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Kreis Kleve: "Unternehmer leben Werte vor"

Kreis Kleve : "Unternehmer leben Werte vor"

Die Veranstaltungsreihe "Gründerland Kreis Kleve" zu Gast in Issum. Vorträge und Diskussion bei der Firma Steuerungstechnik Voortmann. Ein Hochschulprofessor referierte: Was den Gründergeist ausmacht.

Hans-Josef Kuypers war nicht mit leeren Händen gekommen. Drei symbolische Grundsteine aus Bronze hatte der Geschäftsführer der Kreiswirtschaftsförderungsgesellschaft mit nach Issum gebracht, die er an drei Männer überreichte: Heinz Friedrich "Freddy" Voortmann sowie Gerd und Christian Loy. Sie sind Gründer beziehungsweise Geschäftsführer der Steuerungstechnik Voortmann GmbH und Co. KG, bei der die zweite Folge der Reihe "Gründerland Kreis Kleve - Ideen finden ihr Zuhause" stattfand. Kuypers gratulierte zum Erfolg und zum "wunderbaren" neuen Firmensitz am Gewerbering, der erst im September 2017 bezogen wurde und vorerst der Schlusspunkt des stetigen Wachstums ist.

Geschäftsführer Gerd Loy fasste die Entwicklung des Unternehmens in Zahlen. Aus den Anfängen 1986 in der elterlichen Garage mit zwei Mitarbeitern - Voortmann und seiner Frau - ist ein Arbeitgeber für 127 Menschen geworden. Der Umsatz ist von 2,2 Millionen Euro 1999 auf nun knapp 18 Millionen Euro gestiegen. Sieben Geschäftsbereiche werden abgedeckt: Pneumatik, der älteste Zweig, Hydraulik, die immer stärker aufkommende Elektrotechnik, Drucklufttechnik, Verladetechnik und Metallbau als größter Bereich, berufliche Qualifizierung sowie der Service. Allein in diesem, laut Loy gewinnbringendsten, Sektor sind jeden Tag rund 30 Mitarbeiter unterwegs. Auf einem 12.500 Quadratmeter großen Gelände entstand das moderne Gebäude. Die Bürofläche beläuft sich auf 2170 Quadratmeter, jede der drei Hallen ist 840 Quadratmeter groß. "Unser Herzstück ist das automatische Kleinteilelager", sagte Loy.

"Unternehmer- und Gründergeist passen nach Issum", betonte die stellvertretende Bürgermeisterin Margret Keusen. Die Firma Voortmann sei ein Beispiel dafür. Sie wies darauf hin, dass die Gemeinde mit dem Gewerbegebiet Schankweiler Raum für Investitionen vorhalte. Insgesamt sei die Aktivität eher gedämpft, wie Kuypers für den Kreis verdeutlichte. "Das Gründungsgeschehen war in den vergangenen Monaten und Jahren rückläufig." So viele Beschäftigungsverhältnisse wie nie zuvor, 95.000 Menschen, machte er als einen Grund dafür aus.

Andrea Franken (r.) moderierte die Diskussionsrunde mit mehreren Firmeninhabern. Foto: Stade

"Der Leidensdruck fehlt", sagte Alexander Klein und nannte damit einen weiteren Grund. Fast 90 Prozent der Erwerbstätigen seien mit ihrer Arbeit zufrieden, sagte der Professor der Hochschule Rhein-Waal in Kleve im Hauptvortrag des Abends, der sich dem Thema "Unternehmer- und Gründergeist - die Basis für unsere Zukunft" widmete. Er zählte mehrere Motivationen für Unternehmer auf: Gestaltungswille, Vision, elterlicher Betrieb, Geldanlage, aber auch Rauswurf, Studienabbruch und die Flucht vor dem Chef. Gründen oder Kaufen, das seien die zwei Hauptwege zum Unternehmertum. Gründer müssten für ihre Idee brennen, improvisieren, zäh sein; Nachfolger bräuchten die ganze Palette der Managementfähigkeiten. Die größten Barrieren für diejenigen, die mit einer Firmengründung liebäugelten, seien Finanzierungsprobleme und Abstiegsangst. Klein stellte die Frage, wie unsere Gesellschaft mit Gescheiterten umgeht. "Sollte man nicht dem, der etwas gewagt hat, Respekt zollen?" Wichtigstes Erfolgskriterium sei das Timing. Unternehmer müssten als zentrale Figuren prägen. "Sie leben Werte vor und geben sie an ihre Mitarbeiter weiter." Und: Gründer müssten nicht immer jung sein.

Welchen Nährboden Issum für Unternehmer bietet, zeigte sich in der von Andrea Franken moderierten Gesprächsrunde. Dort teilten neben Gerd Loy Apothekerin Stefanie Basmer, Café-Betreiberin Vicky Borgmann, Malermeister Matthias Deckers und Ingenieur Alexander Schraven ihre Erfahrungen.

(RP)