Trotz negativer Prognose: Uedem will wachsen

Unternehmerabend : Trotz negativer Prognose: Uedem will wachsen

Bürgermeister Rainer Weber gab sich beim Unternehmerabend der Kreis-Wirtschaftsförderung kämpferisch: Er will dafür sorgen, dass wieder mehr Leute in seine Gemeinde ziehen. Experten sehen gute Chancen, dass der Plan gelingt.

Die kürzlich vorgestellte Wohnungsmarktstudie für den Kreis Kleve Studie hat hohe Wellen geschlagen. Die Kernaussage: In den 16 Kommunen müssen bis zum Jahr 2030 insgesamt etwa 20.000 Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf zu decken. Weil dieses Ziel durchaus ambitioniert ist und das Thema Bauen sehr viele Menschen berührt, hat die Wirtschaftsförderung Kreis Kleve dazu ihren jüngsten „Unternehmerabend“ gestaltet. „Wohnungsbau in Uedem: Bedarfe – Flächen – Programme“, war der Abend überschrieben. Die große Resonanz gab der Wirtschaftsförderung recht: Mehr als 100 Interessierte kamen am Donnerstag ins Bürgerhaus, um sich von Experten aus der Region die Lage und Perspektiven am Baumarkt erläutern zu lassen.

„Die Baupreise klettern wie verrückt. Der Bedarf an Wohnraum ist groß. In Uedem sieht jedoch alles entspannter aus. Hier dürften die Handwerker den Engpass darstellen“, sagte Kreis-Wirtschaftsförderer Hans-Josef Kuypers in seinen einleitenden Worten. In Zahlen ausgedrückt stellt sich das so dar: Die Studie sieht in Uedem einen Bedarf von gerade einmal zehn Wohnungen pro Jahr. Zum Vergleich: In der Kreisstadt Kleve müssen laut Gutachter jährlich 220 Wohnungen gebaut werden, um den Bedarf zu decken.

Bürgermeister Rainer Weber zeigte sich nicht erfreut über diese und andere Prognosen. „Uns wird bis zum Jahr 2040 ein Bevölkerungsrückgang von mehr als  8000 Einwohnern auf 6900 vorhergesagt“, sagte er. Er glaubt nicht an diese Prognose, und er hat dafür auch gute Gründe: „Die Beschäftigtenzahlen in unserer Gemeinde steigen seit Ende der 90er Jahre. 2018 hatten wir einen Rekordstand.  Firmen wachsen, Aldi, Edeka und DM wollen sich ansiedeln. Wir haben noch ausreichend Haus- und Zahnärzte.“ Das seien gute Voraussetzungen. „Wir wollen wieder auf 8500 Einwohner wachsen“, kündigte der Bürgermeister an. Dazu sei es wichtig, dass die Gemeinde Land von Bürgern aufkaufen kann. „95 Prozent der entwickelbaren Flächen sind in privater Hand“, sagte Weber. 

Fachbereichsleiter Benedikt Koenen erläuterte, wie die Gemeinde Bauwillige anlocken will. „Wir haben günstige Baulandpreise von 95 Euro pro Quadratmeter in Uedemerbruch bis zu 135 Euro in Uedem. Familien mit kleinen Kindern bekommen einen Zuschlag. Entgegen den Prognosen planen wir mit neuen Wohnbauflächen (s. Infokasten, d. Red)“, sagte Koenen.

Bauen geht in der Regel nicht ohne die Hilfe der Banken. In einer Interviewrunde mit Andrea Franken aus Keppeln gaben Stephan Kunz von der Düsseldorfer NRW.Bank, Thorsten Welmans von der Sparkasse Rhein-Maas und Franz Steenmans von der Volksbank an der Niers Tipps für Bauherren und solche, die es noch werden wollen. Der Tenor: Früh anfangen zu sparen, Förderungen mitnehmen, ausführliche, individuelle Beratung einholen.

Markus Coenen vom Ingenieurbüro Coenen aus Goch, errichtet derzeit an der Mühlenstraße 27 Wohneinheiten für ältere Menschen. Er würde sich wünschen, dass die Infrastruktur im ländlichen Raum verbessert, die Internetversorgung ausgebaut und Bürokratismus abgebaut wird. Johannes Mölders von Immobilien und Gartenbau Mölders findet, dass stärker Wert auf geförderten Wohnungsbau gelegt werden sollte. „Wir haben damit nur gute Erfahrungen“ sagte er. Kein Neubau ohne Handwerker. Jörg Garbe von Garbe Elektro- und Solartechnik würde gerne mehr Aufträge annehmen, kann es aber nicht. „Die Bücher sind voll, aber uns fehlen drei bis vier Mitarbeiter“, erzählte er im Gespräch mit Andrea Franken. Schulen und die Gesellschaft müssten das Handwerk mehr in den Blick nehmen, forderte er.

Bei allen Herausforderungen – Uedem muss sich nicht unnötig ängstigen, war sich die Runde einig. Ganz im Gegenteil. „Uedem wird mit seiner Lage an der A 57 gewinnen, wenn es der Gemeinde gelingt, an private Grundstücke zu kommen“, sagte Kuypers. Das Fazit des Kreis-Wirtschaftsförderers: „Uedem hat eine gute Perspektive.“