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Umstrukturierungen beim Karl-Leisner-Klinikum: Nur wenig Protest aus Goch

Gesundheit im Kreis Kleve : Klinik-Pläne: SPD kündigt Widerstand an

Die geplanten Neuordnungen des Karl-Leisner-Klinikums (KKLE) sorgt in Goch für Unruhe. Die Stadtspitze ist bisher zurückhaltend.

Am Tag nach dem Bericht über die Planung des Karl-Leisner-Klinikums (KKLE), die Struktur des Verbunds ein weiteres Mal zu verändern, bleibt der öffentliche Aufschrei aus. Das mag zum einen daran liegen, dass die Geschäftsführung der Kliniken sich bislang mit klaren Aussagen zurückhält. Unwidersprochen blieb die Aussage, dass in absehbarer Zeit die Allgemeine und Viszeralchirurgie nach Kleve verlegt werden könnte.

Nicht wenige Menschen – auch medizinische Fachleute – sehen in der absehbaren Veränderung sogar eine Chance. Denn jeder weiß, wie schwierig es ist, Ärzte zu gewinnen, die sich als Allgemeinmediziner oder Fachärzte im Kreis Kleve niederlassen wollen. Wenn Medizinische Versorgungszentren (MVZ), die im Hospital angesiedelt würden, für ein deutlich besseres ambulantes Angebot sorgten, wäre das sicherlich auch nicht schlecht, so eine oft gehörte Meinung.

Ulrich Knickrehm (BfG), Bürgermeister der Stadt Goch, reagiert gelassen. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Eher gelassen klingt auch die erste Stellungnahme von Barbara Hendricks, der SPD-Bundestagsabgeordneten des Kreises Kleve. Sie teilt auf Anfrage mit: „Ich bin sicher, dass die anstehenden Entscheidungen verantwortungsbewusst im Sinne der Patientten, der Beschäftigten und der wirtschaftlichen Entwicklung des Klinikverbundes getroffen werden“. Ihr Gegenspieler von der CDU, Stefan Rouenhoff, hatte verlangt, dass das Klinikum schnell die Öffentlichkeit informieren müsse. Es gehe um Arbeitsplätze und um die medizinische Versorgung im Kreis.

Im März 2012 demonstrierten viele Gocher gemeinsam mit Angestellten des Hospitals gegen die Schließung des Krankenhauses. Foto: Evers, Gottfried (eve)

Eher vorsichtig äußert sich Bürgermeister Ulrich Knickrehm (BfG): „Wichtig ist, dass der Standort Goch im Klinikverbund nicht in Frage gestellt wird und auch künftig die medizinische Grundversorgung für die Gocher sichergestellt ist. Das ist für mich von zentraler Bedeutung. Hinsichtlich der weiteren Entwicklung ist mir von der Klinikleitung ein enger Dialog und rechtzeitige Information zugesagt worden.“ SPD-Fraktionschef Klaus Nikutowski wiederum appelliert an die Entscheider, das Angebot in Goch nicht weiter zu reduzieren. „Wir verlangen den Erhalt des Status Quo.“ Der Begriff „Standort“ und die Zusage, diesen nicht aufgeben zu wollen, spielt eine zentrale Rolle in der Debatte. Von „Krankenhaus“ ist nicht mehr die Rede, was bedeuten könnte, dass es Bettenstationen in Goch künftig nicht mehr geben wird.

Der Begriff der „ambulanten Angebote“ umfasst allerdings mehr als „Arztbesuche“. Bekanntlich ist das Wilhelm-Anton-Hospital seit Jahren Schwerpunktkrankenhaus für die Tumorbehandlung. Dabei wird eben nicht nur operiert, wesentlich sind auch Chemo- und Strahlentherapie. Karl-Heinz Augustin (69) aus Goch wird dort seit einigen Monaten wegen Darmkrebs behandelt. „Ich fühle mich auf der onkologischen Abteilung mit ihren Ärzten und Pflegern in besten Händen. Ich vertrage die Chemo gut, keine Frage bleibt unbeantwortet.“ Immer wieder bleibe er für drei Tage auf der Station; eine komplett ambulante Chemo möchte er sich nicht vorstellen. „Da sitzt man auf dem Flur und wartet auf einen freien Stuhl – schrecklich.“ Er hofft, dass zumindest die Onkologie in Goch bleiben kann.