Kleve: Urlaub an den Bahngleisen

Kleve : Urlaub an den Bahngleisen

Die Stadt Kleve plant, den Stellplatz am Bahnhof, der ursprünglich als Provisorium gedacht war, zu erhalten. Ein Porträt der Camper, die ihren Urlaub zwischen Gleisen und Industriebaracken verbringen.

Eigentlich war der Wohnmobilstellplatz an der Van-den-Bergh-Straße nur als Provisorium gedacht, nachdem der alte Platz am Spoykanal der Hochschule weichen musste.

Doch Bauamtsleiter Dirk Posdena, kündigte nun an, dass der Platz am Bahnhof so gut angenommen werde, dass die Stadt ihn wahrscheinlich erhalten wolle. Momentan werde aber auch nach einem zweiten Stellplatz im Innenstadtbereich gesucht. Wer sind die Camper, die ihren Urlaub in unmittelbarer Nachbarschaft der Gleise verbringen?

Gemütlich ist es bei Jan und Herma Kastenberg. Und vor allem warm. An diesem nasskalten Tag zwischen Weihnachten und Neujahr sammeln sich auf den Fenstern der Kastenbergs Tropfen zu Rinnsalen, die unablässig die Scheiben hinunterlaufen und ein eisiger Wind rüttelt an der Tür des Wohnmobils.

Der 56-jährige Niederländer Jan Kastenberg macht es sich in seinem Sessel bequem, von dem aus er den Fernseher im Blick hat: "Wir sind gerne hier, vor allem wegen der Ruhe." Fünf Meter hinter dem Wohnmobil sieht man durch die Frontscheibe der Fahrerkabine die Gleise des Klever Bahnhofs. Eine Regionalbahn wartet mit laut brummendem Motor am Bahnsteig.

Der Reisemobilstellplatz an der Van-den-Bergh-Straße ist nicht gerade das, was man sich unter einem Urlaubsidyll vorstellt. Zwischen leerstehenden Fabrikgebäuden und den Obdachlosen auf dem Bahnhofsvorplatz schmiegt sich der Stellplatz an die Bahngleise. Und doch scheinen bei einigen Wohnmobilisten Urlaubsgefühle aufzukommen, wenn sie im Niederrhein Tourismus Prospekt lesen: "60 Stellplätze auf Schotterrasen". Bei vier Grad Außentemperatur und bleigrauem Himmel stehen zehn Wohnmobile auf der Fläche.

"Ich bin Lastwagenfahrer, da möchte ich im Urlaub nicht auch noch weite Strecken zurücklegen" erklärt Jan Kastenberg, warum er schon zum zweiten Mal mehrere Tage Urlaub auf dem Stellplatz am Bahnhof macht. Petra Hendricks vom Kleve Marketing weiß, dass die Kastenbergs keine Ausnahme sind: "Die meisten Wohnmobilisten, von denen viele aus Belgien oder den Niederlanden kommen, bleiben länger als eine Nacht auf dem Platz."

Ein Blick in das Wohnmobil der Nachbarn aus Belgien, die bereits mehrere Male für jeweils eine Woche Urlaub am Klever Bahnhof gemacht haben: "Die Eisenbahn stört uns nicht", sagt Lea Segers "Natürlich ist es im Sommer schöner, wenn man mit dem Rad zum Rhein fahren kann, aber auch im Winter kommen wir gerne. Das Wichtigste ist eh, dass wir innerhalb von fünf Minuten in der Innenstadt sind."

Das Ehepaar aus der Nähe von Antwerpen wundert sich über die Frage, warum man bei diesem Wetter mit dem Wohnmobil in den Urlaub fahre: "Das Wetter stört uns nicht, wenn wir zu Hause die Tür aufmachen ist es schließlich auch kalt und nass."

Nach der Wärme der Wohnmobile wirkt das Wetter vor der Tür noch ungemütlicher. Der Wind peitscht Regentropfen ins Gesicht und trägt eine blecherne Stimme vom Bahnsteig mit sich: "Die Nordwestbahn aus Düsseldorf, bitte Vorsicht bei der Einfahrt."

(menn)