Verein Haus Mifgash feiert an historischem Ort in Kleve

Mifgash : Ein Festival der Begegnung in Kleve

Der Klever Verein Haus Mifgash lädt ein zum 5. Festival an einer historischen Stelle auf dem Platz zwischen Schwanenburg, Marstall und Synagogenplatz ein. Beteiligt sind über 30 Vereine und Initiativen.

. „Mifgashtival“ ist die Verschmelzung des hebräischen Wortes Mifgash (zu Deutsch: Begegnung) und Festival, was sich vom lateinischen  festivus (zu Deutsch: festlich, fröhlich) herleitet. Die Übersetzung von Mifgashtival lautet also: fröhliches Fest der Begegnung. Der Klever Verein Haus Mifgash lädt zu seinem fünften Festival ein. „Nach vier Jahren Meyerhof und einem Jahr Pause, haben wir in diesem Jahr erstmalig als Ort das historische Zentrum zwischen Synagogenplatz, Schwanenburg und Marstall gewählt“, sagt Thomas Ruffmann, stellvertretender Vorsitzender von Haus Mifgash. „Positive und negative Geschichten prägen diesen Ort, wir möchten mehr daraus machen. Begegnung ist der beste Weg gegen jegliche Diskriminierung“, ergänzt Ron Manheim, Vereinsvorsitzender und Mit-Erfinder des Festivals.

Als Termin wurde der 3. Oktober gewählt, ganz bewusst. „Der Tag der Deutschen Einheit soll auch ein Tag der Klever Einheit sein. Wir möchten möglichst viele friedliche, inspirierende Begegnungen zwischen Bürgerinnen und Besuchern der unterschiedlichsten Coleur fördern“, so Manheim. Auch an die Begegnung zwischen Ost- und Westdeutschen sei dabei gedacht. Die Vorbereitungen laufen derzeit intensiv.

Über 30 Vereine und Initiativen haben bereits ihre Beteiligung mit Präsentationen und Mitmach-Aktionen zugesagt. Zwischen 14 Uhr und 22 Uhr gibt es rund um die Schwanenburg, wo sonst viele Autos parken, eine Vielzahl von Ständen. „Es gibt zum Beispiel kurdisches Essen von den Aleviten. Auch alle politischen Fraktionen des Klever Rates machen mit, und die Nabu lässt malen mit Naturfarben“, berichtet Christoph Frauenlob vom Organisationsteam. Er hält bereits einen bunten Plan mit Orten und Uhrzeiten der Aktionen in Händen, jedoch ist hier noch viel Bewegung möglich. „Jeder, der sich noch einbringen möchte, ist willkommen“, sagt er.

Angekündigt haben sich die Amnesty International-Gruppe der Hochschule Rhein-Waal, das Kolpinghaus, der Frauenchor, der Schachclub, die Moscheegemeinde, Vertreter vieler weiterer Religionen, Unicef, Flüchtlingsrat, Herzenswunsch und der Kreissportbund. Die Liste ist lang.

Die Themen des Festivals, Vielfalt, Neugier, Respekt, Austausch, Frieden und Einheit, sollen alle ansprechen. Denn ein friedliches soziales Miteinander ist, so die Initiatoren, erste Basis, das zu verhindern, was an diesem Ort, wo einmal ein jüdisches Gotteshaus stand, geschehen ist: die Diskriminierung, Verfolgung und Ermordung von Menschen wegen ihrer Religion.

Zu einem Festival gehört auch Musik, diese wird reichlich geboten. KLEFOR, das internationale Hausorchester von Haus Mifgash wird den Reigen eröffnen. Es folgen Klezmore und der Chor By Heart. Bal Folk lädt ein zum Mitmachen, und die Youngsters vom Kalle tanzen HipHop. Punk und Pop gibt es von der niederländischen Band „Paracetamol“. Die Kölner Band „Einklang“ verbindet Deutsch-Pop mit Reggae, Jazz, Folk und Klassik. Musikalischer Top-Act wird um 20 Uhr ein Live-Konzert des niederländischen „Rchestra“ sein. Es wurde ursprünglich mit Flüchtlingen gegründet durch den Nimweger Geiger Johnny Rahaket. Die Musiker werden die schönsten Melodien der verschiedenen Weltreligionen darbieten. Ideen zu einem ganz besonderen Wunsch-Projekt von Haus Mifgash präsentiert das Klever Architekturbüro Hülsmann Thieme Minor (HTM). Der Verein möchte gerne ein Haus bauen an der historischen Reitbahn am Hang der Burg und am Synagogenplatz. Vor der Zerstörung durch die Nazis gab es neben der Synagoge auch ein Gasthaus und eine jüdische Schule. Die Architekten von HTM haben - für Haus Mifgash  kostenlos - detaillierte Entwürfe gemacht, die Friedhelm Hülsmann bei der Pressekonferenz zum Festival präsentierte.

Am Festivaltag wird er sie ebenfalls an einem Stand zeigen. „Der Boden am Burghang enthält viel Schutt, man kann dort keine schweren Häuser bauen. Unser Entwurf sieht drei Baukörper in Leichtbauweise vor, die verschieden nutzbar sein können“, so Hülsmann.

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