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Umfrage im Kleverland zur Bonpflicht im Jahr 2020.

Kleve : Die Bonpflicht schreckt den Handel

Ab dem 1. Januar 2020 herrscht Bon-Pflicht in Deutschland. Metzgereien, Bäckereien oder Kioske müssen künftig immer Kassenzettel ausgeben. Wir haben uns im Handel umgehört. Walter Heicks spricht von einer "Katastrophe".

Für jede Tüte Bonbons, jedes Brötchen und jede Fleischwurst heißt es ab Januar 2020: Kassenbonpflicht. Der Grund ist das „Gesetz zum Schutz vor Manipulationen an digitalen Grundaufzeichnungen“, 2016 verabschiedet vom Bundestag. Das Ziel des Kassengesetzes: mehr Steuergerechtigkeit im Einzelhandel. Durch die lückenlose elektronische Dokumentation sollen künftig keine Umsätze mehr am Fiskus vorbeifließen. Der lokale Handel aber zeigt sich nicht begeistert, wie eine Umfrage unserer Redaktion zeigt. „Wir werden tun, was wir können. Aber wir sehen den Mehrwert dieses Gesetzes nicht, das ist eine bürokratische Katastrophe“, sagt Bäcker und Konditor Walter Heicks.

Schon jetzt werde nämlich jeder Bon registriert, sodass das Finanzamt die Umsätze nachvollziehen kann. „Aber die Kunden werden die Bons nicht wollen“, sagt Heicks. So befürchtet er, dass das Bundesgesetz dazu führen werde, dass mehr Sondermüll entsteht. Dazu kommt: Die Fiskalspeicher, die zur neuen Erfassung nötig sind, seien aktuell nicht lieferbar. „Da kommt die Industrie mit der Produktion überhaupt nicht hinterher“, erklärt Heicks. Zum Hintergrund: Die Fiskalspeicher speichern jeden Bon so, dass diese beim Finanzamt jederzeit ausgelesen werden können. Das Gesetz gilt zum Jahreswechsel. Ursprünglich sollten Kassen gleich die neuen Vorschriften erfüllen müssen, das Finanzministerium räumt den Betrieben eine Umstellungszeit bis Ende September ein.

Klar geregelt ist künftig auch, was auf Kassenzetteln aufgeführt werden muss: Datum und Uhrzeit des Belegs, der Name und die Anschrift des Ausstellers sowie Art und Menge der gekauften Artikel. Dazu kommen Rechnungsnummer, Betrag und Steueranteil sowie die Seriennummer des Kassensystems. „Wir machen den Irrsinn natürlich mit und schauen, was passiert“, sagt Metzger Daniel Quartier. Er kritisiert die kurze Lebensdauer der Kassenzettel, immerhin würden diese vom Kunden schnell weggeworfen. „Wir sind vorbereitet, immerhin ist für uns die Umstellung nicht so groß wie für andere“, sagt er weiter. In seinen Metzgereien sei das Bonsystem bereits jetzt Standard, anders aber ist der Status-Quo bei der Schnellrestaurant-Tochter „CurryQ“. „In der Regel geben wir da keine Kassenzettel aus, das wird sich nun ändern müssen. Auch wenn wir uns sicher sind, dass die Kunden damit wenig anfangen können“, sagt Junior-Chef Daniel Quartier weiter. Er erwartet, künftig größere Mülleimer vorhalten zu müssen, da die Bons schnell entsorgt würden. Im Betrieb seines Vaters Lothar Quartier zeichnet er für die technische Umrüstung verantwortlich. Er kann dieser sogar Positives abgewinnen: „Grundsätzlich sind wir dafür, dass auch steuerlich für einen fairen Wettbewerb gesorgt wird. Es ist ja kein Geheimnis, dass es in der Gastronomie Betriebe gibt, die Steuern nicht so abführen, wie sie es müssten. Für alle ehrlichen Geschäftsleute wie wir, wäre das ein Stück weit Gerechtigkeit“, sagt Daniel Quartier. Auch der Gocher Metzger Klaus Kox meint: „Die Umstellung ist für uns kein Thema. Unsere Systeme sind darauf vorbereitet, das bekommen wir hin.“ Völlig anders das Meinungsbild bei der Tabakbörse Heeks am Klever Bahnhofsplatz. „Bis jetzt geben wir  nur bei Kartenzahlung Bons aus. Wir fragen unsere Kunden, ob sie einen Kassenzettel wollen. Und 80 Prozent wollen ihn nicht“, sagt Hendrik Heeks. Er geht davon aus, dass deutlich mehr Kassenrollen benötigt werden. „Bisher kommen wir mehrere Wochen mit einer aus, jetzt werden wir wohl täglich neue Rollen einlegen müssen“, sagt Heeks.