Kreis Kleve: Transall als Bastler-Bausatz

Kreis Kleve: Transall als Bastler-Bausatz

Der Niederländer Piet Smedts hat von der Bundeswehr ein ausgemustertes Flugzeug gekauft, das er auf dem Airport Weeze auseinandernimmt. Ein Tieflader bringt die Teile nach Baarlo. Verleih an Fernsehproduktionen.

Für sein Hobby braucht er viel Platz. Aber den hat Piet Smedts, seit er sein großes Autohaus aufgegeben hat. Der frühere BMW-Händler in Baarlo nahe Venlo hatte mit 49 Jahren keine Lust mehr, den ganzen Tag zu arbeiten und seine große Liebhaberei hinten anzustellen.

Er macht es jetzt anders herum: geht seinem Hobby nach und verdient damit Geld. Smedts sammelt ausgediente Militärflugzeuge und vermietet sie dann. Sein jüngstes Schätzchen schraubt er in diesen Tagen auf dem Airport Weeze auseinander.

Gemeinsam mit einem guten Freund und einigen Helfern nimmt der Geschäftsmann die 39 Jahre alte Transall Stück für Stück auseinander. Ein Tieflader steht bereit und fährt jeden Tag ein Stück nach Hause. Mal ist es ein Leitwerk, mal ein Triebwerk, dann ein Fahrwerk, schließlich die Tragflächen. "Wir fahren immer nachts, denn dafür muss die Polizei die Straße sperren. Die Transporte sind bis zu sechs Meter breit", erklärt Smedts.

Erworben hat der Niederländer die alte Transportmaschine direkt von der Bundeswehr. Es war nicht sein erstes Geschäft mit der Hardthöhe: "Ich habe schon ungefähr 40 Flugzeuge von der Bundeswehr gekauft. Die melden sich bei mir, wenn sie etwas abzugeben haben." Nach und nach, berichtet Peter Esser, der Leiter der Verkehrsleitung am Airport Weeze, trennt sich die Luftwaffe von diesem Typ, für den der Nachfolger A400M noch nicht verfügbar ist. Esser kennt sich in der Branche bestens aus — auch bei ihm liegen Beruf und Hobby nahe beieinander.

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Das Exemplar, das in Weeze bis auf den Rumpf zurückgebaut wird, war in der ganzen Welt unterwegs, sind sich die Experten sicher. Transall-Maschinen befördern Truppen in Krisen- und Einsatzgebiete, bringen Medikamente und Sanitäter, können zum Lazarett umgebaut werden und Bodenfahrzeuge an Bord nehmen.

"Alles, was geheim bleiben muss, baut die Bundeswehr vorher aus", erklärt Smedts — zum Beispiel Radar und Navigationsgeräte. Zudem wird die Maschine flugunfähig gemacht. "Teile, die die Bundeswehr noch brauchen kann, hat sie hier vor Ort ausgebaut und durch nicht mehr flugtaugliche ersetzt", berichtet Esser. Die Landung der Transall, die sich mit ihrem typischen Brummen ankündigte, hatten viele Passagiere und Flughafenmitarbeiter mitbekommen. Etwa sechsmal im Jahr nutzt die NATO die Möglichkeit, Militärmaschinen in Weeze landen zu lassen, wenn sich Generäle auf dem Luftwaffenstützpunkt Kalkar treffen.

100 000 Euro bringt Smedts nach eigenen Angaben für die Transall, die Zerlegung und den Transport nach Baarlo auf. Damit sich die Anschaffung rechnet, wird die Maschine jetzt möglichst häufig für Fernsehproduktionen oder andere Events ausgeliehen.

(RP/jul)
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