Übung: Traings-Base am Airport beliebt bei Feuerwehr

Trainingsbase Weeze : Mit dem Flieger zur Feuerwehr-Übung

Was passiert, wenn brennbare Stoffe zu heiß werden, ahnt selbst der Laie: Entzündung und Detonation drohen. Mit solchen Lagen umzugehen, übt derzeit eine bayerische Werksfeuerwehr. Mit dem Flugzeug von Ingolstadt nach Weeze.

Schon vor 50 Jahren begann Bayern sich vom reinen Agrarland zum Industrie- und Dienstleistungszentrum zu entwickeln; von Technologie war erst später die Rede. Eine eigenständige Energieversorgung wurde angestrebt, eine Pipeline angelegt, und Esso baute in Ingolstadt eine große Raffinerie. Heute gehört das Werk der Gunvor-Group, die Öl und andere Energieprodukte lagert, verarbeitet, transportiert und mit ihnen handelt. Die gefährlichen Stoffe im Unternehmen bedingen eine leistungsfähige Werksfeuerwehr. Die übt derzeit auf dem Gelände der Trainings-Base Weeze am Flughafen.

Ungewöhnlich war schon die Anreise: „Erstmals ist eine Gruppe Lehrgangsteilnehmer direkt zu uns geflogen“, freut sich Rüdiger Schulz, der für die deutschen Lehrgangsteilnehmer zuständig ist. Der Kollege Stephan Rüping ist der Praktiker; selbst Mitglied einer Berufsfeuerwehr, kennt er sich bestens mit den Bedürfnissen der Einsatzkräfte aus. Seit vielen Jahren nutzen diverse niederländische, belgische und einige andere Feuerwehren oder Polizeieinheiten die Möglichkeiten der Trainings-Base, deutsche kommen noch nicht ganz so viele. „Aber es werden mehr. Die Chance, so nahe an der Realität zu üben, hat man ja anderswo kaum“, weiß Rüping.

Geprobt werden Situationen, die in den meisten Fällen zum Glück nie eintreten. Gefährliche Lagen, die im Ernstfall gemanagt werden müssten. Zum Beispiel der gefürchtete „Flash over“, bei dem brennbare Stoffe wie etwa Rauchgas „durchzünden“. So etwas kann in Weeze wirklichkeitsnah simuliert werden. Auf einem Schienenstrang steht ein alter Kesselwagen der Deutschen Bahn. Schon viele Male musste er brennen, ebenso wie einige Autos und ein Flugzeug, die auf dem Gelände zu Übungszwecken in Brand gesetzt und gelöscht werden können. „Da sind dann natürlich keine problematischen Stoffe mehr drin. Die Autos brennen zum Beispiel immer wieder weil wir trockenes, unbehandeltes Holz in die Wracks legen und entzünden“, erklärt Schulz.

Diese Feuerwehrtruppe war die erste aus
Diese Feuerwehrtruppe war die erste aus Ingolstadt, weitere folgen. Foto: Markus van Offern (mvo)
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Im Fall des brennenden Kesselwagens wurde angenommen, dass er Chemikalien geladen hat, sich Gas erhitzte und durch ein defektes Ventil eine hohe Stichflamme austrat. Schnell stand ein Großteil des Behälters in Flammen und musste gelöscht werden. „Zudem hatten die Männer die Aufgabe, möglichst zu verhindern, dass sich der Brand ausbreitete“, berichtet Rüping. Das Kühlen des benachbarten Waggons gehörte dazu.

Die Gunvor-Feuerwehr kam nicht nur mit einer Gruppe, die drei Tage vor Ort ist, sondern ist mit gleich drei Trupps angemeldet - jede kommt per Flugzeug von Ingolstadt/Manching nach Weeze. „Und sie werden sechs Jahre lang mit uns zusammenarbeiten“, erzählt Rüdiger Schulz. Die Männer üben nicht nur das Brand-Löschen, sie müssen auch einen Dummy aus einer Grube retten. Hat er Gift inhaliert oder ist er nur gestürzt? Bedeutet die Gasleitung in dem Loch eine zusätzliche Gefahr? Im ehemaligen Kraftwerk von Laarbruch sollen die Feuerwehrleute einen Arbeiter aus großer Höhe abseilen. Zuvor müssen sie natürlich rauf zu dem Hilflosen und ihn als Ersthelfer versorgen.

„Für jede Einheit, die bei uns trainiert, entwickeln wir ein angepasstes Programm“, berichtet Schulz. So war es auch diesmal: Ein spezielles Übungsprogramm für den Brandschutz in einer komplexen industriellen Anlage, wie es eine Raffinerie ist, wurde konzipiert. Die Teams haben weiteres wichtiges Rüstzeug für Brandbekämpfung und Gefahrenabwehr vermittelt bekommen. Und sie werden zu Hause bestimmt vom Weezer Airport berichten.