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Kreis Kleve: Traumberuf Köchin

Kreis Kleve : Traumberuf Köchin

Schon als Kind war Lina Weßels klar, dass sie später in einer Profiküche arbeiten möchte. Heute kocht sie im Bürgerhaus Uedem und ist beliebt bei den männlichen Kollegen. Der Chef ist froh, eine Frau im Team zu haben.

Lina Weßels wirkt schüchtern, lächelt viel, aber scheu. Es ist gar nicht so einfach, sie sich als taffe Köchin in einem pulsierenden Betrieb wie dem Bürgerhaus Uedem vorzustellen. Aber genau das ist sie. "Wenn es richtig hoch hergeht, kann es zwischen den Mitarbeitern auch mal laut werden", sagt sie. "Aber das muss man abkönnen, sonst ist man in diesem Beruf verkehrt."

Dieser Beruf, Köchin, war schon lange ihr Ziel. Als Kind hat sie ihrer Mutter geholfen, das Essen zuzubereiten. "Da habe ich gemerkt, das ist mein Ding", so die 24-jährige Gocherin. Die Arbeit hat sie fasziniert, weil sie ihre volle Konzentration erfordert: Kochen ist Präzision, Sorgfalt und Schnelligkeit. Und es kommt darauf an, ein Teamplayer zu sein.

Arbeiten statt Urlaub

Nach der Schule hat sie fünf Bewerbungen für eine Lehrstelle geschrieben. Die ersten, die sie kennenlernen wollten, waren Ulrike und Frank van Laak, Betreiber des Bürgerhauses Uedem. An das Vorstellungsgespräch im Jahr 2001 kann sich der Chef noch gut erinnern. "Sie war zurückhaltend, aber das war nicht weiter schlimm. Der Gesamteindruck war positiv. Außerdem hatte sie diesen gewissen Ehrgeiz", so der 42-jährige Koch.

In der Tat: Sofort ließ Lina Weßels ihren lange geplanten Urlaub sausen, um bei den van Laaks auf Probe zu arbeiten. Nach vier Wochen boten sie ihr einen Ausbildungsvertrag an. Wenn die junge Frau daran zurückdenkt, fangen ihre Augen noch heute an zu leuchten. "Es ist einfach super, dass das so schnell geklappt hat. Ich habe mich von Anfang an wohl in der Küche gefühlt", schwärmt sie.

Offen für Vorschläge

Ein Grund dafür dürfte sein, dass Chefkoch van Laak offen für Vorschläge ist. "Jeder darf seinen Senf dazugeben und soll es sogar. Dadurch werden wir nur besser", findet er. An seiner jungen Kollegin schätzt er ihre Kreativität. In ihrem Metier, den Beilagen, überrascht sie immer wieder mit neuen Ideen. "Warum eine Kohlrabi nicht auch mal in Dreiecke schneiden statt in Streifen", fragt sie rhetorisch und lächelt ihr scheues Lächeln.

Dass sie eine Frau ist, habe nie eine Rolle gespielt, betont sie. Nie habe sie sich von den männlichen Kollegen benachteiligt gefühlt. Frank van Laak räumt zwar ein, dass er bei Frauen eher "Zickenalarm" befürchte, aber dafür seien sie zuverlässig, immer. "Egal, wie stressig es auch zugeht: Sie liefert gute Arbeit ab."

Keine kulinarischen Egotrips

Dazu gehört auch, trotz aller gebotenen kreativen Freiheit den gut bürgerlichen Stil des Hauses zu wahren. Kulinarische Egotrips wie zum Beispiel ein Dessert aus Radieschen und Orangen könnten Lina Weßels nicht passieren. "Das hat bisher nur ein Mann geschafft", sagt der Chef.

(RP)