.

(RP)