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Kleve: Umkehr auf der Landstraße

Kleve : Umkehr auf der Landstraße

Dario Pizzano änderte sein Leben radikal. Über seinen Weg zum Christentum sprach und diskutierte er im Frasselter Pfarrheim. Das Thema des Abends "Glaube braucht Zeugnis" lag bis vor sieben Jahren jenseits seiner Gedankenwelt.

Wenn allgemein neben dem Einkommen die persönliche Einstellung zur Religion in Gesprächen tabu bleibt, so kann — wie einst Petrus vor dem Hohen Rat — Dario Pizzano nicht über das schweigen, was ihn als jungen Lebemann ungeplant und blitzartig mit dem Christenglauben konfrontierte.

 Dario Pizzano merkte mit 30 Jahren, dass es noch andere Lebensentwürfe gibt als nur Drogen, Alkohol, Sex und Rock'n Roll.
Dario Pizzano merkte mit 30 Jahren, dass es noch andere Lebensentwürfe gibt als nur Drogen, Alkohol, Sex und Rock'n Roll. Foto: nn

Heute geht er mit seiner Arbeit in Vorträgen, Workshops und Seminaren vor allem auf junge Menschen zu. Er erzählt ihnen davon, was er als 30-Jähriger erlebte und was sein Leben radikal veränderte. Das bestimmte jetzt auch im Frasselter Pfarrheim seinen spannenden Gesprächsabend mit einem zwar übersichtlichen, doch hochinteressierten Teilnehmerkreis, der über die Offenheit Pizzanos staunen ließ.

Fast 400 Kilometer lagen hinter ihm, als er im Turmraum der Kirche beim Lesen des "Kerzengebetes" sich wieder daheim fühlte, weil dieses Bittgebet aus der Marienkapelle der Ägidienkirche in Heiligenstadt stammt. Diese Stadt liegt in seinem unmittelbaren Arbeitsgebiet, wie er eigens bei der Vorstellung am Ende der Abendmesse bemerkte. Das Thema des Abends "Glaube braucht Zeugnis" lag bis vor sieben Jahren jenseits seiner Gedankenwelt. Schuld daran waren die Lebensverhältnisse. Er war drei Jahre, als der Vater seine Familie verließ.

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Die Mutter heiratete wieder; doch der neue Mann war gewalttätig, täglich schlug er den Jungen wie seine Mutter. Als Neunjähriger verlor er seinen Opa. Dessen Tod erschütterte ihn so, dass ihn fortan ständig Todesangst quälte. Er bezog eine Wohnung im Haus seines Vaters, eines cleveren Gastronomen, in dessen Geschäft er mit einstieg. Doch das Leben hatte trotz Drogen, Alkohol, Sex und Rock'n Roll für ihn keinen Sinn mehr.

Seelisch und körperlich völlig am Boden, ging ihm auf der Straße unweit seiner Heimatstadt im Auto fast unbewusst ein Stoßgebet über die Lippen. Im gleichen Moment vernahm er eine innere Stimme. Er hörte Gott, hielt an und heulte sich ordentlich aus. Alle Angst war augenblicklich verschwunden. (Mehr dazu in der Buchbesprechung).Während der ärztlich empfohlenen Auszeit — sie währte neun Monate — dachte er gründlich über sein bisheriges Leben und seine Zukunft nach.

Pizzanos schonungsloses wie glaubwürdiges Bekenntnis ließ viele Fragen aufkommen. Die Tiefe und Intensität seiner Gottesbegegnung habe ihn nicht wieder losgelassen. Jesus habe ihm seine Sünden vergeben, sie gleichsam in einen Teich geworfen und ein Schild aufgestellt: "Angeln verboten!" In der Ruhe erfahre man Gott. Das hätten schon die Wüstenväter gewusst. Für ihn sei die Kirche die Gemeinschaft aller, die mit Gott, dem Nächsten und sich selbst Frieden gemacht hätten. Zwei ansprechende Abendstunden, die im Nu verflogen.

(RP/rl)