Bedburg-Hau-Moyland: Über die Zukunft der NRW-Museen

Bedburg-Hau-Moyland: Über die Zukunft der NRW-Museen

Bettina Paust, stellvertretende künstlerische Leiterin des Museums Schloss Moyland, ist neben Stephan Berg und Edwin Jacobs Sprecherin des Verbundes der 35 Kunstmuseen im Land. Die Kulturhäuser wollen mit einer Stimme sprechen.

Es ist eine illustre Runde: Prof. Stephan Berg, Intendant des "Kunstmuseums Bonn", der als Generaldirektor des Centraal Museum von Utrecht gekommene Edwin Jacobs, jetzt Direktor des "Dortmunder U", und schließlich Bettina Paust, lange Jahre Direktorin des Museums Schloss Moyland, die dort inzwischen als stellvertretende künstlerische Leiterin geführt wird, weil der Stiftungs-Vorstand sich anders orientieren möchte. Berg, Jacobs und Paust sind jetzt die Sprecher der 35 NRW-Kunstmuseen, darunter eben das Kunstmuseum Bonn, das Dortmunder U, Museum Schloss Moyland und aus der Region auch die Museen in Kleve und Goch.

Den Zusammenschluss der NRW-Museen gab schon eine ganze Zeit, wenn Not am Mann war. Doch nun soll der Museumsverbund mit seinen drei Sprechern der neuen Landesregierung und dem neuen Ministerium Ansprechpartner sein. "Wir wollen uns sehr intensiv über die Zukunft der eigenen Institution Gedanken machen. Wir wollen das gemeinsam mit dem Land und der neuen Ministerin gestalten", sagt Stephan Berg in einem WDR-Interview. Schließlich wisse man als Museumsleiter eigentlich sehr genau, wo der Schuh drückt. "Insofern glauben wir, dass wir mit diesem Sprecherverbund genau die Ansprechpartner sind, die das Land braucht", so Berg, der Museen auch als Hort des Analogen sieht, als ein Ort, an dem man die Dinge, die unsere Kultur geprägt haben, noch tatsächlich physisch erleben könne.

"Wir bereiten derzeit ein Papier für die Zukunft der Museen in Nordrhein-Westfalen vor", sagt Bettina Paust. Die Kunsthistorikerin betont, dass die Sprecher dabei die Vorarbeit für den Kollektivverbund der 35 Museen machen. Dabei hilft Paust auch ihr derzeitiger Lehrauftrag an der Universität Düsseldorf, bei dem sie in einem Seminar das Qualitätsmanagement in Kunstmuseen NRW an praktischen Beispielen untersucht - auch am Beispiel von Museum Morsbroich und Museum Schloss Moyland. Auf gar keinen Fall dürfe sich ein Museum zurückgerichtet als Mausoleum verstehen, es muss offen sein für Veränderungen und Entwicklungen, sich auch der Digitalisierung öffnen, müsse seine Arbeit dokumentieren, sagt Paust. Als Direktorin richtete Bettina Paust Schloss Moyland neu ein und forcierte den Umgang mit den digitalen Medien - wie beispielsweise in der "Summer School Beuys digital". Museen müssen sich mit dem demografischen Wandel auseinandersetzen ebenso wie - wenn sie wie Moyland nicht in einem Ballungszentrum liegen - mit der Landflucht, sie müssen sich der Digitalisierung stellen und auch ihre Organisationsstrukturen auf den Prüfstand stellen, sagt sie. "Man muss sich als Museum auch hinterfragen, untersuchen, was man austarieren muss, oder welche Zielgruppen für das jeweilige Museum zu definieren sind", sagt die Kunsthistorikerin.

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Stephan Berg geht im Interview noch einen Schritt weiter: "Wir müssen uns ja heute fragen, ob es in Zukunft überhaupt noch Museen geben soll. Das ist keine Frage, die nur uns allein betrifft, sondern eine Frage, die in der offenen Diskussion mit der Gesellschaft geklärt werden muss".

Beide begrüßen, dass mit Isabel Pfeiffer-Poensgen eine Frau Ministerin geworden ist, die aus dem Kunstbereich kommt und die Szene kennt. "Die weiß, dass diese Frage nach einer inneren Identität der Museen natürlich auch eine gesellschaftliche Relevanz hat", sagt Stephan Berg.

Peter Driessen, Bürgermeister der Gemeinde Bedburg-Hau und im Kuratorium der Stiftung Museum Schloss Moyland, begrüßt die Aktivität von Paust im Museumsverbund: "Damit hat Moyland das, was wir uns so lange gewünscht haben: eine überregional anerkannte Museumsdirektorin".

(mgr)