Dechant Jürgen Lürwer: "Verzichten, um für anderes frei zu sein"

Dechant Jürgen Lürwer : "Verzichten, um für anderes frei zu sein"

Heute beginnt die Vorbereitung auf das Osterfest: Die 40 Tage beziehen sich auf die Zeit, in der Jesus in der Wüste fastete.

"Am Aschermittwoch ist alles vorbei", heißt es in einem bekannten Karnevalslied. Stimmt das? Im Christentum der Westkirche markiert der heutige Aschermittwoch den Beginn des 40-tägigen Fastens. Darüber sprach Werner Stalder. Mitarbeiter der Rheinischen Post, mit Dechant Jürgen Lürwer, Pfarrer an St. Antonius, Bedburg-Hau und Pfarrverwalter in Bedburg-Hau, St. Peter.

Woher kommt die Bezeichnung Aschermittwoch?

Jürgen Lürwer Das Wort erklärt sich von selbst: An diesem Mittwoch nach den Karnevalstagen geht es um Asche, die sich Menschen in unseren Gottesdiensten am Aschermittwoch in Form des Kreuzes auf die Stirn zeichnen lassen. Die Asche wird gewonnen aus den alten, verbrannten Palmzweigen des Vorjahres. Die Asche steht am Beginn der österlichen Bußzeit für Umkehr und Reinigung - ein äußeres Zeichen, das uns Mut machen soll, in unserem Leben inne zu halten, uns Zeiten des Nachdenkens über unseren Lebenswandel, über Gewohnheiten und Abhängigkeiten zu erlauben.

Was bedeutet die Fastenzeit?

Lürwer Die Fastenzeit ist die Vorbereitungszeit auf Ostern. Das heißt, auf das Fest der Auferstehung Christi, dem sein Leiden und sein Tod vorangehen. Die Dauer der 40 Tage beziehen sich auf 40 Wüstentage Jesu. Wir sind eingeladen, mit ihm den Weg zu gehen, der Leiden, Schmerzen und Tod nicht ausblendet - aber der darin nicht das Ende sieht, sondern um das Leben weiß, das allein Gott im Tod schenken kann.

Haben Sie persönlich einen bestimmten Vorsatz für die Fastenzeit?

Lürwer Fastenzeit ist keine Diät-Zeit, doch eine Einschränkung bei manchen Nahrungsmitteln wollte ich schon umsetzen. Im Stundengebet heißt es einmal: "Nach seinem (d.h. Jesu) Beispiel lasst auch uns das Fasten üben in Geduld, uns Abbruch tun in Speis und Trank, nachsinnen über Gottes Wort." Ich hoffe, dass mir davon etwas gelingt: durch den Verzicht, z.B. von Süßem oder Plätzchen in der Mittagspause, Zeit zu haben für meine Gottesbeziehung, im Lesen oder bei einem Spaziergang.

Was halten Sie vom "Heilfasten"?

Lürwer Heilfasten, das heißt der Verzicht auf feste Nahrung, habe ich vor einigen Jahren selbst kennengelernt und mit einer Gruppe auch hier in der Gemeinde durchgeführt. Ich selbst habe nur gute Erfahrungen mit dem Heilfasten gemacht, es war ein ganz bewusster, auch strenger Start in die Fastenzeit. Die biologische Seite meines Körpers habe ich dadurch intensiver als sonst wahrgenommen. Den Aspekt, auf etwas zu verzichten, um für etwas anderes frei zu sein, etwa mehr Zeit zu haben, konnte ich während der Heilfastentage besonders spüren und nutzen.

Welche Hilfen gibt die Kirche in der Fastenzeit?

Lürwer Unseren Gottesdiensten ist die Feierlichkeit genommen: Bis Ostern wird kein Gloria und kein Halleluja gesungen, das Orgelspiel wird deutlich reduziert und beschränkt sich wesentlich auf das Begleiten der Lieder, der Blumenschmuck ist weg. Es hat also unsere Gotteshäuser eine große Schlichtheit erfasst. Diese Reduzierung auf das Wesentliche, oder das "Fasten für die Augen und Ohren" dürfen unserer Haltung des Besinnens und Nachdenkens eine Stütze sein. In vielen Pfarreien werden in diesen Wochen besondere Gottesdienste, wie Kreuzwegandachten, Taizégebete oder Exerzitien im Alltag angeboten.

(RP)
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