1. NRW
  2. Städte
  3. Kleve

Kleve/Goch: Vieles spricht für Hilfe von außen

Kleve/Goch : Vieles spricht für Hilfe von außen

Bereits eine Woche ist das Paar, 27 und 22 Jahre alt, spurlos verschwunden.

Wie konnte das Verbrecherpaar der Polizei entkommen? Obwohl ihre Flucht wie eine Aneinanderreihung von Zufällen und Improvisationen wirkt, verliert sich ihre Spur auch eine Woche danach auf der Hassumer Straße in Goch. "Wir auch immer sie es geschafft haben, einmal sind sie durch das Netz der Polizei geschlüpft", sagt Polizeisprecherin Manuela Schmickler.

Je längerdie beiden untergetaucht bleiben, desto mehr spricht dafür, dass die beiden Hilfe von außen haben. "Die Frage ist, wo sie Unterschlupf gefunden haben. Ohne Nahrung und Hygiene werden sie es normalerweise nicht lange aushalten", sagt Schmickler. Dazu kommt, dass mindestens drogenabhängig ist. Die Fahnder des Kriminalkommissariats 3 haben auch über Pfingsten weiter den Druck auf die Flüchtigen erhöht. Sie werden mit EU-weitem Haftbefehl gesucht, ihre Gesichter und Namen sind durch die Presse über Nordrhein-Westfalen hinaus bekannt. Hinweise kamen aus dem Ruhrgebiet, vom Niederrhein, aus Niedersachsen, Süddeutschland und aus den Niederlanden. "Irgendwann müssen sie aus der Deckung kommen", sagt die Polizeisprecherin. Darüber hinaus versuche man derzeit durch verschiedene Maßnahmen, die aus ermittlungstaktischen Gründen geheim gehalten werden, das Paar zu fangen. "Die Kollegen sind zum Teil seit Jahrzehnten dabei. Die haben mehr Fluchten erlebt, als die Flüchtigen selbst", sagt Schmickler.

Der 27-jährige Straftäter war am Donnerstag vergangener Woche nach einem Arztbesuch von der 22-jährigen Nadia L. mit vorgehaltener Waffe befreit worden. Sie hatten einen 75 Jahre alten Autofahrer aus dessen Auto gezerrt und waren damit entkommen, ehe sie an der Hassumer Straße einen Unfall bauten. Ates sollte in der Forensischen Abteilung einer Klinik in Bedburg-Hau einen Drogen-Entzug machen, um danach eine Haftstrafe von 6,5 Jahren anzutreten.

Mit drei Komplizen hatte er 2012 eine Pfarrerin in deren Wohnung in Mülheim ausgeraubt und mit Waffengewalt festgehalten. Auch die 22-Jährige gehörte zu dem Quartett, stand jedoch laut dem Urteil des Landgerichts Duisburg von 2013 nur Schmiere. Das Paar hatte sich demnach 2012 in Eschweiler bei Aachen kennengelernt. Sie waren seit August 2012 ein Liebespaar, wie ein Gerichtssprecher sagte.

Haben Straftäter Hilfe von außen, kann sich eine Flucht über Wochen und Monate hinziehen. So konnte der 38-jährige Totschläger, der im September vergangenen Jahres aus der LVR-Klinik geflohen war, erst 1,5 Monate später in den Niederlanden gefasst werden. Helfer hatten den Klinikzaun von außen mit einem Bolzenschneider durchtrennt und einen Fluchtwagen gestellt. Ganz anders hingegen verlief die Flucht des 61-Jährigen, der im November 2013 aus dem Fenster des Landgerichts in der Schwanenburg geklettert war. Er konnte nach einer Nacht im Freien an einer Tankstelle in Goch festgenommen werden - die Handschellen am Handgelenk.

(lukra)