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Trotz Corona: Bei Problemen mit dem Herzen den Arztbesuch nicht aufschieben

RP-Telefonaktion : Den Arztbesuch trotz Corona-Pandemie nicht aufschieben

Wer schlecht Luft bekommt oder einen Druck im Brustkorb verspürt, sollte nicht zögern, sondern sofort zum Arzt gehen. Das gelte auch in Zeiten von Corona, sagt Kardiologe Norbert Bayer. Am RP-Telefon war er gefragt.

Jetzt, mitten in der Corona-Pandemie, trauen sich viele Menschen nicht, zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen. Für Menschen, die Probleme mit dem Herzen haben, kann das fatale Folgen haben. Deswegen hat Dr. Norbert Bayer, Chefarzt der Klinik für Kardiologie und Nephrologie des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums, auch gerne die Möglichkeit angenommen, im Rahmen der Herzwochen der Deutschen Herzstiftung an der RP-Telefonaktion teilzunehmen. Eine Stunde lang beantwortete er die Fragen unserer Leser, konnte dabei so manche Befürchtung zerstreuen, ermahnte aber auch einige Anrufer, dass es nun doch Zeit für einen Arztbesuch sei.

Ein Leser berichtete dem Herzspezialisten, dass er zeitweise von starker Atemnot geplagt werde. Er hatte sich im Februar drei so genannte Stents einsetzen lassen. Durch dieses röhrenförmige Drahtgeflecht werden verengte Gefäße geweitet, so dass das Blut wieder ungehindert fließen kann. Erst habe sich die Situation für ihn durch die Maßnahme enorm gebessert, berichtete der Anrufer, doch jetzt nehme die Atemnot wieder zu. „Das klingt ganz so, als müsste man aktiv werden“, entgegnete Bayer. Bei einer sehr kleinen Prozentzahl an Patienten käme es vor, dass sich die Gefäße trotz Stents wieder verengen. Bayer empfahl dem Patienten, sich zunächst von seinem Hausarzt untersuchen zu lassen, der ihn dann bei Bedarf an einen Spezialisten verweisen könne. Der Kardiologe betonte im Gespräch, dass Patienten, die eine akute Atemnot haben, sich jederzeit, auch ohne Termin, an die Klinik für Kardiologie und Nephrologie des Katholischen Karl-Leisner-Klinikums wenden können.

Ein Anrufer aus Kevelaer hatte im Februar bereits einen Termin für ein Stress-MRT, musste diesen aber aufgrund einer akuten Erkrankung absagen. Seine Frage: „Sollte ich dies jetzt nachholen, obwohl es das Coronavirus die Runde macht?“ Bayers eindeutige Antwort: „Das Corona-Thema sollte niemanden davon abhalten, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.“ Die Kliniken hätten ein sehr dichtes Sicherheitsnetz.

Ein Patient mir Herz-Rhythmus-Störungen berichtete dem Chefarzt, dass er bei Belastung stark schwitze, und wollte wissen, ob dies ein bedrohliches Zeichen sei. Der Kardiologe entgegnete, dass Schwitzen keine direkten Rückschlüsse auf eine Herzerkrankung zuließe. Herzprobleme äußerten sich in erste Linie durch Schmerzen im Brustkorb, Atemnot und Leistungsverlust, so der Herz-Spezialist. „Für Schwitzen kann es hingegen viele Gründe geben“, sagte Bayer. Er empfahl dem Anrufer, seine Schilddrüse untersuchen zu lassen.

Ein anderer RP-Leser erzählte dem Arzt, dass er vor drei Monaten Pfeiffersches Drüsenfieber gehabt habe und immer noch krankgeschrieben sei, weil er ständig müde und kaum noch belastbar sei. Dr. Bayer wies ihn darauf hin, dass die Virus-Infektion nach so langer Zeit eigentlich überstanden sein sollte. Er riet dem Anrufer dazu, ein Belastungs-EKG vornehmen zu lassen. Dazu sollte er zunächst seinen Hausarzt aufsuchen. Auch eine Ultraschall-Untersuchung des Herzens könne sinnvoll sein, so der Facharzt. Die gleiche Empfehlung gab Bayer auch einem Anrufer, der über Schmerzen in der Brust bei Belastung klagte. „Die Untersuchung dauert etwa eine Stunde, danach haben Sie Klarheit“, sagte Bayer.

Stichwort Arztbesuch: Bayer ist bewusst, dass Patienten auf einen Termin beim Facharzt mitunter schon mal länger warten müssen. Grundsätzlich sei die Versorgung im Kreis Kleve jedoch vergleichsweise gut. „Im Kreis gibt es derzeit fünf Kardiologen. Die Situation ist besser als noch vor zwei, drei Jahren“, sagt Bayer. Auch die stationäre Versorgung in den Kliniken in Kleve und Kevelaer sei gut.

Das Fazit der Telefon-Sprechstunde: Nicht jedes Zipperlein weist auf eine Herzerkrankung hin. Aber im Zweifel ist es immer besser, sich zunächst beim Hausarzt untersuchen zu lassen. Und wer akute Probleme wie Atemnot oder Schmerzen in der Brust hat, muss sich sofort beim Notdienst oder in der Klinik melden.