Kleve: Tritt Theo Brauer aus dem Amt heraus an?

Kleve : Tritt Theo Brauer aus dem Amt heraus an?

SPD, Grüne, FDP und Offene Klever wollen gemeinsam mit einer Bürgermeisterkandidaten-Findungskommission einen parteiunabhängigen Gegner für Udo Janssen (CDU) finden. Auch der Amtsinhaber hält sich noch eine Tür offen.

Udo Janssen schlägt Wolfgang Gebing und tritt als Bürgermeisterkandidat der CDU Kleve an: Diese vier Wochen alte Sensations-Nachricht hat seither die politische Gerüchteküche befeuert wie keine andere Meldung zuvor. Denn spätestens seit dem Überraschungscoup des früheren Fraktionschefs wittern sämtliche Parteien außerhalb der CDU in Kleve Morgenluft. Die Suche nach einem gemeinsamen Kandidaten hatten sich die SPD, die Bündnisgrünen, die FDP und die Offenen Klever (OK) schon auf die Fahnen geschrieben, als sie von Wolfgang Gebing als Gegner ausgehen mussten. Nach Udo Janssens Sieg glauben die "kleineren Parteien" noch fester an die Chance, zum ersten Mal in der Historie der Kreisstadt einen Bürgermeister ins Rathaus zu schicken, der nicht das CDU-Parteibuch in der Tasche hat. Und im Hintergrund dieser Kandidatensuche der buntesten Art unter der Voraussetzung, eine(n) unabhängige(n ) Vertreter(in) ohne Parteizugehörigkeit zu finden, schwebt ein Satz aus dem Munde des amtierenden Ersten Bürgers Theo Brauer, der mindestens schon an zwei Orten wörtlich so gefallen ist: "Wenn alle Stricke reißen, dann trete ich noch einmal an". Genau das hat er im kleinen Kreis beim Neujahrsempfang der Grünen und beim Stadtmarketing-Beirat Kleve gesagt. Und Brauer-Kennern ist klar, was er meint: Falls Udo Janssen antritt (und daran zweifelt derzeit keiner) und falls die "Oppositionellen" keinen in Augen von Brauer geeigneten Gegner aufstellen, kandidiert er zum Wohle der Stadt ein weiteres Mal aus dem Amt heraus und verzichtet vorerst auf ein Privatleben als Rentner. Da gibt es keinerlei Altersbeschränkung und eine Partei, die ihn als Kandidaten aufstellt, ist nicht nötig. Bis Ende Juli ist Zeit.

Das gilt auch für die aus den vier kleineren Klever Parteien zusammengesetzte Bürgermeisterkandidaten-Findungskommission, die es geschafft hat, ihre bisherige Arbeit schweigsam zu verrichten. Ein Mitglied des aus jeweils zwei Parteivertretern gebildeten Gremiums, der SPD-Ratsherr Christian Nitsch, sagte auf Anfrage der RP denn auch nur: "Es macht Sinn, völlig losgelöst von der Parteienebene einen unabhängigen Kandidaten zu finden, der für alle antritt, und dafür auf das eigene Vorschlagsrecht zu verzichten. Da arbeiten wir sehr gut und vertrauensvoll, fast schon freundschaftlich miteinander." Er sei sicher, einen geeigneten Anwärter gleich welchen Geschlechts finden zu können: "Und dann muss jede Partei für sich entscheiden und die Mitglieder müssen ihn aufstellen".

Womit ein Name, der seit Wochen durch die Küchennebel wabert, ad acta gelegt sein dürfte. Der Ex-Grünen-Chef Dr. Artur Leenders, immer mal wieder ins Spiel gebracht, "erfüllt nicht das von uns gestellte Anforderungsprofil der Parteiunabhängigkeit", sagt Nitsch. Und: "Wir kennen auch keine Kandidatur von ihm", sagt er und nennt im selben Atemzug einen zweiten immer mal wieder gehandelten Namen, nämlich den der Klever Hochschulpräsidentin Prof. Dr. Marie-Louise Klotz: "Von uns hat niemand mit Frau Dr. Klotz gesprochen", sagt Nitsch.

Tatsache freilich ist auch, dass das parteiübergreifende Gremium schon einmal fündig geworden ist oder besser war: Für den Geschäftsführer der Kreis Klever Wirtschaftsförderungs-Gesellschaft Hans-Josef Kuypers hatten dem Vernehmen nach bereits alle Vertreter der vier Parteien den Daumen in die Höhe gereckt. Aber der Versuch, ihn auf den Schild des gemeinsamen Bürgermeisters in spe zu heben, scheiterte, weil Kuypers nach einer kurzen Bedenkzeit - wie übrigens auch schon Monate zuvor auf Anfrage der CDU in seiner Heimatstadt Goch - absagte und es vorzieht, auf dem Chefsessel des Kreis-Wirtschaftsförderers zu bleiben.

(RP)
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