Urteil am Landgericht gesprochen: 41-jähriger Pole muss ins Gefängnis

Prozess : Messerstecherei: 33 Monate Haft für Leiharbeiter

41-jähriger Pole wegen versuchten Totschlags in Kleve verurteilt.

Ein Streit zwischen zwei polnischen Leiharbeitern hätte im Februar beinahe tödlich geendet. In ihrer Unterkunft – einer Leiharbeiterwohnung an der Großen Straße in Kranenburg – waren die beiden in den Niederlanden beschäftigten Fleischer am Nachmittag aneinandergeraten. Ein Konflikt, der damit endete, dass der 39-jährige Geschädigte zwei lebensbedrohliche Messerstiche in den Bauch erlitt. Durch eine Notoperation konnte er in Nimwegen gerettet werden. Der Täter, ein 41-jähriger Pole, musste sich seit Mitte August vor dem Klever Landgericht verantworten (wir berichteten). Am Mittwoch sprach die Schwurgerichtskammer das Urteil: zwei Jahre und neun Monate Freiheitsstrafe – wegen versuchten Totschlags in einem minderschweren Fall sowie gefährlicher Körperverletzung. Da es zuvor Provokationen gegeben hatte, ging die Kammer von einem minderschweren Fall aus. Zu einer Notwehr habe die Entstehungsgeschichte der beinahe tödlichen Messerstiche jedoch nicht gereicht. Die Staatsanwaltschaft hatte drei Jahre und neun Monate beantragt.

Der Angeklagte selbst hatte zuvor eine andere Version des Vorfalls geschildert, als der verletzte Leiharbeiter: Der spätere Geschädigte und eine weitere Person seien in sein Zimmer gekommen, hätten ihn bedroht, unter anderem mit einem seiner Fleischermesser, hatte der Angeklagte erklärt. Dann sei plötzlich das Licht ausgegangen, und er habe die Gelegenheit genutzt, um sich selbst mit zwei Messern zu bewaffnen. Auf dem Bett liegend, sei er von dem 39-jährigen Mitbewohner hochgerissen worden – welcher sich dadurch selbst aufgespießt habe. Die Verteidigung beantragte daher Freispruch beziehungsweise eine milde Strafe.

Der Geschädigte hatte im Zeugenstand geschildert, dass er alleine in das Zimmer des Angeklagten gegangen sei. Anlass: Er habe ihn wegen einer verdreckten Toilette zur Rede stellen wollen. Der 41-jährige Mitbewohner habe sich im Rahmen einer Auseinandersetzung  die beiden Tatwerkzeuge geschnappt und ihm mit einer Aufwärtsbewegung in den Bauch gestochen. Die vom Angeklagten benannte, angebliche dritte Person im Zimmer – ein Pole aus einem benachbarten Leiharbeiterhaus – konnte für die Zeugenvernehmung vor Gericht nicht ausfindig gemacht werden. In einer polizeilichen Vernehmung hatte er  erklärt, erst unmittelbar nach den Stichen hinzugestoßen zu sein. „Aus der Wunde lief Blut, als würde man eine Tasse ausschütten“, so die Schilderung. Er habe die Zimmertür des Angeklagten zugehalten, während sich der Verletzte in eine andere Etage schleppte. „Ich glaube, er wollte ihn umbringen“, so der Zeuge laut Protokoll. Protokolliert ist auch der dramatische Notruf, den ein  Mitbewohner abgesetzt hatte: „Bitte Ambulanz, Große Straße“, soll der polnische Anrufer mitgeteilt haben – und: „Bitte, beinahe Mann kaputt, Große Straße, Große Straße.“ Die Sanitäter trafen rechtzeitig ein, um den Verletzten zu einer Nimweger Klinik zu transportieren.