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Kleve: Visionen – nicht Wirklichkeit

Kleve : Visionen – nicht Wirklichkeit

Werke des britischen Künstlers David Thorpe im Museum Kurhaus Kleve, das als erstes eine große Einzelausstellung mit dessen Arbeiten in Deutschland zeigt. Einige wurden eigens für Kleve geschaffen und installiert und entführen in eine fremde wie elegante Welt.

Wunderschön schimmern die farbigen Scheiben in dunklen Tönen. Gerade und diagonale Hölzer fassen perfekt das Glas, fügen sich zu einem edlen, ausgesprochen eleganten Paravent. Gedämpft und gesetzt sind die Farben der Scheiben, beginnen mit rot-orangenen Erdtönen, werden dichter, dunkler, irdiger je weiter der Blick auf dem Paravent nach oben wandert. Doch dann, oben, in fast zwei Meter Höhe, ändert sich die Tonlage und der Raumteiler greift mit kühl-kalten Tönen spitz in den Raum. Fast verstellt der Paravent die große Oberlichthalle im Museum, allein durch schmale „Schlitze“ kann der Besucher ins Innere schlüpfen. Nur, um wieder fasziniert vor dunkel schimmernden Scheiben zu stehen, den Weg durch Labyrinth ins Innere weiter zu suchen. Und zu finden: Es bleibt ein Raum, umstellt vom elegant dunklen Glas, birgt er wie in einer Schatzkammer sechs Gedichte, die von Liebe erzählen, von einer eigenen Welt, einem eigenen Universum. Gesetzt in der Schrift-Type des 18. Jahrhunderts, im Klang wie Gedichte dieser Zeit und doch von heute: „The Universe As Mine . . .“ heißt es da.

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Es ist das Universum des britischen Künstlers David Thorpe, der dieses große Werk „A Weak Light Flickering“ (Ein schwaches Licht, das flackert) eigens im Museum Kurhaus Kleve installiert hat. Damit richtet das Kurhaus die erste große Einzelausstellung des 35-jährigen Briten in Deutschland aus und führt die Besucher in eine faszinierende, spannende Welt: Bilder von Landschaften, romantisch schön wie dunkeldräuend, Installationen und Skulpturen ebenso edel-elegant wie bedrohlich, wundersam-fantastische Architekturen irgendwo zwischen J.R.R. Tolkiens Fantasie, Charles Macintoshs Entwürfen und modernen Bau-Utopien, eine Pflanzen- und Blumenwelt die wie von gestern erscheint und doch von übermorgen ist.

Die Ausstellung ist chronologisch geordnet, beginnt 1999 und „endet“ in der neuen Installation für Kleve 2008. Am Beginn stehen die Bilder: Landschaften, Bäume, Häuser. Bilder, die Thorpe mit Papier „malt“. Farbflächen im Scherenschnitt werden geschichtet, dünnes Papier gerissen, teils in Farbe getaucht, es werden Holz und Moos-Stückchen eingebaut, Jeans. Das Haus mit geschwungenem Dach ist so in Holz gemalt wie es in Holz gebaut ist.

An anderer Stelle bilden zwei Schieferplatten eine Schlucht, die Gipfel im Hintergrund fügen sich aus einer Papier und Farbmasse. Wie ein Riegel liegt dazwischen aus Glasscheiben und Hölzern gefügt ein Gebäude. Nur selten gibt es allerdings Menschen in dieser fernen Welt, die gleichzeitig fremd wie vertraut erschient – klein ist der Mensch immer angesichts der Natur. Edel erscheinen kostbare Glasskultpuren, die doch wie Projektile scharfer Granaten gegossen sind, spitz wie übergroße Kristalle ziehen andere Skulpturen ebenso an wie sie – gefährlich spitz eben – Vorsicht und Abstand gemahnen.

„Für mich ging es beim Erschaffen von Kunst immer darum, eine Schutzzone herzustellen, ein bewohnbares Universum“, sagt Thorpe. Und dieses neue Universum wird dokumentiert wie von Forschern des 17/18. Jahrhunderts. So säumen Bilder von Pflanzen eine große Installation, die so fein gezeichnet und aquarelliert sind, wie jene Pflanzen und Tiere, die damals in Afrika oder Australien entdeckt wurden. Nur dass diese Pflanzen fern jeglicher Realität sind, so echt sie auf den Bildern auch erscheinen, so schön sie wirken. Sie sind visionär, nicht wirklich, wie Dr. Roland Mönig im Katalog schreibt.

Die vom British Council geförderte und vom Georgia Hotel unterstützte Ausstellung wird am Sonntag, 11.30 Uhr, eröffnet. Es sprechen Bürgermeister Theo Brauer und Dr. Roland Mönig. der Katalog liegt vor (Bespr. folgt).

(RP)